Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

Vorgeschichte

199

Unter  den  Schülern  Bûchez’  verdienen  Chevé  und  Ott  Erwähnung. ­

Chevé  schrieb  zwei  kleine  Bücher 1 ),  von  denen  das  eine,
1842  erschienene,  noch  ganz  im  Zeichen  des  utopischen  Sozialismus ­
  steht,  während  das  zweite,  im  Bevolutionsjahr  1848  veröffentlichte, ­
  neben  dem  Einfluß  St.  Simons  und  Bûchez’
bereits  denjenigen  des  aufkeimenden  Marxismus  verrät.
Chevé  geht  schon  in  seinem  ersten  Werk  weiter  als
Lamennais  und  Bûchez.  Ihm  ist  es  nicht  mehr  darum  zu
tun,  die  Kirche  und  die  modernen  Ideen  zu  versöhnen.  Für
ihn  sind  beide  eins.  Revolution  und  Christentum,  christliche
und  demokratische  Gesinnung  sind  eins  und  dasselbe.  Das
Reich  Gottes  auf  Erden  wird  durch  die  ewige  Allianz  von
Katholizismus  und  Demokratie  verwirklicht  werden.  „La  religion
se  fait  peuple  et  l’Eglise  humanité“  2 ).  Chevé  ist  ein  Illuminât.
Dem  Staatssozialismus  Bûchez’  verleiht  er  einen  entschiedeneren,
wenn  auch  exaltierteren  Ausdruck,  als  es  der  Meister  getan.
„Der  Staat,“  schreibt  er,  „ist  die  allumfassende  Einheit,  der
nichts  entgeht.  Er  ist  der  hierarchische  Gewalthaber,  welcher
alle  individuellen  Handlungen  in  einer  einzigen  nationalen
Handlung  zusammenfaßt.  Er  umschließt  die  Gesellschaft  von
der  Basis  bis  zum  Gipfel  und  macht  aus  der  Gesamtheit  der
Bürger  einen  einzigen  Mann,  den  ein  einziges  Lebensprinzip
bewegt  usw.“ 3 ).
Che  vés  Werkehen  Le  dernier  mot  du  Socialisme  aus  dem
Jahre  1848  schlägt  Vergesellschaftung  der  Produktionsmittel
9  Chevé,  Catholicisme  et  Démocratie  ou  le  Règne  du  Christ,  1842  und:
Le  dernier  mot  du  Socialisme  par  un  catholique,  1848.  Über  Chevé  vgl.  Eblé,
loc.  cit.  p.  25  if.
2 )  Chevé,  Catholicisme  et  Démocratie,  Paris,  1842,  p.  4.
3 )  ibid.  p.  75  if.  In  folgendem  Passus  ist  der  Einfluß  Saint-Simons  erkennbar: ­
  „Enfin,  l’Etat  enveloppant  aussi  l’industrie  sous  l’immense  réseau  de
sa  prévoyance  sociale,  en  régularisera  l’action  bienfaisante.  Elle  édifiera  la
commune  nationale  sur  le  plan  de  la  communauté  religieuse,  et  ce  sera  la  dilatation ­
  dernière  de  l’Eglise  se  faisant  peuple.  Alors  le  territoire  entier  de  la
nation  deviendra  comme  un  champ  labouré  par  une  seule  main,  toutes  les  forces
productrices  comme  un  seul  atelier  dirigé  par  une  seule  tête,  et  toutes  les  voies
de  répartition  comme  un  seul  marché  pourvu  par  un  seul  homme.  Là  est  l’idéal
de  l’avenir  industriel.“  ibid.  p.  77.  (Im  Urtext  mitgeteilt,  um  dem  eigentümlichen ­
  Gepräge  der  Sprache  Chevés  durch  die  Übersetzung  keinen  Eintrag
zu  tun.)
            
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