Full text : Die Heimarbeit im Kriege

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Wenn  wir  dazu  geführt  werden,  die  Heimarbeit  nur  als  letztes,
aber  auch  wirklich  letztes  Aushilfsmittel  in  Betracht  zu  ziehen,  so
entfällt  darum  nicht  die  Pflicht,  andere  Möglichkeiten  zu  durchdenken. ­
  Ich  sehe  diese  namentlich  in  einer  intensiveren  Garten-,
Geflügel-  und  Gemüsezucht,  Belebung  der  landwirtschaftlichen
Nebenproduktionen,  die  ausgleichend  auf  den  Saisoncharakter  >der
Landwirtschaft  wirken.  Bei  einigermaßen  guter  Organisation  des
Absatzes  und  nicht  allzu  schlechten  Verkehrsverhältnissen  wird  es  in
den  nächsten  Jahren  in  Deutschland  immer  möglich  sein,  Eier,  Gemüfe
  und  Milchprodukte  zu  verwerten,  während  der  Absatz  von
Handweberei,  Spitzen  und  Stickereien,  Konfektion  usw.  äußerst  unsicher ­
  bleibt.  Auch  sollte  man  die  Bargeld  sparenden  Beschäftigungsmöglichkeiten ­
  nicht  ganz  niedrig  einschätzen;  vielleicht
sind  sie  nicht  immer  in  den  Augen  der  Arbeiter-  oder  Kleinbauenlschaft
  von  dem  Wert  wie  Bargeld  bringende;  über  bei  genauer  Prüfung ­
  ergibt  sich,  daß  der  Gewinn  durchaus  nicht  unbedeutend  ist.
Der  mit  den  Verhältnissen  des  Landes  sehr  vertraute  Lehrer  Gülgowski
  schätzt  den  Kleidervorrat  einer  kleinbäuerlichen  Familie  von
8  Köpfen  (Eltern  und  sechs  Kinder  von  6  bis  22  Jahren)  -auf  etwa
1200  M.  Neuwert.  „Dabei  sind  alle  Stoffe  von  so  minderwertiger
Qualität,  daß  kaum  ein  Stück  über  ein  Jahr  hält.  Hemden  z.  B.,
die  von  den  Leuten  zu  ein  bis  zwei  Mark  das  Stück  gesaust  werden, ­
  vertragen  kaum  eine  Wäsche.  —  Im  Durchschnitt  wird  der
ganze  Kleidervorrat  alljährlich  erneuert  werden  müssen.  Mer
wenn  wir  auch  für  einige  Stücke  zwei  Fahre  in  Anschlag  bringen,
so  betragen  die  jährlichen  Ausgaben  für  Kleider  im  Durchschnitt
700  bis  800  Mark.  Nun  kommt  aber  die  Ergänzung  der  Bettwäsche ­
  hinzu,  was  mit  50  Mark  äußerst  niedrig  bemessen  ist.  Der
betreffende  Bauer  gibt  das  Jähr  über  für  Reparaturen  und  Neuanschaffungen ­
  rund  80  Mark  aus.  Früher  sparte  er  es,  denn  er
machte  sich  die  Sachen  allein.  —  Wenn  wir  auch  das  Material  und
alle  sonstigen  Abzüge  in  Anrechnung  bringen,  so  können  wir  sagen,
daß  ein  Bauer  durch  das  Aufgeben  des  -Hausfleißes  rund  500  Mark
jährlich  verliert.  Das  Stück  Land,  das  früher  zum  Flachsbau  benutzt ­
  iimrbe  unö  woraus  jetzt  Kartoffeln  allgebaut  iverden,  kanil
            
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