Full text : Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

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Erwin  Respondek,

Anwachsen  und  Sinken  der  Kreditoren  kann  auch  auf  andere  Ursachen
zurückgeführt  werden.  So  z.  B.  Errichtung  von  neuen  Konten  der
durch  Kriegslieferungen  am  Güterkreislauf  stärker  Beteiligten  oder  neu
Eingetretenen,  Rückkehr  des  Vertrauens  und  damit  Wiederaufnahme
der  Geschäftsbeziehungen  u.  ä.  m.,  andererseits  Auflösung  der  Konto-Korrent-Verbindung
  wegen  mangelnden  Vertrauens  zur  Bank  oder
Schließung  des  Geschäfts  usw.  Mit  Bestimmtheit  lassen  sich  daher
die  einzelnen  Verschiebungen  innerhalb  dieser  beiden  Posten  aus
den  bloßen  Zahlen  nicht  herauslesen.  Die  Kreditbanken  selbst
schweigen  in  ihren  Jahresberichten  sehr  geflissentlich.  Die  gleichen
Schwankungen  nach  unten  und  oben  wie  die  Kreditoren  zeigen
auch  die  fremden  Gelder,  die  für  die  geschäftliche  Struktur  der  Banken
im  Kriege  von  ebenso  hohem,  vielleicht  noch  größerem  Einflüsse  sind
als  im  Frieden.  Es  war  klar,  daß  nach  den  ersten  sturmvollen  Tagen,
die  eine  starke  Senkung  der  Depositeneinlagen  mit  sich  brachten,  nicht  sofort ­
  eine  ebenso  stürmische  Bewegung  in  entgegengesetzter  Richtung
eintreten  würde.  Eine  Reihe  von  Banken,  so  wiederum  die  Societe
Generale,  haben  sich  von  ihren  Verlusten  an  Depositen-Geldern  nicht
wieder  erholen  können.  Für  die  Societe  Generale  waren  die  Bestände
am  Jahresende  1913:  673,00  Mill.  Frcs.,  1914;  457,00  Mill.  Frcs.,  1915:
417,00  Mill.  Frcs.
Andere  dagegen  können  mit  relativ  höheren  Ziffern  auf  warten.
Das  Comptoir  National  hat  hier  während  des  Jahres  1915  und  auch
seit  Anfang  1916  eine  stete  Zunahme  zu  verzeichnen.  Am  31.  Dezember
1912  waren  die  fremden  Gelder  bei  ihm  645,00  Mill.  Frcs.,  am  31.  Dezember ­
  1913:  695,00  Mill.  Frcs.,  am  31.  Dezember  1914:  482,00  Mill.  Frcs.,
am  31.  Dezember  1915:  574,00  Mill.  Frcs.,  am  31.  März  1916  schon
644,00  Mill.  Frcs.
Eine  ähnliche  Steigerung  können  auch  einige  andere  Depositenbanken ­
  aufweisen.  Diese  einseitige  Bevorzugung  bestimmter  weniger
Banken  hat  ihre  Ursache  ausschließlich  im  Vertrauensmoment,  das  von
den  Sparern  und  kleinen  Kapitalisten  zur  Zahlungsfähigkeit  und  zum  Zahlungswillen ­
  der  Banken  in  Abhängigkeit  gebracht  wird.  Die  Depositen-Gläubiger
  werden  auch  in  der  Befristung  ihrer  Einlagen  den  Grad  ihrer
Vertrauensseligkeit  in  Gestalt  gestaffelter  Rückzahlungsquoten  zum
Ausdruck  bringen.  Obwohl  die  französischen  Kreditbanken  ihre  Depositengelder ­
  nicht  nach  dem  z.  B.  in  Deutschland  üblichen  Bilanzschema
gliedern:  Kreditoren  (provisionsfrei)  innerhalb  7  Tagen  fällig,  darüber
bis  3  Monate  fällig,  nach  3  Monaten  fällig,  vielmehr  nur:  Scheckkonto
und  Depots  mit  festem  Verfall,  so  ist  doch  schon  aus  dieser  Zweiteilung  ersichtlich, ­
  wie  erheblich  sich  die  Lage  der  kurzfristigen  Gelder  auf  Rechnung ­
  der  für  längere  Perioden  gebundenen  Gelder  verschoben  hat.  Es
lassen  sich  hieraus  Schlüsse  auf  den  Charakter  der  fremden  Gelder  ziehen.
Sie  sollen  einesteils  als  sofort  greifbare  Reserven  dienen,  sobald  irgendwelche ­
  Krisen  sich  bemerkbar  machen  würden,  andererseits  für  eine
bewegliche  Kapitalsanlage  stets  bereit  liegen,  d.  h.  frei  verfügbar  sein,
            
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