Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

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Die  liberale  Schule

Existenz  der  Rente  verneint.  Der  Mehrertrag,  den  heute  ein
Besitzer  von  Naturkräften,  z.  B.  Grund  und  Boden,  Wasserfällen ­
  usw.  für  die  von  ihm  monopolisierten  natürlichen  Agentien
bezieht  und  den  wir  gemeinhin  Rente  nennen,  ist  entweder
Lohn  für  die  häufig  mühsame  Dienstbarmachung  der  betreffenden ­
  Kräfte,  oder  Zins  für  z.  B.  in  den  Boden  gesteckte  Kapitalien. ­
  Kapitalzins  aber  ist  identisch  mit  Arbeitslohn,  denn
Kapital  ist  weiter  nichts  als  aufgespeicherte  Arbeitsprodukte.
Die  Negierung  des  Wertcharakters  der  von  der  Natur  geschaffenen ­
  Brauchbarkeiten  und  damit  der  Existenz  der  Rente  ist  der
wichtigste  Punkt  in  Bastiats  Wertlehre.  Zweck  dieser  Negierung
ist,  der  sozialistischen  Kritik  an  der  Ungerechtigkeit  der  bestehenden ­
  Wirtschaftsordnung  den  Boden  zu  entziehen.  Mit  AdamSmith
und  Ricardo  und  mit  den  Sozialisten  verkündet  Bastiat  die
menschliche  Arbeit  als  den  wesentlichen,  wertbildenden  Faktor.
Die  onerosen  Brauchbarkeiten  nämlich,  welche  allein  Wert  haben,
sind  das  Produkt  menschlicher  Anstrengung  oder  Arbeit.
Es  entgeht  aber  Bastiat  nicht,  ebensowenig  wie  Ricardo,
daß  der  Wertbegriff  „menschliche  Arbeit“  zur  Erklärung  der
tatsächlichen  Erscheinungen  des  Wirtschaftslebens  nicht  ausreicht. ­
  Anstatt  nun  Ausnahmen  dazu  anzunehmen,  wie  Ricardo,
schlägt  Bastiat  eine  doppelte  Modifikation  des  Wertbegriffs  vor,
welche  darin  besteht"  daß  er  zwei  neue  Elemente,  neben  das
der  geleisteten  menschlichen  Arbeit,  in  denselben  einführt:  die
dem  Käufer  eines  Produktes  menschlicher  Arbeitsleistung  ersparte ­
  Arbeit  und  die  Kaufkraft  des  Milieus.
Die  dem  Käufer  ersparte  Arbeit  ist  diejenige  Anstrengung,
welche  er  nach  seiner  Schätzung  daransetzen  müßte,  um  den
begehrten  Gegenstand  durch  eigene  Arbeit  zu  beschaffen.
Die  Kaufkraft  des  Milieus  hängt  ab  von  der  Entwicklung
seiner  Kultur.  Je  kultivierter  das  Milieu,  desto  hohem  Wert
wird  in  demselben  eine  Arbeitsleistung  haben.
Bastiat  faßt  nun  die  zur  Schaffung  einer  onerosen  Brauchbarkeit ­
  geleistete  Arbeit  und  die  dem  Käufer  einer  Brauchbarkeit ­
  ersparte  Arbeit  in  den  Begriff  Dienstleistung  zusammen.  Der
Wert  entsteht,  indem  sich  mit  dessen  objektivem  Elemente  der
Dienstleistung  das  subjektive  des  Messens  zweier  Dienstleistungen
aneinander  auf  dem  Markte  verbindet.  Der  Wert  erscheint  somit ­
  als  das  Verhältnis  zweier  ausgetauschter  Dienstleistungen.
            
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