Full text : Hundert Jahre J.P. Bachem, Buchdruckerei, Verlagsbuchhandlung, Zeitungsverlag

J

Arbeitsanstalten  binden,  weil  die  eigene  Binderei  für  Massenbetrieb ­
  noch  nicht  ausreichend  eingerichtet  war.  Sie  beschränkte
sich  vielmehr  in  der  Hauptsache  auf  das  Broschieren  der  Verlagswerke, ­
  was  bis  zum  Ende  der  1870er  Jahre  ausschließlich  mit
der  Hand  geschah.  Erst  zu  dieser  Zeit  hielten  zwei  dampfgetriebene
Falzmaschinen  Schweizer  Herkunft  ihren  Einzug  in  die
Binderei.
Bald  darauf  begann  man  auch  mit  der  Herstellung  der  Einb
  ä  n  d  e,  womit  der  Grundstein  zur  Großbuchbinderei  gelegt  wurde.
Dem  lebhaften  Interesse,  das  Fridolin  Bachem  seit  seinem  Eintritt
ins  Geschäft  der  Entwicklung  der  Buchbinderei  entgegenbrachte,
verdankte  diese  den  Aufschwung,  den  sie  aus  den  damals  noch
bescheidenen  Anfängen  genommen  hat.
Die  unzulänglichen  Raumverhältnisse  hielten  die  Leistungen
indes  vorerst  noch  in  engen  Grenzen.  Nur  die  einfachen  Halbleder- ­
  und  Ledereinbände  des  Diözesan-Gesang-  und  Gebetbuches,
die  freilich  eine  umfangreiche  laufende  Arbeit  darstellten,  konnten
ausgeführt  werden,  während  die  sog.  Salonbände  der  belletristischen
Verlagswerke  noch  in  Leipzig  angefertigt  werden  mußten.  Nach
Beseitigung  der  räumlichen  Behinderung  infolge  des  Erweiterungsbaues ­
  von  1889  kam  es  im  nächsten  Jahre  zur  Aufstellung  von
allen  zur  Buchherstellung  erforderlichen  Maschinen.  Drei  Buchund
  mehrere  Broschüren-Heftmaschinen  sowie  Vergolderpressen
wurden  angeschafft,  so  daß  von  nun  ab  nicht  nur  viele  Buchdecken ­
  für  die  Belletristik  aus  Kaliko,  sondern  auch  sämtliche
Diözesanbuch-Einbände  vom  einfachen  Halblederband  bis  zum
vornehmsten  Saffian-  und  Kalblederband  mit  Goldschnitt  im
eigenen  Hause  angefertigt  wurden.
Auf  diese  Weise  entwickelte  sich  auch  die  Bachemsche  Buchbinderei ­
  schon  zu  Ende  der  1890  er  Jahre  langsam  zu  einer  der
größten  Dampfbuchbindereien  Westdeutschlands.
Bei  dem  Umzug  im  Jahre  1901  konnte  der  Buchbinderei  das
Erdgeschoß  des  Nordflügels  mit  ungefähr  400  Quadratmeter
Arbeitsraum  überwiesen  werden.  Eine  geordnete  Aufstellung  der
Maschinen,  dem  Entwicklungsgang  des  Buches  angepaßt,  brachte
eine  bessere  Uebersicht  und  Ausnutzung  mit  sich.  Schnell  stieg
dabei  die  Menge  der  geleisteten  Arbeit,  während  auch  die  Güte
durch  dauernde  Bemühung  der  Betriebsleitung  sich  weit  über
den  Rahmen  der  Durchschnitts-Buchbinderarbeit  erhob.  Nach
und  nach  wurde  die  Herstellung  der  großen  Mengen  Decken  für
            
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