Full text : Hundert Jahre J.P. Bachem, Buchdruckerei, Verlagsbuchhandlung, Zeitungsverlag

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Kammerpräsidenten  August  Reichensperger  die  Gründung
einer  neuen  Kommanditgesellschaft  unter  der  Firma  Jos.
Bachem  &  Comp,  zur  Herausgabe  der  „Deutschen  Volkshalle“ ­
  mit  einem  Kapital  von  10000  Taler,  deren  alleiniger
Gerant  Josef  Bachem  wurde.  Die  politischen  Grundsätze  waren
nach  der  Erklärung  des  provisorischen  Verwaltungsrats  vom
14.  September  (abgedruckt  im  Monatsblatt  des  Borromäus-Vereins
  No.  33  vom  25.  September  1849)  im  wesentlichen  die
der  Rheinischen  Volkshalle:  „Ein  einiges,  großes  und  mächtiges
Deutschland“  (mit  Oesterreich),  die  „Unabhängigkeit  der  Kirche“,
die  „Freiheit  des  Unterrichts  gegen  jede  Beeinträchtigung“,  der
Friede  unter  den  Konfessionen.
Die  Einrichtungsgegenstände  der  Gesellschaft  Stienen  &  Co.
waren  für  294  Taler,  das  Verlagsrecht  der  Zeitung  mit  1  Taler
von  der  neuen  Gesellschaft  erworben  worden,  und  so  konnte
nach  der  letzten  Nummer  der  Rheinischen  Volkshalle  für  Sonntag
den  30.  Sept.  1849  die  erste  Nummer  der  Deutschen  Volkshalle ­
  für  Dienstag  den  2.  Oktober  am  Montagabend  erscheinen.
Ein  schwungvoller  Eröffnungsartikel  aus  der  Feder  Hermann
Müllers  leitete  das  neue  Unternehmen  würdig  ein.  Als  Schriftleiter ­
  waren  Dr.  Eikerling  und  Dr.  Kutscheit  übernommen
worden.  Vom  1.  April  1850  ab  war  dem  Professor  Müller  „die
Oberleitung  der  Redaktion“  gegen  1500  Taler  Gehalt  übertragen
worden.  Obschon  die  Bezieherzahl  stieg  —  den  höchsten  Stand
erreichte  sie  mit  3853  im  ersten  Vierteljahr  1852  —  ergab  sich
doch  ständig  ein  geldlicher  Fehlbetrag,  zu  dessen  Deckung
seit  1852  ein  damals  gegründeter  „Katholisch-konservativer
Preß  verein“  800  Taler  beitrug,  im  nächsten  Jahr  1000  und
dann  noch  einmal  700  Taler.
Indes  zeigte  sich  bald,  daß  mit  dem  sehr  selbstbewußten
Professor  Müller  schlecht  auszukommen  war.  Auf  sein  Betreiben
mußte  Kutscheit  entlassen  werden,  mit  dem  Mitarbeiter  Franz
v.  Florencourt 56  in  Wien,  der  ihm  zu  österreichisch  war,
geriet  er  in  Mißhelligkeiten  wie  mit  dem  Verwaltungsrat  der
Zeitung,  und  im  November  1850  hatte  er  es  bereits  so  weit  gebracht, ­
  daß  er  polizeilich  ausgewiesen  wurde.  Nachdem  ihm  auf
Fürsprache  am  3.  Februar  1851  die  Rückkehr  erlaubt  worden
war,  verscherzte  er  sich  die  preußische  Gunst  zum  andern
Male  durch  Artikel  gegen  die  Raumerschen  Erlasse  betr.  Jesuiten
und  Missionare  so  sehr,  daß  er  am  12.  August  1852  als  Bayer
            
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