Full text : Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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Naturalien  einzahlte,  konnte  veranlassen,  daß  eine  gleiche  Getreidemenge  in  Südägypten ­
  ausbezahlt  werde.  Die  Geldordnung  begann  erst  zu  dominieren  —  obgleich ­
  das  Naturaliengirowesen  sich  gerade  während  der  Geldordnung  weiterentwickelte ­
  —,  als  Ägypten  ein  erobernder  Staat  wurde.  Wie  kam  das?  Versetzen ­
  wir  uns  in  jene  Zeit.  Eine  ägyptische  Garnison  wird  z.  B.  in  Damaskus
stationiert.  Dorthin  kommen  Araber  aus  dem  südlichen  Arabien,  um  z.  B.  Pferde
zu  verkaufen.  Der  Ägypter  hat  daheim  im  Speicher  Getreide  liegen,  das  er  vielleicht ­
  gerne  dem  Araber  überweisen  würde.  Aber  der  Araber  erklärt  ihm,  daß
er  nach  Saba  zurück  müsse,  und  dort  kenne  man  diese  Einrichtung  nicht,  und
selbst,  wenn  man  sie  kenne,  sei  es  unmöglich,  auf  eine  Getreideüberweisung
einzugehen,  weil  beim  Ausbruch  des  Krieges  alle  Forderungsrechte  hinfällig
würden.  Der  Araber  dürfte  daher  von  dem  Ägypter  irgendein  Ding  verlangen,
das  er  gleich  mitnehmen  kann.  Es  müßte  verhältnismäßig  leicht  transportabel
und  sofort  verwendbar  sein  oder  aber  ihm  daheim  die  Möglichkeit  geben,  sich
das  zu  verschaffen,  was  er  braucht,  etwa  Papyrus,  Blausteinschmuck,  Rohsilber
oder  ähnliches  mehr.
Die  Vermehrung  solcher  Geschäfte  kann  zu  einem  systematischen  Verkehr
führen.  Es  entstanden  Kaufleute,  welche  den  internationalen  Handel  übernahmen.
Diese  fanden  bald  bestimmte  Eigenschaften  der  internationalen  Handelsartikel
heraus.  Zunächst  bevorzugten  sie  Artikel,  die  mit  einem  möglichst
geringen  Risiko  belastet  waren.  Dahin  gehörten  solche,  die  ein
weites  Absatzgebiet  hatten,  wie  Goldgefäße,  Silberschmuck,  Tonwaren,  gefärbte
Stoffe  lusw.  Vor  allem  waren  es  Schmuck-  und  Luxusgegenstände,  nicht
Artikel  des  täglichen  Lebens.  Dies  erklärt  sich  in  erster  Reihe
daraus,  daß  die  Gebrauchsartikel  des  täglichen  Lebens  nur  in  beschränkter  Menge
gekauft  wurden.  Schmuck  wurde  aber  insbesondere  von  den
Wohlhabenden  ohne  Grenzen  an  geschafft.  Man  legte  Horte
an  und  der  Schatzhandel  ist  daher  für  jene  frühe  Periode  besonders  charakteristisch.
Reiche  Männer  besaßen  nicht  einen,  sondern  zehn,  zwanzig  Dreifüße,  weit
mehr,  als  sie  je  verwenden  konnten.  Wir  können  diese  Zustände  ziemlich  deutlich
aus  den  Schilderungen  der  Ilias  und  Odyssee  kennen  lernen.  Auch  werden  die
internationalen  Händler  wohl  jene  Dinge  bevorzugt  haben,  bei  denen  das  Risiko
dadurch  verringert  wurde,  daß  der  jährliche  Zuwachs,  der  auf  den  Markt  geworfen
wurde,  klein  war  im  Verhältnis  zur  Gesamtheit  der  betreffenden  Ware.  Wenn
z.  B.  die  Getreideernte  eines  Jahres  doppelt  so  groß  ist  als  die  des  vorhergehenden,
so  merkt  man  das  an  den  Preisen  sehr  deutlich  ;  wenn  die  Goldernfe  doppelt
so  groß  ist  als  im  vorhergehenden  Jahr,  so  merkt  man  das  weit  weniger,  we5I
dieser  Zuwachs  nur  wenig  gegenüber  den  immer  im  Verkehr  befindlichen  Geldmassen ­
  ins  Gewicht  fällt.  Schließlich  werden  die  Händler  gemerkt  haben,
daß  sie  durch  das  Aufbewahren  von  Fertigfabrikaten  ein
größeres  Risiko  liefen,  als  durch  das  Aufbewahren  von  Rohstoffen. ­
  Rohes  Silber  ließ  sich  jederzeit  in  eine  Spange  oder  ln  eine  Scheibe
verwandeln.  Aber  was  sollte  der  Händler  tun,  wenn  Silberbroschen  gesucht
wurden  und  er  nur  Spangen  hatte?  Auf  diese  und  ähnliche  Weise  wurden  wohl
die  unverarbeiteten  Metalle  die  wichtigsten  internationalen  Zahlungsmittel.  Die
Einführung  gemünzten  Geldes  war  anfänglich  von  geringer,
rein  v  e  rk  ehrstechnischer  Bedeutung.  Von  wirklicher  wirtschaftlicher
Tragweite  war  erst  die  Schaffung  minderwertiger  Münzen.  Das  Geld
setzte  zunächst  keine  Organisation  voraus,  es  vermittelte  den  Verkehr
zwischen  Menschen,  die  einander  nie  mehr  nahe  traten,  wohl  gar  Ländern  angehörten, ­
  die  miteinander  im  Kriege  lagen.  Das  Edelmetall  war  dort
Bindeglied,  wo  eine  staatliche  oder  gesellschaftliche
Ordnung  fehlte.
Wie  wirkten  nun  solche  Vorgänge  auf  das  Inland  zurück?  Die  Händler
waren  nun  darauf  bedacht,  sich  im  Inland  die  für  den  internationalen  Handel
nötigen  Tauschmittel  zu  verschaffen,  und  immer  häufiger  suchte  man  sich  im
gewöhnlichen  Leben  durch  die  Veräußerung  von  Waren  Güter  des  internationalen
Handels  zu  verschaffen.  Die  Zahlungsweise,  welche  im  ungeordneten  internnationalen
  Verkehr  notwendig  war,  fand  langsam  auch  im  nationalen  Zählungsverkehr ­
  Eingang,  wo  sie  nicht  notwendig  war.  Eine  weit  höhere  Organi-
            
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