Full text: Die Heimarbeit im Kriege

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bücher, die durch die Gewerbeordnung für die Konfektion eingeführt 
wurden, haben sich als eine sehr gute Einrichtung bewährt. Leider fehlt 
diese Einrichtung noch für alle anderen Zweige der Hausindustrie. Auch 
für die Durchführung der Krankenversicherung der Hansgewerbtreibenden, 
die me vielen größeren Heimarbeilbezirken durch Ortsstatut eingeführt 
wurde, ist es von Wichtigkeit, an der Hand der Lohnbücher den tatsäch 
lichen Arbeitsverdienst des Hansgewerbtreibenden festzustellen, um der 
Gefahr einer Ueber- oder Unterversicherung mit all ihren nachteiligen 
Folgen zu entgehen. 
Wir bitten ferner einen Hohen Bundesrat, der Ausführung der Be- 
stimmungen über den sanitären Schutz und die Fürsorge für Jugendliche 
(88 6—9 des Hausarbeitgcsetzes) durch Verordnung näher zu treten, da 
die örtlichen und einzclstaatlichen Instanzen in der Besorgnis versagen, 
daß infolge von eingreifenden Bestimmungen die Heimarbeit aus einem 
geregelten in einen ungeregelten Bezirk auswandert. 
Vor allem sollten endlich die in dem Gesetz vorgesehenen Fachaus 
schüsse geschaffen werden, von deren Tätigkeit wenigstens eine gewisse 
günstige Beeinflussung der Lage erhofft werden kann. Drehe Fachaus 
schüsse, die nach § 19, Ziffer 4 und 5 auch für die Lohnfrage in ge 
wissenr Umfange zuständig sind, sollten, wenn irgend möglich, schon wäh 
rend des Krieges errichtet werden, da sich für sie gerade jetzt fruchtbare 
Arbeitsmöglichkeiten eröffnen. 
Bon ausschlaggebender Bedeutung für die Wirksamkeit der Fach 
ausschüsse ist die Pevsonenfrage. Leider ist der Kreis der als Vertreter 
der Hausarbeit ht Frage kommenden Personen durch die Ausführungs 
verordnung in einer Weise eingeengt, die das Gesetz selbst nicht vorsieht. 
Auch widerspricht diese Verordnung den ausdrücklichen, in den Verhand 
lungen mit den Reichstagskommissionsmitgliedern von der Reichs- 
regierung gemachten Zusicherungen, daß itämlich auch heimarbeitfachknndige 
Personen, die nicht Heimarbeiter waren oder sind, als Vertreter der Ar 
beiter vorgeschlagen und bestimmt werden können. 
Unter Berufung ans diese Zusicherung der Reichsregierung bitten 
wir, dafür Sorge zu tragen, daß die dvnra'ls gemachten Versprechungen 
innegehalten werden und der Zulassung unabhängiger, sozial geschickter 
Persönlichkeiten, auch wenn sie nicht dem Gewerbe angehören oder an 
gehört haben, keine Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden. 
Unsere Bolkszahl und Volksgesundheit hat durch den Krieg schwer 
gelitten. Diese Wunden gilt es zu heilen. Darüber hinaus wird auch 
nach einem siegreichen Kriege die allgemeine Weltlage die äußerste An 
spannung aller Kräfte erfordern. Das nationale Interesse verlangt ge-
	        
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