172 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes u. der Einkommensverteilung. [1630
alles übrige als gleich vorausgesetzt, der Import fremder Waren erschwert, der Export
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sind thatsächlich relativ billiger. Und dazu kommt, daß die Erxporteure des Papier—
iandes Wechsel auf das Hartgeldausland meist mit Gewinn, umgekehrt, der fremde
importierende Kaufmann Wechsel auf das Papierland meist mit Verlust verkaufen muß.
Besonders Getreide exportierende, leicht an einer ungünstigen Zahlungsbilanz leidende
Agrarstaaten haben daher eine sinkende Papiervaluta oft mit freundlichen Augen an—
gesehen. Der ungarische Gutsbesitzer und Getreideexporteur befand sich 1830 —70, der
rufsische 1860—90 wohl dabei. Aber alle diese Wirkungen sind doch künstliche Vorteile
für einzelne Personen oder Klassen; es sind Wirkungen, die blind verteili, zufällig
wirken, einzelnen Vorteil, anderen Nachteil bringen. Jede direkte Politik des Schutz—
zolls oder der Exportprämie wäre besser, weil klarer in der Wirkung und weil gerechter
zu bemessen. Außerdem ist die ganze Wirkung eine springende; sie hört auf, wenn die
Valuta wieder steigt, das Agio sinkt; dann machen Dutzende von Geschäften, die am
Export beteiligt sind, durch die plötzliche Anderung der Bedingungen Bankerott. Oft
treten die erwarteten Folgen auch gar nicht ein. In Japan stieg der Import fremder
Waren mit der Papiergeldwirtschaft von 1877—82, weil die Belebung des Konsums
zrößer war als die schutzzöllnerische Hemmung durch das Agio und den Wechselkurs.
Alle diese Hoffnungen sind also unsicher; und was das Wichtigste ist, fie knüpfen sich
an Umstände, die für das Vaterland, seine Finanzen, seine Macht geführlich, ja unter
Amständen vernichtend sind. Jede Besserung der Valuta bedroht die wirkschaftlichen
Interessen derer, die bisher gewonnen haben.
Jede Bemühung, durch Wiedereinziehung eines Teils des Papiers oder andere
Mittel die Valuta wieder zu heben, hat die Kehrseite, die Preise herabzudrücken und
damit alle lähmenden Erscheinungen einer Geschäftsstagnation zu erzeugen. Daher
jaben fast in allen Ländern die Unternehmer und Kaufleute gegen solche Maßregeln
agitiert. Wie sie früher gewannen, so verlieren sie jetzt, während die Leute mit feften
Einnahmen nun den Vorteil haben. War die Entwertung auch nur eine mäßige und
ürzer dauernde, so muß doch möglichst rasch die Barzahlung wieder aufgenommen,
das Papiergeld so weit vermindert werden, daß es mit dem Hattgeld wieder pari steht.
Es muß in den Kauf genommen werden, wenn damit auch eine Wirtschafts- und Ge—
schäftskrisis mit steigendem Zinsfuß, beschränkter Konsumtionsfähigkeit, Arbeits- und
Absatzlosigkeit vorübergehend sich verbindet. Die Mittel zur Beseitigung der Entwertung
und des zu viel ausgegebenen Papiergeldes bieten meist große Anleihen, besonders
solche im Auslande, die Edelmetall schaffen. Es ist das für ein ärmeres Land
häufig eine teure, oft eine unerschwingliche Maßregel. Und hat das Land zugleich
regelmäßig eine ungünstige Zahlungsbilanz, so fragt es sich, ob und wie lange es
seinen neu erworbenen Edelmetallschatz bewahren kann.
War die Entwertung eine sehr langdauernde und bedeutende, so wird bei der
Wiederaufnahme der Barzahlungen oder beim Ersatz des entwerteten durch ein besseres,
dem pari nahestehendes oder gleiches Papier gar nicht der Versuch gemacht, die alten
längst entwerteten Scheine wieder auf ihren Nennwert zu heben. Es würde das eine
zu große Preisrevolution erzeugen, unzähligen Unberechtigten durch das successive stoß—
veise Steigen der Papierscheine große Gewinne zuführen; die Wertfteigerung käme nicht
denen zu Gute, die früher den Verlust hatten. Daher wechselt man in solchen Fällen
wie z. B. in Rußland 1889 und in den letzten Jahren) das Papiergeld zu einem
Kurse um, der dem Durchschnittswert der Valuta in den vorhergegangenen Jahren
entspricht. Eine Art Staatsbankerott liegt natürlich in einer solchen Maßregel. Aber
wenn seit zehn und mehr Jahren stark entwertetes Papier cirkuliert hat, so ist das
ursprüngliche Versprechen der Einlösung al pari ja ohnedies bedeutungslos geworden,
das Papiergeld hat seit lange gleichsam einen selbständigen Wert erhalten; war er
relativ konstant, so hat sich die hanße Volkswirtschaft, die Ein- und Ausfuhr darauf
zingerichtet. Und wenn nun das neue Hartgeld, wie in den letzten zehn Jahren in
Osterreich und Rukland, dementsprechend gewählt wird. so bleibl die EGefamüen da