Full text: Ferdinand Lassalle

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selbst nicht zur Entfaltung gekommen wäre, zu dieser 
zu bringen. 
Ein Weib muß mich aus freiem Willen lieben, frei 
willig und ganz; sie muß sich mir selbst hingeben, nur 
dann werde ich sie nehmen. Sie nannten mich bei dieser 
Gelegenheit ein verzogenes Kind. Nein, nicht weil 
ich die Rolle eines verwöhnten Kindes spielte, nicht 
aus Hoffart, nur aus Pflichtgefühl handle ich so Ihnen 
gegenüber. 
Wenn ein Weib mich nicht mit der ganzen Macht 
ihres Wesens liebt, wenn sie nicht in allen Tiefen ihres 
Herzens, durch überwältigende Macht zu mir hinge 
zogen, liebt — werde ich nicht imstande sein, sie durch 
die Verbindung mit mir glücklich zu machen. Ich würde 
ihr vielleicht mehr Unglück als Glück bringen. Es gibt 
Verhältnisse, bei denen eine gemäßigte Liebe für das 
Glück eines Weibes genügt; in den meisten Fällen ist 
es sogar so. Es gibt aber auch Lagen — und das ist die 
meinige —, in welchen die Liebe des Weibes ein alles 
verzehrendes Feuer, welches durch Hindernisse nur ver 
stärkt wird, ein unbesiegbarer Orkan, der sich fortwährend 
selbst erneut, sein muß, um ewig zu währen und dieses 
Weib auch zugleich zu entschädigen für alle Fährlichkeiten, 
die es laufen müßte. 
Deshalb ist es für mich eine Ehrenpflicht, nur eine 
zuverlässige, gigantische, unbezwingliche Liebe anzu- 
nehnien. Sonst kann ich nicht von Ihrem Glücke über 
zeugt sein, und sicher werde ich lieber tausendmal alle 
Annehmlichkeiten des Lebens, so süß sie auch sein mögen, 
selbst entbehren, als Ihnen, glückliches und angebetetes 
Kind, das ungeheure Unrecht anzutun, das Glück Ihrer
	        
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