Full text : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

8.  Entwickelung  und  Hauptarten  der  Buchführung.  187

und  ausgegangenen  Waren  (Waren-  oder  Lagerfcontro),  über  die  Wechsel  (Wechselscontro),
  Effekten,  d.  s.  Staatspapiere,  Aktien  usw.  (Effektenscontro)  usw.  Diese
Vergleichung  kann  entweder  nur  den  Zweck  haben,  eine  Kontrolle  über  die  ein-  und
ausgegangenen  Mengen  (Gewichte,  Stückzahl,  Maße  usw.)  herzustellen,  oder  sie
kann  zugleich  —  wenn  in  diesen  Büchern  auch  Wertspalten  aufgenommen  sind  —
die  Erfolgsberechnung  ermöglichen.
Auf  solche  Weise  gelangt  man  auch  in  der  einfachen  Buchführung,  die  an
und  für  sich  nur  eine  Geschäftserzählung  ist  und  keinen  systematischen  Zusammenhang
der  Grundbuchungen  kennt,  zu  einer  Art  von  systematischer  Aufzeichnung  der  Geschäfte, ­
  aus  der  sich  auf  allerdings  recht  umständlichem  Wege  eine  teilweise  Erklärung
für  die  summarischen  Veränderungen,  wie  sie  sich  aus  der  Vergleichung  der  Jnventare
  ergeben,  finden  läßt.  Vollständig  kann  diese  Erklärung  aber  deshalb  nicht  fein,
weil  nicht  alle  Einflüsse  auf  den  Erfolg  eines  Geschäftsbetriebs  sich  in  den  persönlichen
und  sachlichen  Rechnungen  des  Kontokorrentbuchs  und  der  Scontri  ausdrücken,  und  weil
gewisse  Zu-  und  Abnahmen  des  Vermögens,  wie  sie  durch  Berechnung  von  Zins,
Handlungsunkosten  usw.  entstehen,  in  der  einfachen  Buchführung  überhaupt  nicht
einzeln  nachgewiesen  werden.  Indem  bei  dieser  Buchführungsart  von  vornherein
als  Schuldner  und  Gläubiger  nur  Personen,  nicht  aber  auch  Sachen  und  Wertbeziehungen ­
  auftreten,  gelangt  man  durch  sie  rechnerisch  für  die  vielen  geschäftlichen
Transaktionen,  aus  denen  ein  Betrieb  doch  besteht,  zu  keinem  inneren  Zusammenhang, ­
  zu  keinem  systematisch  aufgebauten  Nachweis  des  reinen  Vermögens  und  muß
sich  damit  begnügen,  falls  man  überhaupt  Einzelnachweise  über  die  Vermögensbestandteile ­
  und  über  die  Geschäftsbewegung  erhalten  will,  diese  in  einer  Reihe  von
nicht  zusammenhängenden  Nebenbüchern  mehr  oder  weniger  ausführlich  zu  geben.
Selbst  die  Einzelposten  des  systematischen  Kassenbuchs  der  einfachen  Buchführung
sind  zum  großen  Teil  nur  Kasten  n  o  ti  z  e  n  ,  keine  eigentlichen  Posten,  weil  sie
sich  nicht  immer  auf  Personen  beziehen  und  dann  in  keiner  anderen  Rechnung  der
einfachen  Buchführung  eine  Soll-  oder  Habenveränderung  hervorbringen.  In  den
meisten  Betrieben,  in  denen  die  einfache  Buchführung  angewendet  wird,  verzichtet
man  grundsätzlich  auf  eine  vollständige  Berechnung  des  Erfolgs  im  einzelnen  und
begnügt  sich  mit  dem  Gesamtergebnis,  wie  es  aus  der  Vergleichung  der  Jnventare
verschiedener  Geschäftsperioden  hervorgeht.
Daß  eine  solche  Buchführung  nicht  den  höchsten  Anforderungen,  ja  unter  Unu
ständen  nicht  einmal  den  gesetzlich  notwendigen  Ansprüchen  genügt,  liegt  auf  der
Hand.  Die  Buchführung  namentlich  großer  Betriebe  muß  s  y  st  e  m  a  t  i  s  ch  sein,
d.  h.  es  muß  ein  innerer  Zusammenhang  zwischen  sämtlichen  Buchungen  bestehen,
und  das  Gesamtresultat  der  Inventur  muß  sich  durch  das  Verbuchungssystem  in
seinen  einzelnen  Bestandteilen,  sowohl  nach  den  Beständen  und  Schuldverhältnissen,
als  auch  nach  dem  positiven  (Gewinn)  und  negativen  (Verlust)  Erfolge,  nachweisen
lassen.
Zu  diesem  Ergebnisse  gelangt  die  doppelte  Buchführung,  so  genannt,
weil  bei  ihr  die  Posten  eine  doppelte  Veränderung  in  so  fern  hervorrufen,  als  jeder
Geschäftsfall  eine  Rechnung  belastet  und  einer  anderen  Rechnung  gutgeschrieben  wird.
Dies  ist  aber  nur  möglich,  wenn  Soll-  und  Habenänderungen  nicht  bloß  auf  Personen
oder  auf  einzelne  Sachen  bezogen  werden,  sondern  wenn  von  vornherein  grundsätzlich ­
  über  alle  Teile  des  Geschäftsvermögens  und  über  alle  Teile  der  geschäftlichen ­
  Erfolge  Einzelrechnungen  geführt  werden  und  angenommen  wird,  daß  sie
wie  die  Personenkonten  Schuldner  und  Gläubiger  werden  können.  Auf  diese  Weise
gelangt  man  zu  einem  vollständigen  Rechnungssystem,  in  dem  alle  Buchungen
untereinander  in  einen  geschlossenen  Zusammenhang  kommen,  und  wodurch  der
            
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