Object: Die deutsche Hausindustrie

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1. Kap.: Begriff und Einteilung der Hausinduftrie 
fondern liefert den Rohftoff und zahlt dann Stücklohn. In jedem Falle aber 
ift dem Verleger der Absatz der Produkte, die kaufmännifche Ver 
mittlung überlaffen. Und das ift das W e f e n 11 i c h e und Charakte- 
riftifche bei der Hausinduftrie. Das gewerbliche Produkt 
fetzt der kleine Produzent nicht mehr, wie früher der Handwerker oder die mit 
Hausfleifz befchäftigte Bauernfamilie, direkt an den Konfumenten ab, fondern 
an den Verleger, der nun feinerfeits einen Maffenabfatz auf einem gröjzern Markt 
organifiert. Dabei ift es gleichgültig, ob der Verleger die Produkte auf den 
Weltmarkt bringt, wie der Inhaber eines Berliner Konfektionsgefchäfts, oder 
ob er ein Magazin in der Stadt hält wie der Möbelhändler; es bleibt auch gleich 
gültig, ob er die Ware fertig zum Verkauf vom Hausarbeiter empfängt, oder 
fie einer letzten Appretur unterwirft; gleichgültig auch, ob er Arbeits 
produkte oder nur Arbeitsleijtungen, zu denen er den Rohftoff 
vorgefchoffen, empfängt: in jedem Falle ift dem Hausinduftriellen die kauf 
männifche Vermittlung an die Konfumenten benommen: fein gewerbliches 
Produkt wird, ehe es in den Konfum gelangt, Warenkapital, d. h. Erwerbs- 
mittel für eine oder mehrere kaufmännifche Zwifchenperfonen. Den Erlös 
für fein Arbeitsprodukt, den er früher — als Handwerker — ungefchmälcrt 
einftrich, fieht er zum Teil in fremde Tafchen wandern. Seine wirtfchaftliche 
Lage ift fchlechter geworden. Was wir heute von dem Begriff eines Haus 
induftriellen kaum noch zu trennen vermögen, feine ver fchlechterte 
wirtfchaftliche Lage, oder wenigftens die Gefahr, in eine folche zu 
geraten, hängt alfo innig mit dem zufammen, worin wir das Wefen der Haus 
induftrie erblicken, mit der Dazwifchenkunft des kaufmännifchen Ver 
mittlers. 
Aber noch eine zweite der Hausinduftrie inhärierende Erfcheinung wird 
durch unfere Begriffsbeftimmung erklärt, die Abhängigkeit der 
Hausinduftriellen vom Verleger. Es bedeutet noch den ge- 
ringften Grad von Abhängigkeit, wenn der Kaufmann ihnen nur den Kauf 
preis ihrer Produkte zahlt; die Abhängigkeit wächft, wenn er ihnen auch den 
Rohftoff liefert und vollends auch die Werkzeuge zu Verfügung ftellt. Das 
Abhängigkeitsverhältnis wird um fo drückender und kann um fo mehr aus 
gebeutet werden, je mehr Hausinduftrielle in einer Gegend durch ein und den- 
felben Kaufmann ihren Abfatz beforgen laffen, je mehr deffen Gefchäft einen 
monopolartigen Charakter annimmt. Während der Handwerker früher nur 
von dem Konfumenten abhängig war, mit dem er direkt in Verbindung trat, 
dem er meiftens auch durch perfönlich nachbarliche oder ähnliche Beziehungen 
naheftand — ein Verhältnis, das kaum den Namen Abhängigkeit verdient —,
	        
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