Full text : Die Zeit der preußischen Freihandelspolitik

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Transitzölle  gehemmt,  welche  immer  weniger  einbringen  und
doch  den  deutschen  Eisenbahnen  alljährlich  Millionen  an
Fracht  zu  gunsten  fremder  Bahnen,  fremder  Häfen  und  Kaufleute ­
  entziehen;  ingleichen  schleppen  sich  die  Differentialzölle ­
  zugunsten  fremder  Staaten  wie  eine  ewige  Krankheit
unserer  Zollpolitik  von  Jahr  zu  Jahr  mit  fort.  Handelsverträge, ­
  vor  denen  man  als  Deutsche  erröten  muß,  haben  Belgien
und  Holland  erhebliche  Vorteile  vor  den  vaterländischen  Häfen
zugesichert;  andere  Verordnungen  bewilligen  dem  direkten
Bezüge  von  französischen  Häfen  in  ganz  wichtigen  Artikeln,
wie  in  Wein,  eine  Prämie  und  erschweren  den  deutschen  Häfen
die  Versorgung  des  Inlands.  Es  herrscht  ferner  noch  im  Eisenbahnwesen, ­
  in  der  Bestimmung  der  Frachtsätze  von  seiten  einzelner ­
  Bahnen  eine  ungerechtfertigte  Willkür,  welche  die  Errichtung ­
  einer  Eisenbahnbehörde  für  Deutschland  oder  eines
Überwachungskomitees  von  Privaten  dringend  nötig  macht;
ingleichen  gibt  sich  im  Bank-,  Kredit-  und  Geldwesen  eine
peinliche  Unklarheit  über  die  zweckmäßige  Gestaltung  der
darauf  bezüglichen  Verhältnisse  und  ein  unsicheres  Experimentieren ­
  kund,  unter  welchem  die  Sicherheit  jedes  Geschäftsbetriebes ­
  erlahmen  muß.  Was  aber  erst  unsere  Gewerbegesetzgebungen ­
  betrifft,  so  sind  wir  Deutschen  darin  einzig  in  unserer
Art.  Wir  können  unseren  Zunftzopf  nicht  einmal  mehr  bei
einem  internationalen  Kongreß  Vorbringen;  denn  andere  zivilisierte ­
  Nationen  haben  ihn  längst  überwunden.“  Aus  dieser
Aufzählung  der  wirtschaftlichen  Gebrechen,  an  denen  Deutschland ­
  krankte,  sieht  man,  welch  reiches  Arbeitsgebiet  sich  der
Tätigkeit  praktischer  Volkswirte  damals  darbot.  Der  Aufruf
zur  Gründung  volkswirtschaftlicher  Vereine  fand  daher  lauten
Widerhall.
Eine  günstige  Gelegenheit  zur  Förderung  der  beabsichtigten ­
  Organisation  bot  sich  in  Frankfurt  a.  Main,  wo  im  November ­
  1857  der  internationale  Wohltätigkeitskongreß  tagte.
Von  hier  aus  wurde  ein  Aufruf  erlassen,  der  die  Bildung  eines
Vereins  deutscher  Volkswirte  bezweckte.  Für  die  Ausführung
dieses  Planes  entfaltete  außer  Böhmert  vor  allem  Schultze-Delitzsch
  in  der  Presse  eine  rege  Tätigkeit.  So  kam  im  Herbst
1858  in  Gotha  eine  Versammlung  zustande,  aus  welcher  der
Kongreß  deutscher  Volkswirte  hervorging.  Dieser  Kongreß)
            
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