272
Jetzt wenden wir uns wieder zu den von uns festgestellten Tat
sachen. Wir haben konstatiert, daß in einer extensiven Wirt
schaft die Arbeitsproduktivität höher ist als in einer intensiven.
Wenn infolge verbesserten Verkehrswesens der Getreidetransport
mit geringem Aufwand vor sich geht, so wird man die landwirt
schaftlichen Produkte der entfernten extensiven Wirtschaften
billiger verkaufen können, als die der naheliegenden intensiven
Wirtschaften.
Die Geschichte beweist, daß unsere Schlußfolgerungen für alle
Zeiten und bei allen technischen Bedingungen richtig sind.
Bei primitiver Jagd- und Viehzucht sowohl, als auch in dem
jetzigen kapitalistischen Zeitalter, stets suchte die Bevölkerung
sich zerstreut niederzulassen, um nicht zu einer intensiven Wirt
schaft übergehen zu müssen, wozu sie ihre Vermehrung genötigt
haben würde. Die Völkerwanderung gleich wie die gegenwärti
gen Auswanderungen und Übersiedelungen führen sozusagen zur
„Extensivierung“ der Wirtschaft, zur Ausdehnung der ausgebeute-
ten Bodenfläche.
Es sei jedoch folgendes bemerkt: Infolge der Inbesitznahme
des Bodens ist es den Grundeigentümern möglich, sich die Be
schränktheit des Bodens und den Unterschied in den Erträgen
der sukzessiven Kapitalaufwände zunutze zu machen, und da
durch wird die Notwendigkeit der Übersiedelungen und Auswan
derungen gesteigert. Aber auch in der vorkapitalistischen Zeit, als
der Grund und Boden noch nicht zum Privateigentum geworden
war, führte die Bevölkerungszunahme zur Ausdehnung des
Kulturlandes.
Man könnte mir erwidern, daß die Erscheinungen, die auf
den primitiven Wirtschaftsstufen Platz hatten, wie die Abnahme
der Arbeitsproduktivität beim Übergang zur intensiven Kultur,
jetzt dank dem Fortschritte der Technik nicht mehr zutage treten
dürften. Denn trotz der Steigerung der Grundrente und der inten
siven Bodenbearbeitung haben sich die Getreidepreise nicht erhöht,
sondern sind vielmehr gesunken. Sehr richtig. Die Arbeitspro
duktivität ist infolge des technischen Fortschrittes gestiegen, aber
bei extensiver Kultur ebenso oder gar in noch bedeutenderem