Full text : Girowesen im griechischen Ägypten, enthaltend Korngiro, Geldgiro, Girobanknotariat mit Einschluss des Archivwesens

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Teil  I,  Staatsspeicher,  Staatskassen  und  Banken.

141  V.  Chr.)  aus  Hermupolis  ist  eine  Klagschrift  \  gerichtet  an  die
Adresse  des  Königs.  Der  Kläger  beruft  sich  Z.  8  f.  auf  einen  Handschein, ­
  auf  Grund  dessen  er  dem  Beklagten  eine  Zahlung  zu  leisten
hatte:  x^*PÓ[Tp]acpov,  ö  0ia(Ta(p[e]i  ipv  KaiaßoXfiv  aÒTÚJi  (d.  i.  dem
Beklagten)  Tr[oi]i3(Ja(T0ai  èni  ipv  ènl  tiûv  tóttuuv  Zujt[í]uívoç
ipátreZav  èv  Túii  (TrmaveévTi  xpóviui,  òiò  xm  èv  tôii  TTa[x]mv  junvl
TOÛ  aÙTOû  Itouç  òiaTpáipavTÓç  po[u]  èm  rfiv  Trpoeipripéviiv  toO
ZujTÍujvoç  rpáneíav  ktX.  Ich  glaube  nicht,  daß  diese  ipátreZa
die  Staatskasse  ist,  denn  in  solchem  Falle  wäre  die  Fassung  vermutlich ­
  in  der  gewöhnlichen  Form  geschehen  :  èm  ipv  rpá-rreCav,  èqp’  fjç
ZiuTÍiJüv,  oder  èni  rpv  èni  tújv  tóttuuv  ipÚTreíav,  èqp’  pÇ  Zuutíuuv^.
Außerdem  würde  der  Kläger  in  dieser  an  den  König  gerichteten
Klagschrift  vermutlich  betont  haben,  daß  die  rpáiteía  eine  ßaCiXiKfi
TpdTreZa  ist,  um  den  Wert  und  die  Richtigkeit  der  Mitwirkung  des
ZuuTÍuuv  in  das  rechte  Licht  zu  rücken.  So  aber  läßt  die  schlichte
Fassung  èiri  xfiv  èrrî  tújv  tóttuuv  Zuut[í]uuvoç  xpÚTreíav  die  Vermutung
auf  kommen,  daß  Zuutíuuv  der  Inhaber  einer  Bank  (vgl.  Wilcken,
Archiv  III  S.  524),  nicht  der  Vorsteher  einer  Staatskasse  ist.
Eine  ähnliche  Urkunde  ist  P.  Fay.  12  (um  103  v.  Chr.),  aus
dem  Faijum,  ebenfalls  eine  Klagschrift  an  die  königliche  Adresse.
Der  Kläger  war  von  den  beklagten  Leuten  im  Dorfe  Theadelpheia
verschleppt,  verprügelt  und  seiner  Kleider  beraubt  worden;  die
Beklagten  hatten  die  Kleider  in  einer  Schenke  als  Pfand  für  ihre
Zeche  hinterlassen,  und  der  Kläger  mußte  seine  Kleider  dort  gegen
2700  Kupferdrachmen  wieder  einlösen.  Z.  22f.  heißt  es:  KaraßaXuüv
bid  rÍToXepaíou  TpaTTaiZÍT[ou]  MéXm  Tpi  KairpXíbi,  ^  tò  ipÚTiov  èòebújKpcrav
  èvéxupov  rrpôç  dcfuuTeíav,  xa(XKoO)  (òpaxpàç)  ßijj  ktX.  Das
Einlösen  besorgt  also  der  Kläger  mit  Hilfe  eines  TpaTTeííTtiç  im
Dorfe  Theadelpheia  namens  Ptolemaios,  bei  dem  er  wahrscheinlich
ein  Giroguthaben  unterhielt,  oder  der  ihm  sonstwie  persönlich  bekannt ­
  war.  Daß  Ptolemaios  nicht  Vorsteher  der  Staatskasse,  sondern
Inhaber  einer  Dorfbank  ist.  wird  kaum  zu  bezweifeln  sein.
^  vgl.  die  Erläuterungen  von  Viereck,  Berl.  phil.Wochenschr.  1906  Sp.  37  ff.  ;
Taubenschlag,  Archiv  IV  S.  33  f.
*  Diese  Fassung  findet  sich  in  Arsinoe:  P.  Petr.  III  57(b),  13;  BGU.
994  Kol.  III,  10;  P.  Lond.III  S.  11  Nr.  1204,  26  usw.;  in  Diospolis  magna;
P.  Lond.  III  S.  2  Nr.  1200,2  f.  ;  P.  Lond.  IS.  47  Nr.  3,  37  usw.;  in  Hermonthis:
BGU.  992  Kol.  1,1;  P.  Lond.  III  S.4  Nr.  1201,  1  usw.;  in  Latopolis:  P.  Grenf.
II15  Kol.  3,1;  in  Pathyris:  BGU.  995  Kol.  IV,  1;  P.  Grenf.  I  27  Kol.  3,10;
in  Syene:  Wilcken,  Ostraka  II1  usw.  Freilich  gibt  es  auch  vereinzelte  Abweichungen. ­

            
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