Full text : Die Theorie der Volkswirtschaft

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zwingen,  für  andere  zu  arbeiten,  d.  h.  man  muß  sie  in  Sklaven
verwandeln.“  Wir  haben  gesehen,  daß  es  noch  ein  Mittel  gab,
um  andere  auszubeuten:  das  Vor  schieß  en  von  Werkzeugen  und
anderen  Produktionsmitteln.  Die  Sklaverei  wie  auch  das  Darlehen ­
  werden  aber  überflüssig,*)  sobald  der  Ackerbauer  infolge
der  Bevölkerungszunahme  gezwungen  wird,  für  den  Grundbesitzer
zu  arbeiten,  um  ein  Stück  Land  bestellen  zu  können.  Übrigens
anerkennt  dies  auch  Nieboehr.  „Wenn  die  Bevölkerung  zunimmt,“
sagt  er,  „und  der  ganze  auch  ohne  Kapital  kultivierbare  Boden  in
Besitz  genommen  ist,  tritt  ein  ganz  anderer  Zustand  ein  .  .  .  Dem
Arbeiter  bleibt  nun  nichts  übrig,  als  bei  dem  Kapitalisten  zu  arbeiten ­
  und  zwar  für  den  Lohn,  den  der  Kapitalist  ihm  geben
will“  .  .  .  „Sobald  es  infolge  der  Bevölkerungszunahme  notwendig ­
  wurde,  Böden  geringerer  Qualität  als  die  zuerst  in  Anbau
genommenen  zu  bestellen,  erhielten  die  ersteren  alsbald  einen
gewissen  Wert.“  **)  Diese  letzte  Schlußfolgerung,  die  Nieboer
gleich  Ricardo  ***)  macht,  trifft  indes  nur  in  bezug  auf  die
moderne  kapitalistische  Wirtschaft  zu.  Während  der  Naturalwirtschaft ­
  gab  es  keine  kapitalistische  Rente,  und  die  ländliche
Bevölkerung  war  dennoch  gezwungen,  den  Grundbesitzern  einen

*)  Häufig  trifft  man  eine  sehr  oberflächliche  Erklärung  des  Übergangs ­
  von  der  Sklaverei  zur  Leibeigenschaft.  So  sagt  beispielsweise
A.  Buchenberger  (Grundzüge  der  Agrarpolitik,  Berlin  1897,  S.  7):  „Unter
Einwirkung  des  Christentums  milderte  sich  allmählich  dieses  ältere,
strengere  Recht,  und  es  bildete  sich  ein  Zustand  aus,  den  man  als
Hörigkeit,  Schollenpflichtigkeit,  Gutsuntertänigkeit  bezeichnet.“
**)  Nieboehr  a.  a.  O.  S.  308:  „When  population  increases,  and  all  land
that  can  be  cultivated  by  labour  without  the  aid  of  capital  had  been  appropriated, ­
  quite  another  state  of  things  prevails.  The  labourer  has  now
no  other  resource  but  to  sell  his  labour  to  the  capitalist  for  such
wages  as  the  latter  likes  to  give  ...,  When  a  further  increase  of  population ­
  makes  the  total  appropriation  of  the  land  possible,  the  mere
appropriation  of  the  land  possible,  the  mere  appropriation  of  it  by
the  capitalist  class  renders  the  labourers  for  ever  subjected“.
***)  Ricardo,  On  the  principles  of  political  economy  (London  1817);
„When  in  the  progress  of  society,  land  of  the  second  degree  of  fertility
is  taken  into  cultivation,  rent  immediately  commences  on  that  of  the
first  quality“  (S.  54).
            
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