Full text : Sozialismus und Regierung

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landes  ruhende  Erziehung,  so  ergibt  sich  als  Wirkung,  daß  in  die  unterworfenen ­
  Besitzungen  und  in  das  Reich  als  Ganzes  eine  Verschiedenheit ­
  zwischen  Denken  und  Erfahrung  eingeführt  wird,  die  schließlich
mit  dem  staatlichen  Zusammenbruche  enden  muß.
Sind  meine  Behauptungen  richtig,  so  folgt  hieraus,  daß  es  ein  großer
Fehler  ist,  den  Eingeborenen  als  Kind  oder  als  einen  Weißen  der  Anlage ­
  nach  zu  betrachten,  der  in  der  Schule  und  im  Staate  erzogen  werden ­
  müsse,  als  ob  er  ein  Weißer  wäre.  Dies  ist  ein  unwissenschaftlicher
Standpunkt.  Der  Demokrat  kann  zugeben,  daß  seine  Demokratie
von  Umständen  abhängt,  und  trotzdem  ein  Demokrat  bleiben.  Vom
Standpunkte  wissenschaftlicher  Politik  und  organischer  sozialer  Beziehungen ­
  ist  die  Anerkennung  von  Unterschieden  der  Geschichte  und
der  Rasse,  von  mannigfaltigen  Entwicklungen,  von  verschiedenen  Organisationsformen ­
  des  Stammes  und  der  Nation  so  natürlich,  wie  es
die  Beobachtung  bei  den  Völkern  der  Erde  notwendig  macht.  Es  ist
einer  der  fundamentalsten  Unterschiede  zwischen  dem  neuen  Sozialismus ­
  und  dem  alten  Radikalismus,  daß  in  jenem  der  Geist  der  Geschichte ­
  seine  Schwingen  regt,  während  dieser  nur  von  politischen
Gesetzesbegriffen  bewegt  wurde.  Die  Gleichheit  des  Sozialismus  bedeutet ­
  nicht  Uniformität,  sie  erkennt  Unterschiede  an.  Sie  hat  kein
gußeisernes  System  zur  Hand,  das  auf  alle  Rassen  und  Bedingungen
anzuwenden  wäre,  sie  will  kein  Universalmittel  sein,  keine  allgemeine
Denkart.  Der  Sozialismus  betrachtet  deshalb  die  eingeborene  Rasse
nicht  als  eine  weiße  Rasse,  die  sich  auf  einer  frühen  Stufe  der  Entwicklung ­
  befindet.  Treu  seinem  Geiste,  kann  er  deshalb  nicht  in  den  Irrtum ­
  verfallen,  den  Osten  in  seinem  Werden  wie  den  Westen  zu  beurteilen. ­
  Der  Sozialismus  hat  einen  Geist,  ein  Empfinden,  einen  sittlichen ­
  Standpunkt.  Für  ihn  hat  dieser  Geist  einen  universellen  Wert,
aber  nicht  die  Formen,  in  denen  er  sich  verkörpert.
Die  natürlichen  und  unvermeidlichen  Schwierigkeiten,  die  die  Versuche, ­
  die  Eingeborenen  zu  regieren,  umlauern,  werden  ganz  bedeutend ­
  durch  die  von  den  Weißen  herbeigeführte  Auflösung  der  Stammesorganisation ­
  und  durch  die  Zerstreuung  der  Eingeborenen  über  die
Weißen  Niederlassungen  erhöht.  Die  unveränderliche  Folge  hiervon
Ist,  daß  eine  Rassenantipathie  verschärft  wird,  die  oft  den  wirtschaftlichen ­
  Gegensätzen  zugeschrieben  wird.  Doch  liegt  sie  im  Blute.
Zwischen  den  weißen  und  farbigen  Rassen  schlummern  Kräfte  der
            
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