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d e r t e n gebildet haben. Damit ist nicht gesagt, daß alles überlieferte gut
ist, wohl aber, daß die Beseitigung überkommener Institutionen mit ihren zahllosen,
oft unübersehbaren Nebenwirkungen immer ausdrücklich in Rechnung zu
stellen ist. Im folgenden werden zunächst die mehr kommerziellen Methoden
der Bedarfsdeckung, sowie die Beschaffung der Geldmittel behandelt, weil
diese Formen, solange der Krieg nicht besonders große Dimensionen annimmt, mit
mäßigen Abänderungen erhalten bleiben dürften. Im Weltkrieg freilich ist
das Zurücktreten der Geld- und Kreditwirtschaft gar nicht
unmöglich, dann haben die hier an erster Stelle gegebenen Betrachtungen
geringere Bedeutung.
5. Aufgaben und Wesen des Geldes,
Die grundsätzlichen kriegsfinanziellen Probleme kann man im allgemeinen
ruhig öffentlich besprechen; es sind mehr Einzelheiten und konkrete Daten,
die man nicht zu veröffentlichen pflegt. Die öffentliche Erörterung kriegswirtschaftlicher
Fragen ist im allgemeinen ein großer Gewinn, weil prinzipielle
Mängel zutage kommen, und weil die Beseitigung solcher Mängel durch die wissenschaftliche
Erörterung meist wertvoller sein dürfte, als die Verheimlichung von
oft recht untergeordneten Maßnahmen.
Die Beschaffung von Geld seitens des Staates dient einerseits dazu, dem
Staat einen Teil der Gütergesamtheit zu sichern, anderseits dazu, den Güterumsatz
innerhalb der Bevölkerung sicherzustellen, oder der Bevölkerung die Beschaffung
von Auslandsgütern zu erleichtern. Das Geld ist eine Art Anweisung
auf alle möglichen Arten von Gütern, eine Anweisung,
deren Anweisungskraft Änderungen unterliegt. Wie man für
eine Theaterkarte einen Theatersitz, für eine Eisenbahnkarte einen Eisenbahnsitz
erhält, so kann man sich für Geld beliebige Güter verschaffen. Wer Geld für
eine Arbeitsleistung als Bezahlung annimmt, tut dies, weil er damit rechnet, für
das Geld sicher irgendeine Ware, die er braucht, zu dem landesüblichen Preise
zu bekommen. Die Ware, welche man für das Geld erhält, ist eigentlich die
endgültige Bezahlung.
Das Vertrauen, daß man für Geld Waren erhält, kann verschiedene Ursachen
haben. Leben wir in einem wohlgeordneten Staatswesen, so genügt ein Zettel,
der als Anweisung dient; der Eigentümer dieses Zettels muß nur die Sicherheit
haben, daß der Verkäufer einer Ware diesen Zettel ebenso annimmt, wie er ihn
selbst angenommen hat. Diese Sicherheit kann durch den staatlichen Zwang
garantiert werden, sie kann aber unter Umständen auch auf rein gesellschaftlichem
Vertrauen beruhen. Anders wäre dies alles, wenn Mißtrauen eintreten
und man annehmen würde, daß morgen die Staatsordnung und das allgemeine Vertrauen
zu funktionieren aufhören. Wer eine Theaterkarte bekommt, müßte z. B.
fürchten, daß er auf seinem Sitz, wenn die Vorstellung beginnt, einen anderen
antrifft, ohne daß es ihm gelingen würde, durch die Polizei oder durch Richterspruch
zu seinem Rechte zu kommen. Wenn dieser Mann, durch diesen
Zufall gewitzigt, sich wieder eine Karte beschafft, dürfte er sich vielleicht vom
Theaterdirektor eine Sicherheit geben lassen. An der Karte für die Galerie
könnte z. B. ein Stück Schokolade hängen, an der Karte für eine Loge eine
Champagnerflasche. Findet der Inhaber der Karte seinen Platz besetzt, so bleibt
ihm die Möglichkeit, sich durch den Genuß des Pfandobjektes schadlos zu halten,
andernfalls gibt er die Karte mit dem daran hängenden Pfandobjekt ab. Es
ist ganz klar, daß die Karten mit den daran hängenden Pfandobjekten eine geringere
soziale Ordnung voraussetzen, als die Karten ohne Pfandobjekte. Unser
Goldgeld ist mit einer Anweisung zu vergleichen, an der
das Pfandobjekt dauernd hängt. Die Note setzt eine höhere Organisationsform
voraus, als das vollwertige Metallgeld. Wir sehen denn auch, daß
das vollwertige Metallgeld vielfach dann als regelmäßiges Zahlungsmittel auftritt,
wenn Organisationsmängel vorhanden sind. Die alten Ägypter z. B. sind vielfach
mit einem Magazinsystem ausgekommen, das späterhin einem Naturaliengiroverkehr
zur Grundlage diente. Wer in Nordägypten in einen Staatsspeicher