Full text : Die Theorie der Volkswirtschaft

%

270

den  gegebenen  technischen  Verhältnissen  die  Arbeit  auf  den  weniger ­
  fruchtbaren  Böden  produktiver  war,  als  auf  den  fruchtbareren.
Überall  und  auf  jeder  Kulturstufe  strebte  der  Landwirt,  wie  wir
gesehen  haben,  danach,  mit  möglichst  geringem  Arbeitsaufwand
die  größtmögliche  Produktenmenge  zu  erhalten.*)  Der  Übergang
zur  intensiven  Kultur  oder  zu  schlechteren  Böden  (schlechter  nicht
der  Fruchtbarkeit,  sondern  der  Arbeitsproduktivität  nach)  ist  eine
Folge  des  Mangels  an  besseren  Böden  und  der  Erhöhung  der  Getreidepreise ­
  bis  zu  der  Norm,  bei  der  auch  die  minder  produktive
Arbeit  vorteilhaft  wird.
Rodbertus  führt  zum  Beweis,  daß  die  späteren  landwirtschaftlichen ­
  Kapitalanlagen  nicht  unproduktiver  werden,  ein  Beispiel
aus  seiner  eigenen  Praxis  an.  Er  entwässerte  den  versumpften
Boden  und  erhielt  hohe  Ernten.  Dieses  Beispiel  bestätigt  aber
unsere  Annahme  und  widerlegt  die  seinige.  In  der  Tat,  um
hohe  Grasernten  von  einem  sumpfigen  Boden  zu  erzielen,  muß  viel
Arbeit  aufgewendet  werden.  Indessen  gehörten  zu  seinem  Gute
doch  auch  trockene  Wiesen,  auf  denen  Gras  wuchs;  wenn  auch
in  geringerer  Menge  als  auf  den  entwässerten  Ländereien,  so  doch
ohne  jeden  Arbeitsaufwand.  Wenn  man  zuerst  die  versumpfte
Wiese  nicht  benutzt  hat,  so  doch  aus  dem  Grunde,  weil  auf
den  anderen  Wiesen  die  Arbeit  produktiver  war.  Die  Produktenpreise
  können  so  steigen,  daß  es  vielleicht  vorteilhaft  wird,  auf
den  Dächern  Gärten  anzulegen,  die  möglicherweise  auch  hohe
Ernten  bringen  werden.  Dies  würde  aber  noch  keineswegs  bedeuten, ­
  daß  dadurch  eine  höhere  Arbeitsproduktivität  erreicht  wäre.
Die  Erwiderung  von  Rodbertus  auf  die  Ausführungen  Ricardos
scheinen  gerechtfertigt  zu  sein,  weil  Ricardo  selber  das  Gesetz  der
Grundrente  unrichtig  formuliert  hat.  Der  Grundeigentümer  er-*)

  Es  ist  möglich,  daß  infolge  der  Eröffnung  einer  neuen  Eisenbahnlinie ­
  oder  der  Übersiedelung  neue  Böden  entdeckt  werden,  auf
denen  die  Arbeit  produktiver  ist,  als  auf  den  alten.  Es  ist  jedoch  klar,
daß  diese  Tatsache  unsere  Ausführungen  nicht  widerlegt.  Die  Bevölkerung ­
  bearbeitete  diese  Ländereien  nicht,  weil  sie  unzugänglich  waren
Sobald  neue  Gegenden  eröffnet  werden,  wird  zuerst  der  Boden  bestellt,
auf  dem  die  Arbeit  am  produktivsten  ist.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.