Full text : Ferdinand Lassalle

K8

Ich  verkenne  nicht,  daß  Dich  jener  Anblick  mit  Recht
im  höchsten  Grade  beleidigen  und  entrüsten  mußte.  Es
ist  unverantwortlich  von  ***,  zum  Schauplatz  solcher
Dinge  das  eigene  Haus  zu  wählen  und  gar  noch  eine
Zeit,  in  der  Du  kaum  dem  Tode  entronnen.
Gleichwohl  scheinst  Du  mir  mehr  Gewicht  auf  die
Sache  zu  legen,  als  sie  bei  ruhig-vernünftiger  Betrachtung ­
  verdient!  —  Soweit  ich  herumgekommen,  habe  ich,
das  glaube  mir,  keinen  Ehemann  gesehen,  der  seiner
Frau  wirklich  die  eheliche  Treue  bewahrte,  sehr  viele  Ehen
aber,  die  trotzdem  sehr  glückliche  zu  nennen  waren!  Es
kann  auch  wirklich  einer  vernünftigen  Frau,  ist  ihre  Behandlung ­
  undStellung  nur  sonst,  wie  sie  wünschen  und
fordern  kann,  fast  ganz  einerlei  sein,  ob  ihr  Mann  Nebensprüngemacht, ­
  wenn  er  nur  so  viel  Rücksicht  und  Zartgefühl
hat,  dies  seiner  Frau  sorgfältig  zu  verstecken...

Ich  begreife,  wie  eine  Frau  sich  unglücklich  fühlen
kann,  wenn  ihr  Mann  ein  vollständiges  Verhältnis
mit  einer  andern  hat,  diese  liebt.  Natürlich,  sie  ist
durch  diese  neue  geliebte  Mätresse  usw.  in  jeder  Hinsicht ­
  verdrängt  und  kann  fürchten,  daß  dies  auch  auf
ihre  Behandlung,  Stellung  mächtig  influenzieren
wird.  Aber  eine  bloße  —  avec  permission  —  Schweinerei ­
  ...  würde  mich  so  wenig  wirklich  kränken,  beleidigen, ­
  unglücklich  machen,  wie  etwa  (folgt  ein  etwas
derber  Vergleich).
Wie  ich  auch...  schrieb  —  welchen  Brief  ich  Dich
gleichfalls  zu  lesen  bitte  —  kommt  alles  ausschließlich
            
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