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Kürbis
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Kunstwolle
Öl destilliert und .unter dem Namen Wiesen
kümmelöl verkauft sowie aus dem bei der
Ernte des Kümmels entstehenden Abfall eine
sehr geringwertige Sorte, das Kümmelspreuöl
(zum Parfümieren von Seife), hergestellt. Das
K. ist sehr häufig Verfälschungen unterworfen.
Außer der Beimengung der schon genannten
geringwertigen Öle finden sich Zusätze von Al
kohol, Tannenzapfenöl, Fichtennadelöl und rekti
fiziertem Terpentinöl. Reines ,K. muß sich in
seinem gleichen Gewichte Alkohol von 90 Volum
prozent klar lösen, zwischen 175 und 23o 0 C über
destillieren und eine Rechtsdrehung von 70—80 0
zeigen. Es ist in sehr gut verschlossenen, mög
lichst voll gefüllten Flaschen aufzubewahren,
da es sehr leicht verharzt, gelb wird und dann
an Geruch und Wert verliert.
Kürbis (lat. Fructus Cucurbitae, frz. Citrouille,
Courge, engl. Gourd), die Frucht der zu den
Kukurbitazeen gehörigen Pflanze Cucurbita
pepo, enthält nach König neben 90,3% Wasser
noch i,09 0 /o Stickstoffsubstanz, o,n°/o Fett, i,t2°/o
Zucker, 1,09 °/o Extraktstoffe, 0,75% Rohfaser
und 0,45 0/0 Asche. Im Hinblick auf den hohen
Wassergehalt hat er für die menschliche Er-
nährung nur geringe Bedeutung und wird ledig
lich als Kompott und Marmelade, meist aber als
Viehfutter verwandt. Auch die von Muchel vor
geschlagene Verwendung zur Herstellung von
Spiritus scheint keine Bedeutung erlangt zu
haben.
Kürbiskerne (Kürbissamen, lat. Semen Cu
curbitae, frz. Semences de citrouille, engl. Gourds
seeds) enthalten 30—4o°/o eines fetten Öles (Kür
bis kernöl), das zu den langsam trocknenden
Ölen gehört, bei — 15° erstarrt und in frischem
Zustande als Speiseöl benutzt wird. Die gemah
lenen Kerne finden als Bandwurmmittel An
wendung, büßen aber bei der Aufbewahrung ihre
Wirksamkeit ein.
Kumarin (lat. Cumarinum, frz. Coumarine,
engl. Cumarin) ist der Stoff, welcher dem Wald
meister, den Tonkabohnen, dem Steinklee
den angenehmen Geruch erteilt. Zu seiner Ge
winnung extrahiert man am besten die Tonka-
bohnen, auf deren Oberfläche er sich sehr häufig
auskristallisiert findet, mit Alkohol, stellt es
neuerdings aber auch künstlich dar durch
Einwirkung von Essigsäureanhydrid auf Salizyl-
aldehydnatrium, Eingießen in Wasser und Destil
lation des abgeschiedenen Öles. Das IC, C 9 H 6 0 2 ,
bildet angenehm riechende, farblose Kristall-
nadeln, welche bei 67° schmelzen und bei 291 0
sieden. Es wird mit Vanillin zusammen zu
Cremes und Pralinen verwendet, ferner in alko
holischer Lösung zur Verstärkung des Geruches
des Weichselholzes und als Parfüm für Toiletten
seifen angewandt.
