12. Alfred Krupp.
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Dieses glänzende Beispiel der Ordnung und Gesetzlichkeit, welches die Kruppsche
Fabrik allwege an den Tag gelegt hat, ist bei aller Anerkennung, welche btc Verdienste
des genialen Mannes bisher in der Öffentlichkeit gefunden, doch noch nicht in
der gebührenden Weise gewürdigt worden. Auch die übrige Industrie unseres Vaterlandes,
wenn sie schon eifrig bestrebt war, es an vielfachen Beweisen der Fürsorge
für die Wohlfahrt ihrer Arbeiter dem Essener Industriellen gleichzutun, hat alle
Ursache, ihm Dank zu wissen für das Gefühl der Sicherheit, welches das erste aller
großen deutschen Fabriketablissements nicht nur den eigenen Arbeitern und deren
Herrn gab, sondern, einem wohltätigen Hauche gleich, auch über die ganze übrige
deutsche Industrie, namentlich die Eisen- und Stahlindustrie und deren verwandte
Zweige hin verbreitete. Für diejenigen, welche als Augenzeugen den großen Bergarbeiterstreik
im Oberbergamtsbezirk Dortmund im Jahre 1872 miterlebt haben, kann
es gar keinem Zweifel unterliegen, daß diese Bewegung ungleich gefährlichere Ausdehnung
und Intensität gewonnen hätte und von viel längerer Dauer gewesen sein
würde, wenn es den Unruhestiftern gelungen wäre, auch die Kruppschen Arbeiter
mit in die Bewegung hereinzuziehen.
Nicht minder ist die deutsche Industrie in handelspolitischer Beziehung Alfred
Krupp zu Dank verpflichtet. Die Geschichte der Entwickelung der deutschen Warenausfuhr
lehrt, daß die hervorragende Stellung des Essener Industriellen auf dem
Gebiete der Stahlfabrikation in Friedens- wie in Kriegsartikeln in vielen Ländern
recht eigentlich bahnbrechend gewesen ist auch für andere deutsche Waren und Handelsartikel.
Es lag ja für Länder wie die südamerikanischen Republiken oder China und
Japan sehr nahe, sich zu sagen, daß ein Land, welches Waren von so auserlesener
Güte wie diejenigen der Kruppschen Gußstahlfabrik hervorbrachte, in anderen Zweigen
der menschlichen Tätigkeit nicht weniger Vorzügliches leisten würde, was den Vergleich
mit den Waren aus Sheffield, Manchester, Glasgow und anderen englischen
Handelszentren nicht zu scheuen brauchte. Vielfach hat auf diese Weise gerade das
Kruppsche Kriegsmaterial langsam, aber sicher eine Mission erfüllt, welche reicher an
Eroberungen des Friedens war als die staunenerregenden Erfolge Kruppscher Geschütze
und Geschosse in den großen Kriegen der Neuzeit.
Wie das geübte Auge des Feldherrn und des Herrschers die richtigen Persönlichkeiten
auszuwählen und jedem seinen richtigen Platz anzuweisen vermag, so
verstand es Krupp in bewunderungswürdiger Weife, sich feine Techniker selbst heranzuziehen
und ihnen die Stelle zu geben, in der sie sich bald als echte Meister vom
Fache erprobten. Hier war es ein preußischer „Feuerwerker", dessen mathematisches
und erfinderisches Talent ihn zu einem der ersten Ingenieure der Fabrik heranwachsen
ließ, dort war es ein gelernter Ingenieur, dessen fruchtbare Ideen sich mit
denjenigen des Essener Fabrikherrn vereinigten, um Werke hervorzubringen, welche
die ersten Artilleristen der Welt in Staunen setzten. Krupp verlangte von seinen
Beamten viel, aber in seinen gesunden Jahren war er auch allen vor durch seine
unermüdliche Tätigkeit, seine unerschütterliche Energie gegenüber allen Schwierigkeiten
und durch seinen fast unerschöpflichen Reichtum an erfinderischen Gedanken.
Dabei hat er aber immer das Verdienst gebührend belohnt und die Tätigkeit seiner
Ingenieure anerkannt. Trug den Namen Krupp auch die eine oder andere Erfindung,
welche in dem Kopfe eines seiner Mitarbeiter entsprungen war, oder deren
Ausführung erst durch feine Techniker praktisch ermöglicht wurde, er selbst hat es
immer bescheidentlich hervorgehoben, daß es nur die vereinten Kräfte waren, denen
die Fabrik ihre außerordentlichen Erfolge verdankte.