Full text : Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

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Erwin  Respondek,

und  die  Notenpresse  liefert  ihnen  als  Äquivalent  die  gewünschten  Geldmittel. ­
  Rein  wirtschaftlich  betrachtet,  wäre  das  so  geschaffene  Geld  eine
Anweisung  auf  Waren  nnd  Effekten,  in  die  sich  die  ursprünglich  festgelegten ­
  Gelder  der  Gläubiger  nunmehr  verwandelt  haben.  Diese  Demobilisierung ­
  immobiler  Werte  und  Ausgabe  von  neuem  Gelde,  das  dann
die  Regierung  kraft  ihres  Münz-Hoheitsrechtes  zum  gesetzlichen  Zahlungsmittel ­
  erhebt,  macht  ein  allgemeines  Moratorium  entbehrlich.
Das  hat  Deutschland  getan,  Frankreich  nicht.  Frankreich  wollte  oder
konnte  diesen  Weg  nicht  einschlagen.  Es  lehnte  jedenfalls  die  Errichtung
von  Darlehnskassen  offiziell  mit  der  Begründung  ab:  „Das  Privileg  der
Bank  von  Frankreich  soll  nicht  angetastet  werden.“
Die  Ablehnung  dürfte  diesem  Motiv  allein  kaum  entsprungen  sein.
Vielmehr  haben  auch  andefe  Faktoren  bei  der  Entscheidung  dieser
Frage  mitgewirkt,  und  wohl  mit  ausschlaggebender  Kraft  einmal  die  ungünstige ­
  Kriegslage,  und  dann  der  gewaltig  hohe  Betrag  ausländischer
Wertpapiere.
Frankreich  ist  ein  Rentnerstaat,  Deutschland  ein  Industriestaat.  Dies
wird  äußerlich  zur  Genüge  dokumentiert  in  den  Ziffern  des  ausländischen
Effektenbesitzes.  Der  Totalbestand  an  Wertpapieren  in  Frankreich  bis  zum
31.  Dezember  1914  wird  von  der  „Neuen  Zürcher  Zeitung“  geschätzt
auf  125  Milliarden  Frcs.,  hiervon  fremde  Werte  40—45  Milliarden  Frcs.
Der  Effektenbesitz  Deutschlands  wird  von  der  gleichen  Zeitung  geschätzt
auf  110  Milliarden  Mk.,  hiervon  fremde  Werte  15  Milliarden  Mk. 1 ).
An  der  hohen  Summe  der  ausländischen  Effekten  sind  fast  alle  europäischen ­
  Staaten  und  exotischen  Staaten  —  kapitalsschwache  und
-kräftige  —  beteiligt,  da  sie  in  Paris  stets  einen  offenen  Markt  fanden
für  politische  und  wirtschaftliche  Gegengeschenke.  Es  wird  hierauf
noch  ausführlicher  in  dem  Abschnitt  über  die  „Kreditinstitute“  zurückzukommen ­
  sein.  Hier  sei  vorläufig  nur  darauf  hingewiesen,  daß  die  Qualität ­
  jener  fremden  Werte  im  allgemeinen  schlecht  ist  und  nun  im  Kriege
nicht  nur  in  der  mehr  oder  weniger  spekulativen  äußeren  Kursbewertung,
sondern  vor  allem  in  ihrem  inneren  Werte  starke  Einbußen  erlitten
haben.
Würde  sich  die  französische  Regierung  zum  Darlehnskassenprinzip
entschlossen  haben,  so  hätte  auch  eine  äußerst  vorsichtige  Auswahl  der
zur  Beleihung  zugelassenen  Wertpapiere  dennoch  nicht  vor  einem  Überangebot ­
  geschützt.  Der  Staat  mußte  befürchten,  in  einem  höheren
Maße  Besitzer  jener  vielen  unsicheren  ausländischen  Werte  zu  werden,
als  ihm  lieb  ist.  Im  Falle  der  Nichteinlösung  der  Lombardpfänder  würden
x )  Auf  den  Kopf  der  Bevölkerung  berechnet  ergibt  die  Effektenbelastung  die  folgenden ­
  Ziffern:
Bevölkerungsziffer  Effektenbesitz
Annahme  für  1914  Frankreich;  40  Mül.  170  Milk  Frcs.
„  1914  Deutschland:  68  Milk  154  „  „
d.  h.  auf  den  Kopf
in  Frankreich  .  .  .  42,5  Frcs.
in  Deutschland  .  .  22,6  „
            
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