Full text : Die Theorie der Volkswirtschaft

48

Die  Kriege  der  Stämme  untereinander  hatten  indes  nicht  bloß
die  erwähnten  Folgen;  sie  führten  auch  zum  Austausch  verschiedener ­
  Erzeugnisse,  wenn  es  unmöglich  war,  die  gewünschten
Produkte  gewaltsam  zu  erhalten.  Der  Warenaustausch  entwickelte ­
  sich,  wie  die  Geschichte  lehrt,  aus  dem  Raub  und  dem
Austausch  von  Geschenken.  Nur  allmählich  nimmt  er  eine  regelmäßige ­
  Form  an,  wobei  er  entweder  direkt  durch  die  Ältesten,
Kriegsanführer  und  Könige,  oder  unter  ihrer  Kontrolle  betrieben
wurde.
Wir  können  hier  die  Evolution  des  Handels  nicht  näher  betrachten: ­
  das  gehört  in  die  Geschichte  und  nicht  in  eine  theoretische ­
  Untersuchung  über  die  Volkswirtschaft.  Uns  interessiert
bloß  die  Frage,  wodurch  der  Austausch  reguliert  wurde  und  wie
er  die  Entwicklung  der  Volkswirtschaft  beeinflußt  hat.  Gleichzeitig ­
  mit  dem  durch  die  Arbeitsteilung  innerhalb  der  Gemeinde
verursachten  Austausch  von  Produkten  zwischen  den  Stammesverwandten, ­
  die  noch  keine  Waren  sind,  gab  es  auch  schon  einen
Warenaustausch  unter  den  Stämmen,  der  sich  als  Folge  der
Verschiedenheit  der  Naturverhältnisse  sowie  der  technischen
und  Kulturentwicklung  einzelner  Völker  entwickelt  hatte.  Besonders ­
  aber  förderte  den  Handel  die  entstehende  Herrschaftsorganisation ­
  und  hauptsächlich  die  Sklavenarbeit,  da  sie  einen
Überfluß  an  Waren  schuf.
Der  Charakter  der  Ausbeutung  der  Sklaven  sowie  anderer
Menschen,  die  sich  in  irgend  welcher  Abhängigkeit  befinden,  wird
durch  das  Wirtschaftssystem  bedingt,  das  aber  seinerseits  von
dem  Grad  der  Bevölkerungsdichte  abhängt.
Bei  einer  dünnen  Bevölkerung  gewährt  das  Eigentumsrecht  an
Grund  und  Boden  noch  keine  Möglichkeit,  die  anderen  Menschen
auszubeuten,  weil  der  Bodenreichtum  die  Monopolisierung  des
Grundeigentums  verhindert.  Die  Nomadenvölker  kennen  das
Institut  des  persönlichen  Grundeigentums  noch  nicht,  obgleich  sie
schon  Sklaven  besitzen  und  die  unterworfenen  Stämme  ausbeuten.
  In  Altrussland  kamen  Grundeigentümer  zuerst  zur  Zeit
der  Herrschaft  der  Kiewer  Fürsten  vor,  aber  der  Boden  diente
noch  nicht  als  Mittel,  die  anderen  für  sich  arbeiten  zu  lassen,  ob-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.