276 Zweiter Teil. Handel. XU. Bankwesen.
Andere indifferente Bankgeschäfte sind das Inkassogeschäft, die Einziehung
von Wechseln, Schecks, Anweisungen usw., der Wertpapierhandel, Ein- und
Verkauf von Wertpapieren für Rechnung von Kunden, das G e l d w e ch fel
ge f ch ä f t, d. h. Einlösung und Verkauf fremder Valuten, der Handel mit
Edelmetallen, Ausstellung von Kreditbriefen, Versicherung gegen Verlosungs
verlust, Verwaltung von Wertpapieren und anderes.
Eine größere Bedeutung als diese indifferenten Geschäfte hat die Beteiligung
der Banken bei der Emission von Wertpapieren. Es handelt sich dabei
darum, Käufer für neu ausgegebene Wertpapiere zu finden. Es können dies Aktien,
öffentliche Schuldverschreibungen, Obligationen privater Unternehmungen oder Pfand
briefe sein. Die Bank kann solche Wertpapiere für eigene Rechnung zu einem
bestimmten vereinbarten Kurse übernehmen und dann trachten, sie an das Publikum
zu höherem Kurse zu verkaufen. Oder sie benutzt ihre Beziehungen zu dem Publikum,
um dieses durch Prospekte, in denen die für die Sicherheit und Rentabilität der
Wertpapiere maßgebenden Verhältnisse klargelegt sind, zur Subskription zu veran
lassen. Häufig betelligt sie sich schon von vornherein bei der Gründung von
Gesellschaftsunternehmungen (Neugründungen oder Umwandlungen
von Einzelunternehmungen in Aktiengesellschaften), legt also Kapital in Industrie-,
Handels-, Verkehrsbetrieben an, um dann, wenn die Unternehmung im Betriebe ist,
die Anteilscheine zu verkaufen. Vielfach bleibt sie im Besitz eines maßgebenden Teiles
des Gesellschaftskapitals, um auf die Führung der Unternehmung Einfluß nehmen
zu können und die Verbindung mit ihr in Kaffeführung und Kreditgewährung auf
recht zu erhalten und um durch sie zu neuen Beziehungen zu gelangen. Diese Art
der Betätigung der Banken hat sie von den einfachen Geschäften der Kreditver
mittelung hinaufgeführt zu Geschäften, durch welche sie ein wichtiger Faktor der Ent
wicklung der Produktion und des Handels, namentlich auch der Ausdehnung der
wirtschaftlichen Macht eines Landes auf das Ausland durch Kapitalsanlage daselbst
geworden sind.
Die Arten der Banken (Kreditanstalten) und ihr Wir
kungskreis. Man hat die Arten der Banken geschieden nach den Kreditgeschäften,
welche sie betreiben. Da zwischen den aktiven und passiven Kreditgeschäften ein
Zusammenhang besteht, gibt es in der Tat typische Kombinationen von solchen, durch
welche sich einzelne Bankgruppen von anderen unterscheiden. So die Depositen
banken, Hypothekenbanken, Notenbanken, Emissions-(Gründungs-)banken. Die
Depositenbanken sind dadurch charakterisiert, daß das Kapital, mit dem sie
Geschäfte machen, zum größten Teile aus Geldeinlagen, Depositen, besteht. Die
reine Depositenbank legt ihre Gelder mit Rücksicht auf deren stete Kündbarkeit nur
in kurzfristigen Darlehen, Wechseleskompten, Lombardkredit u. dgl. an. Die Hypo
thekenbanken geben nur Kredit gegen Verpfändung von unbeweglichen Gütern
und verschaffen sich die Mittel durch Ausgabe von Pfandbriefen. Die Noten-
banken vereinigen die Notenausgabe stets mit kurzfristigen, sicheren Aktivge
schäften. Die Gründungsbanken halten nicht mehr an einer festen Beziehung
bestimmter Aktiv- und Passivgeschäfte fest, sie verwenden vielmehr ihr Kapital,
gleichgültig ob eigenes oder fremdes, zur Gründung von Unternehmungen und
realisieren die in der Unternehmung angelegten Kapitalien durch Veräußerung der
Anteile daran.
Eine solche Scheidung der Banken nach dem vorwiegenden Geschäftsbetrieb
vermag aber nicht alle Kreditinstitute zu charakterisieren, da die formelle
Gleichheit der betriebenen Geschäfte die Kreditanstalten noch nicht zu gleicher
Bedeutung erhebt. Außerdem ist mit Ausnahme der Notenbanken und Hypotheken
banken in der Praxis an der strengen Scheidung von zusammengehörigen und nicht-