Full text : Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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sation,  die  auf  der  staatlichen  Ordnung  basierte,  die  entstehende  Groß  naturalwirtschaft, ­
  wurde  durch  eine  Umsatzform  verdrängt,  die  für  Feinde  und
Fremde  geschaffen  worden  war.  Das  Geld,  welches  auf  dem  internationalen
Markte  die  Fernsten  einander  annäherte,  entfernte  nun  im  Inlande  die  Nächsten
voneinander;  Brüder  beginnen  im  Inlande  einander  wie  fremde  Kaufleute  anzusehen. ­
  Es  ist  hier  nicht  der  Ort,  die  eigenartige  Doppelwirkung  des  Geldes,
näher  darzustellen,  wie  es  einerseits  verbindet,  anderseits  trennt,  aufbauend  und
zersetzend,  befreiend  und  knechtend  wirkt.  Das  Gesagte  dürfte  wohl  genügen,
um  zu  zeigen,  daß  man  der  Geldordnung  an  sich  kritisch  gegenüberstehen  und
vor  allem  bei  Erörterung  prinzipieller  kriegswirtschaftlicher  Fragen  sich  davor
hüten  müsse,  sie  als  eine  Selbstverständlichkeit  Wuzunehmen.
Allmählich  aber  beginnt  das  Geld  eine  neue  Wandlung  durchzumachen,  es
unterliegt  wieder  der  organisierenden  Kraft  der  Gesellschaft.  Wir  können  uns
ein  Bild  von  dieser  Wandlung  machen,  wenn  wir  uns  in  das  Feldlager  eines
antiken  Heeres  versetzen.  Der  Feldherr  hat  von  zu  Hause  zu  wenig  Sold  bekommen. ­
  Er  prägte  nun  z.  B.  neues  Geld  aus,  das  die  alte  Bezeichnung  führte,
aber  weniger  Edelmetall  enthielt.  Der  neue  Denar  hatte  z.  B.  nur  halb  so  viel
Gold  als  der  alte.  Nichtsdestoweniger  verkündete  der  Feldherr,  daß  alte  Schulden ­
  mit  den  neuen  Denaren  gezahlt  werden  könnten,  daß  die  Händler  die  neuen
Denare  so  wie  die  alten  anzunehmen  hätten,  daß  aber  sie  ihrerseits  wieder  ihre
Abgaben  in  neuen  Denaren  leisten  könnten.  Diese  Maßnahmen  bewährten  sich
und  fanden  vielleicht  Verbreitung  im  ganzen  Lande.  Es  schien  ein  Mittel  gefunden, ­
  den  Güterumsatz  mit  weniger  Edelmetall  als  bisher  zu  ermöglichen.  Vor
allem  aber  konnte  die  Regierung  sich  jederzeit  Geld  verschaffen,  indem  sie  aus
einer  Anzahl  alter  Geldstücke  eine  größere  Anzahl  neuer  prägte.  Die  ersten
Schwierigkeiten  ergaben  sich  wohl  im  internationalen  Verkehr.  Wenn  einer
der  oben  erwähnten  Krieger  in  Damaskus  dem  Araber  neue  Denare  als  Zahlung
anbot,  zog  dieser  wohl  seine  Wage  heraus,  um  sie  zu  wiegen.  Für  ihn  sind
die  Denare  Dinge,  die  daheim  umgeschmolzen  werden,  um  als  Schmuck  zu  dienen,
er  nimmt  sie  nur,  insoferne  sie  Gold  enthalten,  der  Name,  den  die  Münzen  führen,
ist  ihm  gleichgültig,  ebenso,  ob  man  damit  im  Staate,  der  sie  geprägt  hat,  Schulden
zahlen  kann  oder  nicht.  Wenn  der  Soldat  nun  mehr  Denare  als  früher  für  ein
Pferd  zahlen  mußte,  mag  er  wohl  über  Fälschung  geklagt  haben.  Und  so  gelangt
bereits  das  Altertum  zu  zwei  Standpunkten:  der  eine  sieht  in  der  Münze  ein
Ding,  das  seine  Kaufkraft  dem  Metallgehalt  verdankt,  der  andere  sieht  darin
ein  Ding,  das  seine  Kaufkraft  staatlichen  Verfügungen  verdankt.  Beide  hatten
recht,  der  eine,  soferne  die  Münze  als  internationales,  der  andere,  soweit
sie  nur  als  nationales  Zahlungsmittel  in  Anspruch  genommen  wurde.
Vollwertiges  Geld,  das  ist  solches,  für  das  man  sich  ungefähr  so  viel  Metall
kaufen  kann,  als  in  ihm  enthalten  ist,  konnte  jederzeit  auch  international  verwendet
werden  ;  das  minderwertige  Zeichengeld  dagegen,  für  das  man  sich  mehr  Metall
im  Inlande  kaufen  konnte,  als  es  enthielt,  brachte  Nachteil,  wenn  man  es  international ­
  verwenden  wollte.  Unsere  Noten  sind  nun  eine  Art  Zeichengeld,  das
den  Endpunkt  der  Edelmetallverringerung  repräsentiert,  es  ist  stofflich  beinahe
wertlos,  aber  auch  unsere  Silbergulden,  unsere  Kronenstücke,  kurz  alle  Geldsorten,
außer  den  Zehn-  und  Zwanzigkronenstücken,  sind  Zeichengeld.
Wir  sehen  aus  diesen  kurzen  Andeutungen,  daß  wir  scharf  zwischen  W  e  11  -
g  e  1  d  und  Inlandsgeld  unterscheiden  müssen.  Wir  können  vielleicht  einmal
auch  zu  einem  Zeichengeld  gelangen,  das  zum  Weltgeld  wird,  wenn  entsprechende
internationale  Abmachungen  getroffen  werden.  Alle  Bemühungen,  eine  internationale ­
  Banknote  zu  schaffen,  zielen  ja  dahin.  Die  Verwirklichung  dieser
Projekte  scheint  freilich  heute  noch  in  weite  Ferne  gerückt  zu  sein;  zum  Teile
infolge  der  Befürchtung,  daß  im  Kriegsfälle  die  internationale  Note  völlig  versagen
könnte,  vor  allem  aber  auch  deshalb,  weil  jeder  Staat  wohl  für  sich  die  Emission
von  Noten  veranlassen  würde,  ohne  auf  die  internationalen  Abmachungen  Rücksicht ­
  zu  nehmen.  Es  gibt  viele,  welche  die  Weltnote  nur
dann  für  durchführbar  halten,  wenn  die  internationalen
Abmachungen  eine  größere  Bedeutung  als  heute  erlangt
haben  werden  und  vor  allem  die  Kriegsgefahr  sehr  herabgemindert, ­
  wenn  nicht  beseitigt  erscheint.
            
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