Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

Die  „positive“  Grundlegung  der  Nationalökonomie

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soziale  Tatsachen  sind,  welche  Bedürfnisse  äußern,  die  in  der
Gesellschaft  vorhanden  sind.
Die  Methode  Dürkheims  will  ferner  objektiv  und  ausschließlich ­
  soziologisch  sein.  Das  bedeutet,  daß  sie  von  der
Anschauung  beherrscht  ist,  daß  die  gesellschaftlichen  Erscheinungen ­
  objektive  Dinge  oder  Kräfte  sind,  und  zwar,  wie  schon
angedeutet,  Dinge  sui  generis.  Man  hat  häufig  geglaubt,  sagt
Durkheim,  die  gesellschaftlichen  Phänomene  entzögen  sich
wegen  ihrer  außerordentlichen  Komplexität  der  wissenschaftlichen ­
  Erforschung,  oder  sie  seien  doch  wenigstens  nur  dann
faßbar,  wenn  man  sie  auf  ihre  einfachsten,  psychischen  oder
organischen  Bedingungen  zurückführte,  d.  h.  sie  ihres  eigentümlichen ­
  Wesens  entkleidete.  Demgegenüber  ist  zu  betonen,
daß  eine  gesellschaftliche  Tatsache  nur  durch  eine  andere  gesellschaftliche ­
  Tatsache  erklärt,  wie  eine  Naturkraft  nur  durch
eine  andere  Naturkraft  erzeugt  werden  kann.  Um  also  die  gesellschaftlichen ­
  Tatsachen  zu  erklären,  muß  man  nach  Energien
forschen,  die  fähig  sind,  sie  zu  erzeugen.  Diese  Forschung  kann
allein  durch  äußere  Beobachtung  geschehen.  Da  das  direkte
Experimentieren  dem  Soziologen  unmöglich  ist,  bleibt  ihm  nur
das  indirekte  Experiment,  oder  das  „Vergleichen  concomitante!'
Variationen“.  Dieses  Verfahren  hat  vor  der  sogenannten  historischen ­
  Methode  Comtes  den  Vorzug,  daß  es  den  Kausalnexus
der  Erscheinungen  von  innen  erreicht;  denn  es  forscht  nach
nicht  vorbestimmten  Kausalbeziehungen,  während  Comte  nach
Gesetzmäßigkeiten  sucht,  die  der  Ausdruck  der  Richtung  sein
sollen,  in  der  sich  die  geschichtliche  Entwicklung  der  Menschheit ­
  im  allgemeinen  bewegt.  Die  vergleichende  Methode  ermöglicht ­
  ferner  auch  eine  bessere  und  kritischere  Auswahl  der
Materialien,  als  das  Verfahren  Comtes  oder  jedes  andere 1 ).
Die  soziologische  Methode  Dürkheims,  die  in  Obigem
kurz  skizziert  wurde,  erhebt  natürlich  den  Anspruch,  genau  wie
die  psychologische  Methode  Tardes,  die  für  alle  Sozial  Wissenschaften ­
  geeignetste  zu  sein.  Er  selbst  hat  sie  nur  auf  dem
Gebiete  der  Ethik  angewandt.  Er  hat  jedoch  mehrere  Gruppen
von  Schülern  herangebildet,  die  an  der  Hand  der  Methode  des
‘)  Eine  ausführliche  Darlegung  der  Durkheimschen  Methode  bietet  dessen
Bändchen  „Des  Règles  de  la  Méthode  sociologique“.  Zu  Obigem  vgl.  speziell
dort  p.  153  ff.
            
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