Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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daß  Bewegungen,  wie  die  Vorschläge  der  Weißgerber  zu  Arau,  zu
keinem  Ergebnis  geführt  hatten,  daß  das  Handwerk  bereits  um  die
Wende  des  18.  Jahrhunderts  und  weiterhin  in  den  ersten  Dezennien
des  19.  eine  empfindliche  Schlappe  erlitten  hatte,  wie  dies  auch  die
oben  i)  angeführten  Statistiken  zeigen;  vor  allen  Dingen  ersichtlich  wird
dieser  Rückgang  des  ganzen  Handwerks  der  Gerber  schon  um  diese  Zeit
natürlich  in  den  Untersuchungen,  welche  sich  zusammenfassenderer
Statistiken,  als  wir  sie  hier  benutzen  dürfen,  bedienen  können;  auf
diese  Arbeiten  muß  daher  verwiesen  werden  ^).  Ganz  kurz  soll  hiev
nur  die  Tatsache  konstatiert  werden,  daß  das  Handwerk  der  Gerber
seit  der  Wende  des  18.  Jahrhunderts  fast  unbeirrt  durch  gute  Zeiten
oder  durch  Krisen  eine  stets  stark  sinkende  Tendenz  aufgewiesen  hat,
derart,  daß  die  Zahlen  der  Gerbermeister  fast  immer  eine  relative,  sehr
oft  sogar  eine  absolute  Abnahme  zeigen.
Abschließend  für  das,  was  bisher  über  Handwerk  und  Lederfabrik
gesagt  wurde,  möge  ein  Gutachten  der  Uffenheimer  Rotgerbermeister
von  1851  angeführt  werden,  in  welchem  ein  Konzessionsgesuch  abschlägig ­
  beschieden  wurde;  dort  heißt  es:  „Wenn  man  das  Geschäft
eines  Gerbermeisters  dahier  ohne  die  zufällige  Verbindung  mit  dem
Besitz  einer  nicht  unbedeutenden  Ökonomie  in  das  Auge  faßt,  so  ergibt
sich  sofort,  daß  eine  Vermehrung  der  hiesigen  Gerberconcessionen  von
Nachteil  ist."  ...  „So  gut  nun  dermalen  die  noch  vorhandenen  Gerbermeister ­
  neben  ihrem  Gewerbe  Grundbesitz  inne  haben,  so  gut  kaun  in
Bälde  dieses  Verhältnis  sich  ändern;  wo  sollen  dann  die  vorhandenen
Meister  einzig  und  allein  auf  den  Gerberverdienst  beschränkt  ihren
Nahrungsstand  hernehmen?  .  .  .  Die  Fabrikerzeugnisse  und  die  Lederhandlungen ­
  wirken  zu  nachteilig  auf  die  Gerbereien  an  solchen  Plätzen
wie  dahier  ein" 8 ).
§  28.  Die  Entwicklung  der  Fabrik.
Der  Übergang  der  Manufaktur  zur  Fabrik  ist  nach  den
bisherigen  Darlegungen  eigentlich  kein  Problem  und  datiert  nicht  aus
einem  bestimmten  Jahre  oder  Jahrzehnt.  Eine  Manufaktur  mit  118  Arbeitern ­
  wie  die  oben  erwähnte  Berliner  von  1780,  welche  Walkmühle
und  Lohmühle  zu  eigen  besitzt,  welche  also  den  ganzen  für  das  Gewerbe
bekannten  maschinellen  Betrieb  ihr  Eigentum  nennt,  unterscheidet  sich
von  der  Fabrik  nur  noch  durch  den  Mangel  einer  ausgebildeten  Verl
 )  Vgl.  S.  *73  ff.
s )  Siehe  vor  allem  Schmoller  1870  und  dessen  umfangreiche  Litteraturhinweife;
des.  siehe  S.  36,  51,  53,  54,  68,  80,  93,105,  110,  126,  127,  142,  274,  279,  303,  369  ff.
3 )  Uffenheim  1851.
            
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