Kapitel I. Die Optimisten.
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auf absolut gleichen Fuß mit dem Tausch zwischen Nationen stellt,
oder wenn er in mehr belustigenden als treffenden Gleichnissen nach
zuweisen versucht, daß die Vorteile des internationalen Handels für
ein Land um so größer seien, je ungünstiger seine Handelsbilanz sei,
oder daß hauptsächlich die ärmsten Nationen vom internationalen
Handel profitieren *).
Was den konstruktiven Teil des Werkes Bastiat’s anlangt, so
besteht er in dem Nachweis: „daß die allgemeinen Gesetze der
sozialen Welt harmonisch sind; sie streben in allen Richtungen nach
einer Vervollkommnung des Menschengeschlechtes“. Und doch sieht
man beim ersten Blick überall nur Unordnung! Er antwortet hier
auf mit dem unvergeßlichen Gleichnis: „Das, was man sieht, und
das, was man nicht sieht“, in dem er ausführt, daß man sich
nicht auf das verlassen dürfe, „was man sieht“, und daß das, „was man
nicht sieht“ viel öfter die Wahrheit ist; daß die augenscheinlichsten
Gegensätze, wenn man sie näher betrachtet, sich sehr oft als Trieb
kräfte der Harmonie ausweisen. Weiterhin antwortet er, daß der
Mensch frei sei, und folglich frei, diese Harmonie zu zerstören,
indem er sich an der Freiheit anderer vergreift, — insbesondere
durch die Ausbeutung, die Bastiat keineswegs zu verschleiern ver
sucht, sondern die er im Gegenteil überall an den Pranger stellt.
Aber verschiedene Kräfte sind in der Umwelt wie im Innenleben
des Menschen am Werke, um jeden, der den richtigen Weg verläßt,
darauf zurückzuführen, so daß sich zum Schluß die Harmonie von
selbst wieder einstellen wird. „Ich glaube, daß das Übel zum Guten
führt und es hervorruft, während das Gute niemals zum Übel führen
kann, woraus sich ergibt, daß das Gute zum Schluß zur Vorherrschaft
gelangen muß 1 2 ).“
Es erhellt hieraus, daß diese Doktrin weit über den bloßen Be
griff von Naturgesetzen hinausgeht: sie setzt den Glauben an Ge
setze der Vorsehung voraus. Bastiat will das auch gar nicht ver
bergen und ruft an vielen Stellen ähnlich wie die Physiokraten, aber
mit klareren Worten aus: „In jeden Menschen hat Gott einen un
widerstehlichen Drang nach dem Guten gelegt und hat ihm, um es
ihn erkennen zu lassen, ein Licht gegeben, das ihn zurechtweist 3 ).“
1 ) Über die Frage: Wer im internationalen Handel gewinnt? siehe weiter unten
das, was wir hierüber bei Stuakt Mill sagen.
2 ) Earmonies,S.21. Wir zitieren nach der 10. Ansg. der CEuvres completes.
3 ) „Die Tatsachen der Nationalökonomie haben ebenfalls ihre wirkende Ursache
und ihren Yorsehungszweck“ (Harmonies, letzte Seite).
„Angesichts dieser Harmonie kann der Volkswirtschaftler wohl ausrufen, wie der
Astronom oder der Physiologe; Digitus Dei est hic!“ (Harmonies, Kap. X, S. 391).
„Wartet nur das Ende ab und ihr werdet sehen, daß, wenn ein Jeder für sich
[ selbst sorgt, Gott an alle denkt“ (Harmonies, Kap. VIII, S. 290).