74
ist, 100 Stück irgendwelcher Güterart, Tuch, Getreide usw. Wir nehmen zu
nächst an, daß die Kaufkraft m sei, und berechnen für den Schuldner nun die
Selbstkosten, den Erlös und den Reingewinn der Produktion vor Anzug der
Schulden. Dann subtrahieren wir die Schulden und kommen zum Geldeinkommen
des Betreffenden. Dies genügt uns aber nicht, da wir ja mit Änderungen der
Kaufkraft zu rechnen haben, gestattet doch dasselbe Geldeinkommen, bei wach
sender Kaufkraft des Geldes mehr Güter zu kaufen als bei sinkender.
Tabelle XIV.
Kaufkraftveränderungen
Per
son
Kaufkraft d.
Geldeinheit
Anzahl der
produzierten
Stücke
Selbstkosten
Erlös
Reingewinn
Schulden u.
Forderungen
Geld
einkommen
Preis d. Kon
sumgüter
pro Stück
Realeinkom
men in Stück
Gewinn oder|
Verlust j
pro
Stück
im
ganzen
pro
Stück
im
ganzen
pro
Stück
im
ganzen
j Schuldner
m
2 m
m
y
100
100
100
10
5
20
1000
500
2000
10.50
5.25
21.00
1050
525
2100
0.50
0.25
1.00
50
25
100
—20
—20
-20
30
5
80
5
2.5
10
6
2
8
Verlust
Gewinn
Gläubiger
m
2 m
m
2
100
100
100
10
5
20
1000
500
2000
10.50
5.25
21.00
1050
525
2100
0.50
0.25
1.00
50
25
100
+20
+20
+20
70
45
120
5
2.5
10
14
18
12
Gewinn
Verlust
Den einzelnen Bürger interessiert es aber wenig, wieviel Geld er einnimmt,
sondern was er sich dafür kaufen kann — die Höhe seines Realeinkom
mens. Wenn alles doppelt so teuer geworden ist und das Geldeinkommen
konstant blieb, so ist er halb so reich als früher. Ich nehme der Einfachheit
halber an, daß nur ein Konsumgut in Frage steht, dessen Normalpreis 5 sei.
Wir sehen, daß unter den von uns gemachten Voraussetzungen das Realein
kommen des Schuldners 6 Stück beträgt, wenn wir die normale Kaufkraft m
annehmen. Das Realeinkommen des Gläubigers beträgt dagegen im gleichen
Fall 14 Stück. Ich möchte mit besonderem Nachdruck darauf hinweisen, daß
bei kriegswirtschaftlichen Betrachtungen dern Realeinkommen immer be
sonderes Augenmerk zuzuwenden ist. Es ist immer von Wichtigkeit, aber
man kann es in normalen Zeiten eher vernachlässigen, wenn die Preise einiger
maßen konstant sind, nicht aber in Kriegszeiten, in denen die Preise stark
schwanken. Freilich ergeben sich bei der Feststellung des konkreten Real
einkommens, das sich aus vielen Gütern zusammensetzt, prinzipielle Schwierig
keiten, auf die ich hier nicht näher eingehen kann. Nun denken wir uns die
Kaufkraft des Geldes auf das Doppelte gestiegen. Was bedeutet das für den
Schuldner, was für den Gläubiger? Der Schuldner erzielt bei der Produktion
nur die Hälfte des früheren Reingewinnes, da aber die Kaufkraft des Geldes
doppelt so groß ist als früher, so würde er sich dafür geradesoviel kaufen
können als früher. Der Reingewinn ist auf die Hälfte gesunken, da sowohl
Selbstkosten als auch Erlös auf die Hälfte gesunken sind. Allgemeines Steigen
der Kaufkraft bedeutet, daß die Preise der Rohstoffe und die Löhne sinken,
aber ebenso auch, daß die Preise der Fertigfabrikate sinken. Alle Preise
ändern sich, wenn die Kaufkraft sich ändert, die Schulden aber blei
ben konstant! Wer vor vielen Jahren eine Schuld kontrahierte, als die
Kaufkraft des Geldes niedriger war, muß die Schuld nach ihrem Nominalbetrag
zurückzahlen, obzwar sie heute weit mehr bedeutet als früher. Wir sehen in
unserem Fall, wie das Geldeinkommen des Schuldners von 30 auf 5 fällt.
Nun ist zwar die Kaufkraft des Geldes gestiegen, und während er früher für