Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

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Die  liberale  Schule

Der  grundlegende  Gedanke  der  Trennung  von  Wissenschaft ­
  und  Kunstlehre  verdient  Anerkennung.  Inhaltlich  greift
jedoch  die  Kunstlehre  im  zweiten  Teile  über  das  Gebiet  der
Nationalökonomie  hinaus  und  wird  zur  Privatwirtschaftslehre.
Es  ist  aber  im  Grunde  nur  folgerichtig,  wenn  die  individualistische ­
  Auffassung  die  Privatwirtschaftslehre  als  zum  Gebiete
der  „Wissenschaft  vom  Reichtum“  gehörig  betrachtet.  Praktisch ­
  bedeutet  Courcelle-Seneuils  Systematik  kaum  mehr
als  eine  deologische  Spielerei.  Wie  ungeeignet  sie  ist,  geht
schon  allein  daraus  hervor,  daß  er  seine  Auswanderung^  und
Kolonialpolitik,  auf  die  er  nicht  verzichten  will,  einfach  nicht
logisch  unterzubringen  weiß  und  als  unvorhergesehenes  und
unbegründetes  Glied  einem  fertigen  Schema  beiflickt.
Courcelle-Seneuil  bezeichnet  selbst  als  bedeutsame
Neuerungen,  die  er  gebracht,  einmal  die  Trennung  von  Wissenschaft ­
  und  Kunst  in  der  Nationalökonomie;  zweitens  seine  Formulierung ­
  des  Bevölkerungsgesetzes  und  drittens  Analyse  und
Vergleich  der  beiden  elementaren  Formen  der  Aneignung  der
Reichtümer  (ob  unter  der  Herrschaft  der  freien  Konkurrenz
oder  unter  derjenigen  von  Autorität  und  Herkommen) l ).
Wir  fügen  als  vierte  seine  Begriffsbestimmung  der  wirtschaftlichen ­
  Arbeit  noch  bei.  Die  erste  dieser  Neuerungen,  die
Trennung  von  Wissenschaft  und  Kunst,  wurde  bereits  gewürdigt. ­
  Über  den  Wert  seines  Bevölkerungsgesetzes  gibt  sich
Courcelle-Seneuil  einer  Täuschung  hin.  Dieses  lautet:
„Die  notwendige  Bevölkerungsziffer  ist  gleich  einem  Bruch,
dessen  Zähler  aus  der  Summe  des  Einkommens  der  Gesellschaft
abzüglich  der  Summe  des  überdurchschnittlichen  Konsums  besteht, ­
  während  das  Existenzminimum  den  Nenner  ausmacht“  2 ).
„C’est  une  vérité  de  La  Palice“  würde  der  Franzose  sagen.  Und
neu  ist  sie  überdies  nicht.
Die  Tatsache  der  Aneignung  erscheint  Courcelle-Seneuil
  als  grundlegend  für  alle  wirtschaftliche  Tätigkeit.
Produzieren,  Austauschen,  Konsumieren  können  die  Menschen
erst,  wenn  eine  Aneignung,  sei  es  nun  eine  individuelle  oder
eine  kollektive,  derjenigen  Stoffe  und  Kräfte  vorausging,  mit

b  Loc.  eit.,  Bd.  I,  p.  492.
2 )  ibid.,  p.  125.
            
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