Kap. VI. Der Kapitalzins.
Ansprüchen, verteilt sich also in Übereinstimmung mit ihnen auf Ver-
mehrung des Realkapitals und auf unmittelbare Bedürfnisbefriedigung.
Die Mittel, welche die Sparer zur Verfügung stellen, sind also in Wirk-
lichkeit nur ihre Forderungen auf das gesellschaftliche Produktions-
ergebnis, keine konkreten Verbrauchsgüter.
Diese Mittel werden auch nicht im voraus angesammelt. Die Sparer
investieren ihre Ersparnisse in demselben Augenblick, wie diese ge-
macht werden (vgl. 8 48, am Ende), indem sie dieselben den Unter-
nehmern zu Verfügung stellen. Der neue Bedarf an Kapitaldisposition
wird also für jeden Tag durch die neuen Ersparnisse gespeist, welche
gleich direkt oder indirekt zum Kauf von Realkapital gebraucht werden,
Das nichtersparte Einkommen der Tauschwirtschaft wird zur Zah-
lung der laufenden Konsumtion verwendet. Diese Konsumtion richtet
sich zum Teil auf die Verbrauchsgüter, die in einem ‚stetigen Strom
aus dem Produktionsprozeß hervorgehen und also nicht im voraus an-
gesammelt zu sein brauchen, zu einem bedeutenden Teil aber auch auf
Anwendung von dauerhaften Gütern, also von Wohnungen, Straßen
und Eisenbahnen, Theatern usw. Um diese Ansprüche sämtlich be-
friedigen zu können, muß die Tauschwirtschaft, wie in 8 5 und 6 ge-
zeigt worden ist, ein bestimmtes in der fortschreitenden Wirtschaft stets
wachsendes Realkapital, teils fester, teils beweglicher Art, besitzen. Ein
Vorrat von fertigen Gütern ist dagegen im großen ganzen überflüssig.
Natürlich kann auch unter den Arbeitern ein Sparen vorkommen,
und insofern übernehmen auch die Arbeiter einen Teil des neuprodu-
zierten Realkapitals, Wenn’ die Sparkasseneinlagen der Bauhandwerker
von der Sparkasse gegen Hypothek dem Bauherrn zur Verfügung ge-
stellt werden, übernehmen die Arbeiter sogar wirklich einen Teil der
Kapitaldisposition, welche für das Haus, an dem sie selbst arbeiten,
nötig ist. Ein Kleinbauer, der sich selbst mit eigener Hand ein Haus
baut, tut dasselbe in noch stärkerem Grade, er liefert selbst zum großen
Teil die nötige Kapitaldisposition. Dies ist ihm möglich, teils dadurch,
daß er aus seiner Landwirtschaft ein Einkommen bezieht, mit welchem
er sich zur Not in der Bauzeit unterhalten kann, teils durch eine Be-
schränkung seiner Bedürfnisbefriedigung, die viel weiter geht, als bei
so strenger Arbeit für Lohn nötig wäre. Es liegt also auch hier ein
Sparen vor, durch welches Produktivkräfte zur Produktion von Real-
kapital freigestellt werden. Das Kapital, das zur Übernahme des Hauses
nötig ist, schafft der Mann selbst durch eine Arbeit, für welche er keine
unmittelbare Bedürfnisbefriedigung als Entgelt fordert.
Das Kapital, das die Sparer zur Verfügung stellen, ist in der
Tauschwirtschaft durch eine gewisse Geldsumme ausgedrückt. Eine
Geldsumme, also eine in der Preiseinheit ausgedrückte abstrakte Summe
ist eine elementare arithmetische Größe, die ihre eigene Dimension hat,
ganz wie in der Physik die Länge, das Gewicht und die Zeit. Wir
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