Kumaronharz nennt man harzartige Stoffe,
die bei der Wäsche des Schwerbenzols mit
Schwefelsäure entstehen, ursprünglich als lästige
Schmiere (bis 1906) einfach verfeuert, dann zur
Herstellung von Feueranzündern benutzt wur
den und später im Kriege eine ungeheure Be
deutung als Harzersatz gewonnen haben. In
chemischer Hinsicht sind sie Mischungen von
Kondensationsverbindungen des Indens (C 18 H 16 )
u nd des Kumarons (CjeHijOj), zwei im Stein-
fcohlenteer enthaltenen Flüssigkeiten vom Siede
punkt 181 0 und dem spez. Gew. 1,008, enthalten
weder Säuren noch verseifbare Stoffe und nehmen
in dünner Schicht Sauerstoff aus der Luft auf
(verharzen). K. kommen sowohl in öligem bis
teerartigem Zustande als Firnisersatz, wie in fester
Form für Lack und Sikkativ in den Handel. Die
letzteren werden nach dem Erweichungspunkt in
springhart (über 50 °), hart (40—50 °), mittelhart
(30—40 0 ), weich (unter 30 0 ) unterschieden. Ob
wohl die K. die Eigenschaften der Naturharze
nur in beschränktem Umfange zeigen und ins
besondere über den Erweichungspunkt von 65°
(Kolophon ioo°) nicht hinauskommen, haben sie
doch zum Leimen von Papier sowie gemischt
mit trocknenden Ölen in der Lackindustrie wert
volle Dienste geleistet. Die Höhe der Erzeugung
soll 600000 t im Jahre betragen.
Kumidinrot (Kumidinponceau, Ponceau
3 R), ein zur Grupps der Azofarben gehöriger
Teerfarbstoff, ein dunkelrotes, in Wasser mit
kirschroter Farbe lösliches Pulver, welches Wolle
in saurem Bade rot färbt und aus dem Natrpn-
salze der Kumidinazobetanaphtoldisulfosäure be
steht. Ponceau 4 R unterscheidet sich von dieser
Farbe nur dadurch, daß zur Herstellung anstatt
des gewöhnlichen rohen chemisch reines kri
stallinisches Kumidin verwandt wird.
Kumys (Kumis, Milchwein) ist ein alkohol
haltiges Getränk, welches aus gegorener Stuten
milch besteht und ursprünglich in der Tartarei,
später im südlichen Rußland dargestellt wurde.
Jetzt bereitet man es auch in Deutschland aus
Kuhmilch und verwendet es medizinisch. Siehe
Kefir.
Kundaöl (Croupee-Öl, nicht zu verwechseln
mit Kraböl und Karapaöl, s. d.) ist ein aus den
Samen der Carapa Touloncouma durch Aus
kochen mit Wasser bereitetes Pflanzenfett, das
von Sierra Leone und Assim in den Handel
kommt.
Kunstspeisefett nennt man alle dem Schweine
schmalz ähnlichen Zubereitungen, deren Fett
gehalt nicht ausschließlich aus Schweineschmalz
besteht, also Mischungen von tierischen Fetten
mit Baumwollsamenöl, Kokosfett u. dgl., aber
auch tierische Fette, vor allem solche, die durch
besondere Verfahren streichfähig gemacht worden
sind. Sie unterliegen den Vorschriften des Mar-
garineges.etzes und dürfen nur unter der deut
lichen Bezeichnung Kunstspeisefett in den Ver
kehr gebracht werden. Beimischungen von Wasser,
Mehl und wertlosen Stoffen haben als Verfäl
schung zu gelten.
Kunstwolle (frz.Laine artificielle, engl.Shoddy
and Mungo) wird aus den früher als beinahe
wertlos erachteten Lumpen hergestellt und in
besonderen Fabriken verarbeitet. Man unter
scheidet hauptsächlich zwei Sorten von Lumpen
wolle, Mungo und Shoddy. Die erstere stammt
von gewalkten Wollstoffen, Tuchen u. dgl. und
ist kurzhaarig, weil das Zerfasern dieser Stoffe
eine gewaltsame Bearbeitung erfordert. Zu der
anderen dienen gestrickte, gewirkte und gehäkelte
Lumpehzeuge, die sich leichter lösen und einen
längeren Faserstoff ergeben. Die Vorarbeit be
steht in einem gründlichen Auslesen unter Ent
fernung aller nicht wollenen Teile. Danach folgt
bei baumwollehaltigea Geweben eine Behandlung
mit heißen Salzsäuredämpfen in geschlossenen
l