Full text : Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

Frankreichs  Bank-  und  Finanzwirtschaft.

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durfte  jedoch  nicht  zu  viel  entzogen  werden.  Nunmehr  mußten  die
stillen  Goldreserven,  von  denen  der  Leiter  der  Bank  von  Frankreich
sprach,  und  die  in  den  festen  Kasten  und  Fächern  der  Privaten  verborgen
ruhten,  mobil  gemacht  werden.  Die  Nachfrage  nach  dem  gelben  Metall
wurde  nun  plötzlich  so  dringend  und  stark,  daß  sogar  der  Finanzminister
die  Organisation  der  Goldkonzentration  persönlich  übernahm.  Er  leitete
durch  einen  Aufruf  vom  2.  Juli  1915  im  Lande  eine  regelrechte  Goldpropaganda ­
  ein.  Frankreich  folgte  mit  diesem  Beginnen  nur  einem
Beispiele.  Schon  viel  früher  begann  in  den  anderen  kriegführenden
Staaten  -—  namentlich  in  Deutschland  —  das  Bestreben,  das  umlaufende
oder  zeitweilig  aufbewahrte  Verkehrsgold  in  den  Zentralnotenbanken
zu  konzentrieren.  Frankreich  folgte  zwar  etwas  spät  mit  diesen  Anstrengungen, ­
  dafür  aber  um  so  intensiver.  Auf  den  Ruf  des  französischen ­
  Nationalökonomen  P.  Leroy-Beaulieu  wurde  nicht  mehr  geachtet. ­
  Seine  Mahnung;
„Man  ruft  sie  nicht  (die  Milliarden  Gold),  und  man  hat  recht.  Wir
beurteilen  die  Haltung  der  Deutschen  Reichsbank  bezüglich  der  Goldansammlung ­
  für  verfehlt,  denn  dies  ist  das  beste  Mittel,  die  Noten  zu
entwerten.  Laßt  also  die  Privaten  das  Gold,  das  ihnen  zusteht,  bewahren,
achtet  darauf  nicht,  und  die  Noten  werden  einen  besseren  Wert  haben“ 1 ),
die  er  noch  im  Januar  ertönen  ließ,  wurde  jetzt  übertönt  und  vergessen.
Um  Gold  rief  der  Prediger  von  der  Kanzel  herab,  in  den  Beichtstühlen
wurde  den  gottesfürchtigen  Gläubigen  ins  Herz  geschrieben,  ihr  Gold
zur  Bank  zu  bringen.  Die  Presse  war  bemüht,  die  Bevölkerung  aufzuklären, ­
  daß  die  Thesaurierung  von  Gold  absolut  zwecklos  ist  und  das
Gold  in  der  Bank  sicherer  aufbewahrt  wird,  als  in  den  Geldschränken,
in  der  Schule,  in  Vereinen  wurden  Goldsammlungen  veranstaltet.  Bis
zu  welchem  Grade  vor  allem  die  französische  Presse  ihre  rührige  Goldpropaganda
  getrieben  hat,  zeigt  ein  Erlaß  von  Geboten,  die  der  „Temps“
einem  jeden  guten  und  patriotischen  Franzosen  vorschreibt.  Er  schreibt 2 ):
„Unsere  finanzielle  Pflicht  ist  eine  doppelte:
1.  Es  ist  nichts  zu  unternehmen,  was  unsere  wirtschaftliche  Tätigkeit ­
  schädigen  könnte.
2.  Alles  ist  zu  tun,  was  unsere  Verteidigung  unterstützen  kann.
Erstens:  Die  negative  Pflicht.
Verberget  nicht  das  Gold,  verstecket  nicht  das  Silbergeld,  verberget
nicht  eure  Nickel-  und  Kupfermünzen.  Sein  Gold  verbergen,  heißt
dem  Lande,  welches  dasselbe  für  seine  Transaktionen  mit  dem  Auslande
braucht,  Schaden  zufügen;  seine  Silber-,  Nickel-  und  Kupfermünzen
verbergen,  heißt  seine  Unkenntnis  dokumentieren,  heißt  den  Handel
schädigen,  heißt  jede  Tätigkeit  ersticken.
Zweitens:  Die  positive  Pflicht.
Dieses  Gold,  das  ihr  nicht  aufschatzen  sollt,  müßt  ihr  zur  Bank
von  Frankreich  tragen,  denn  sie  wird  hieraus  die  erwünschten  Vorteile

1 )  L’Economiste  Fraufais.  Januar  1915,  S.  4.
2 )  Temps.  13.  August  1915.
            
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