Full text : Die Theorie der Volkswirtschaft

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Der  russische  Bauer  von  heute,  der  einen  Landanteil  von  fünf
Deßjätinen  besitzt,  zieht  es  vor,  noch  einige  Deßjätinen  zu  pachten ­
  und,  statt  neue  Aufwände  auf  seinem  eigenen  Boden  zu  machen,
einen  Teil  der  Produkte  dem  Grundeigentümer  abzutreten.  Eben
weil  eine  intensivere  Wirtschaft  weniger  produktiv  wäre,  strebt  er
danach,  seinen  Acker  möglichst  auszudehnen.  Nebenbei,  warum
erklären  die  Theoretiker,  die  die  Tatsache  des  Sinkens  der  Produktivität ­
  bei  sukzessiven  Arbeitsaufwänden  bestreiten,  die  doch
allbekannte  Tatsache  nicht,  daß  die  Bauern,  statt  auf  ihren  eigenen ­
  Anteilen  neue  Aufwände  zu  machen,  es  vorziehen,  bei  den
Grundbesitzern  Land  zu  pachten?  Der  Hinweis  auf  die  Unwissenheit ­
  der  Bauern  ist  mindestens  lächerlich,  da  die  Menschheit
überall  unter  gleichen  Umständen  das  gleiche  tut.
IV.
Die  Organisation  der  Herrschaft,  die  in  der  Inbesitznahme  des
Bodens  begründet  ist,  gewährt  die  Möglichkeit,  die  Volksmasse
auszubeuten.  Die  Expropriation  eines  bedeutenden  Teiles  der
Produkte  der  Dorfgemeinde  verursacht  aber  eine  bedeutende
Änderung  in  der  Verteilung  der  Produktivkräfte  der  Volkswirtschaft. ­
  Ob  diese  Produkte  in  der  Form  eines  Tributs,  einer
Steuer  oder  einer  Rente  für  die  Benutzung  des  Bodens  enteignet
werden,  auf  jeden  Fall  wird  dieser  Teil  der  Produkte  nicht  mehr
in  der  Gemeinde  verzehrt,  sondern  häuft  sich  bei  der  herrschenden ­
  Klasse  an.  Dadurch  wird  es  ermöglicht,  nicht  bloß  Leute  zu
unterhalten,  die  sich  mit  keiner  produktiven  Arbeit  beschäftigen,
sondern  auch  die  Handwerker,  die  für  diese  arbeiten.
So  bildete  die  Dorfgemeinde  zusammen  mit  der  Wirtschaft
der  Gutsherren  ein  selbständiges  wirtschaftliches  Ganzes.  Die
Ausbeutungsformen  der  Naturalwirtschaften  sind  verschieden:
entweder  gibt  der  Bauer  einen  Teil  seiner  Produkte  an  den  Grundherrn ­
  ab,  oder  er  arbeitet  auf  dem  Gute  des  Herrn.  Das  Wirtschaftssystem ­
  des  „Gutes“,  d.  h.  der  Dorfgemeinde  und  des  Herrn,
stellt  aber  im  ganzen  genommen  einen  Typus  der  Gemeindewirtschaft ­
  dar,  auf  deren  Grundlage  das  Ganze  aufgebaut  ist.
Ähnlich  den  großen  Guts  wirtschaften  entwickelte  sich  im
            
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