Full text : Die Bodenreform im Lichte des humanistischen Sozialismus

Die  Wohnungsfrage.

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aufeinander  geplatzt  und  Auffassungen  über  die  Stellung
der  Arbeiter  im  sozialen  Leben  der  Gegenwart  zutage
getreten,  die  ganz  verblüffend  wirken.  Wir  würden  den
Verhandlungen  nicht  die  Ehre  an  tun,  sie  aufzuführen,  wenn
wir  sie  nicht  für  ein  charakteristisches  Symptom  au  fin  du
siede  hielten.  Man  ersieht  aus  ihnen,  daß  man  sich  in  gewissen ­
  Kreisen  noch  gar  nicht  daran  gewöhnen  kann,  die
Arbeiter,  welche  doch  so  sehr  an  der  Schaffung  aller  Güter
beteiligt  sind,  als  vollberechtigte  Glieder  der  Gesellschaft
anzusehen.  Die  sozialpolitischen  Kernsprüche,  welche  wir
finden,  hätten  einer  Ratsversammlung  in  einem  gutsherrlichen,
pommerschen  Dörfchen  alle  Ehre  gemacht.
Wir  geben  den  Bericht  nach  der  „Düsseldorfer  Bürgerzeitung“ ­
  (Abendzeitung)  wieder:
Die  Adersstiftung  zum  Bau  von  Arbeiterwohnungen
vor  der  Stadtverordnetenversammlung.
Endlich!  —  Endlich  fand  gestern  abend  zum  ersten  Male
eine  Disputation  der  so  überaus  wichtigen  Frage  im  Stadtverordnetenkollegium ­
  statt.
Als  Referent  nahm  zuerst  das  Wort  Herr  Beigeordneter
Dr.  B.,  der  Vorsitzende  der  Adersstiftung,  der  ein  paar  Worte
darüber  sagte,  daß  die  Baukommission  und  das  Kuratorium

der  Adersstiftung  in  vereinigter  Sitzung  dahin  übereingekommen
seien,  die  Pläne  für  die  Bauten  an  der  Hildenerstraße  zu  verschieben, ­
  dagegen  die  Pläne  für  den  Umbau  des  Hauses  Ratingerstraße
  1  zu  genehmigen.  Herr  B.  verlas  sodann  den  fertig

formulierten  Beschlußentwurf.
Als  erster  Redner  nahm  das  Wort
Herr  Stadtv.  K.:  Er  konstatierte,  daß  in  der  gemeinsamen
Sitzung  keineswegs  Einstimmigkeit  über  das  Projekt  geherrscht
habe.  Es  sei  eine  ansehnliche  Minderheit  vorhanden  gewesen,
die  demselben  ablehnend  gegenüber  gestanden  hätte.  Der
Erblasser  habe  in  seinem  letzten  Willen  bestimmt,  daß  aus
der  Stiftung  „angenehme“  Wohnungen  hergestellt  würden.
Solche  Wohnungen  aber  seien  in  dem  Hause  Ratingerstraße  1  —
eine  alte  Baracke  in  dem  alten  Stadtteile  —  nicht  zu  schaffen.
Nach  dem  vorhegenden  Plane  solle  das  Vorderhaus  und  das
Hinterhaus  bestehen  bleiben,  dagegen  sollten  auf  dem  noch
vorhandenen  Gelände  Hintergebäude,  neue  Wohnungen  errichtet
werden.  Im  Parterre  des  Vorderhauses  sei  nur  ein  Zimmer
Wehberg,  Die  Bodenreform.  11
            
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