Full text : Sozialismus und Regierung

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den  Südstaaten  zum  Lynchen  der  Schwarzen  führt.  In  Natal  sind  die
Frauen  äußerst  verbittert  gegen  die  Eingeborenen,  und  in  Australien
findet  der  Entschluß  der  weißen  Rasse,  sich  rein  zu  halten  —  die  Lehre
vom  weißen  Australien  —  unter  den  Frauen  die  begeistertsten  Anhänger. ­
  Die  Furcht  vor  Vergeltungsmaßregeln  der  Japaner  macht  dort
die  weiblichen  Wähler  so  willfährig  wie  die  Männer,  die  allgemeine
Wehrpflicht  zu  unterstützen.  Nie  haben  die  Frauen  eines  Stammes
oder  einer  Nation  die  Stammes-  oder  Nationalinstinkte  verleugnet,  nie
haben  sie  es  unterlassen,  die  Leidenschaften  des  Kriegers  zu  schüren,
und  die  geschlechtliche  Auswahl  hat  unter  den  Kriegsstürmen  der
Stämme  und  Nationen  die  Männer  bevorzugt,  die  nach  Schlachtenruhm ­
  lechzten.  Bei  Menschen  und  Tieren  zeigt  es  sich  in  gleicher  Weise,
daß  sich  Weib  und  Mann  um  die  Erhaltung  der  streitbaren  Kräfte  der
Rasse  bemühen.
Obgleich  nun  solche  rastlose  Mitarbeit  stets  als  Möglichkeit  in  den
Unterströmungen  der  modernen  Gemeinwesen  vorhanden  sein  mag,
so  kann  sie  doch  nicht  als  die  charakteristische  Äußerung  des  gewöhnlichen ­
  Lebens  gelten.  Damit  jedem  ein  „anständiges  Leben“  gesichert ­
  werde,  zu  welchem  Zweck  der  heutige  Staat  existiert,  ist  eine
vernünftige  Staatspolitik  erforderlich,  die  nur  möglich  ist,  wenn  der
Staat,  wie  ich  bereits  dargelegt  habe,  die  Erfahrungen  aller  widerspiegelt. ­
  Wenn  daher  überhaupt  etwas  für  das  Frauenstimmrecht
sprechen  soll,  so  muß  es  der  Beweis  sein,  daß  die  Frauen  über  einen
anderen  Erfahrungsschatz  verfügen  als  die  Männer.  Daß  die  Frau
unterdrückt  wird,  daß  sie  Steuern  zahlt,  daß  sie  die  eine  Partei  gegen
die  andere  unterstützen  wird,  daß  sie  den  Gesetzen,  an  deren  Zustandekommen ­
  sie  nicht  direkt  mitwirkt,  gehorchen  muß,  mag  wahr  oder
falsch  sein.  Soweit  es  richtig  ist,  trifft  es  für  andere  Schichten  der  Gesellschaft ­
  ebenfalls  zu  und  berührt  nicht  die  spezielle  Frage  der  Wahlunfähigkeit ­
  auf  Grund  des  Geschlechtes.  Es  mögen  sich  alle  diese
Dinge  bestätigen  und  trotzdem  nicht  die  Frauen  zum  Wählen  berechtigen. ­
  Die  schimpfliche  Klassifizierung  der  Frauen  mit  Kindern  und
Geisteskranken  könnte  politisch  durch  die  Tatsachen  begründet  sein;
in  diesem  Falle  sollten  wir  die  Frauen  bedauern,  ihnen  aber  nicht
das  Wahlrecht  erringen  helfen.
Gibt  es  Gründe,  warum  die  Erfahrung  der  Frauen  dem  Staate  gefährlich ­
  sein  sollte?  Und  warum  sie  heute  für  ihn  notwendig  ist?  Die
            
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