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seine weitverzweigte, musterhafte Organisation, nicht zum wenigsten
auch durch die Qualität seines Oeles ein entschiedenes Ueber-
gewicht über seine Konkurrenten hat, die nur langsam und unter
den grössten Anstrengungen ihre Stellung gegen ihn verstärken
konnten. Allerdings haben sie während des letzten Jahrzehnts
bemerkenswerte Fortschritte gemacht und das Monopol, das der
Trust besass, in mehr als einem Lande vernichtet. Doch bedeutet
das letztvergangene Jahr, 1905, wieder einen entschiedenen Um
schwung. Die schweren Schäden, die die russische Erdölindustrie
durch die Brände in Baku erlitt, ermöglichten dem Trust, trotz
der Shell und der unabhängigen Oelgebiete in Hinterindien
(Burmah Oil Co.) und Japan, in Asien, welcher Erdteil bis jetzt
am wenigsten von ihm abhängig war, erobernd vorzudringen.
Auch Europa scheint seinem Einfluss wieder mehr anheim zu
fallen. Der Streit tobt jetzt in allen Kulturländern, am heissesten
natürlich da, wo es einen hohen Preis gilt.
Ein solches Land ist eben Deutschland, und um die Herr
schaft gerade in diesem bis jetzt zweitgrössten Konsumtionsgebiete
der Welt spielt sich jetzt ein besonders erbitterter Kampf ab,
dessen einzelne Phasen oben kurz geschildert worden sind.
Aber die grossen Finanzgruppen treten, wie schon erwähnt,
nicht direkt, mit offenem Visier, als Kämpfer auf, sondern sie
agieren, um ihre Identität zu verbergen, unter verschiedenen
Masken. Reisst man diese jedoch herab, so schmilzt die Zahl
der Gesellschaften zusammen. Dem kritischen Blick erscheinen
dann nur die wohlbekannten drei Gesichter, die einzelnen Firmen
als das, was sie in Wirklichkeit sind: als Vertriebsgesellschaften.
Dass diese Absonderung manche Vorteile für sich hat, ist
nicht zu verkennen. U. a. wird das Risiko dadurch beschränkt.
Dies ist besonders wichtig für die deutschen Banken, die selbst
im schlimmsten Falle nicht über ihre tatsächliche finanzielle Be
teiligung bei der betreffenden Gesellschaft hinaus in Anspruch
genommen werden können. Beim Standard Oil Trust spricht
dieser Umstand weniger mit. Die von ihm abhängigen Gesell
schaften verdanken auch besonderen Gründen (Aufkauf bestehen
der Firmen, deren Angliederung an das Hauptgeschäft, meist
allerdings aus Konkurrenzrücksichten, erst allmählich erfolgte) ihre
Entstehung.
Der besseren Uebersicht halber gebe ich nachstehend unter