mamm
Kürbis
231
Kunstwolle
Öl destilliert und .unter dem Namen Wiesenkümmelöl
verkauft sowie aus dem bei der
Ernte des Kümmels entstehenden Abfall eine
sehr geringwertige Sorte, das Kümmelspreuöl
(zum Parfümieren von Seife), hergestellt. Das
K. ist sehr häufig Verfälschungen unterworfen.
Außer der Beimengung der schon genannten
geringwertigen Öle finden sich Zusätze von Alkohol,
Tannenzapfenöl, Fichtennadelöl und rektifiziertem
Terpentinöl. Reines ,K. muß sich in
seinem gleichen Gewichte Alkohol von 90 Volumprozent
klar lösen, zwischen 175 und 23o 0 C überdestillieren
und eine Rechtsdrehung von 70—80 0
zeigen. Es ist in sehr gut verschlossenen, möglichst
voll gefüllten Flaschen aufzubewahren,
da es sehr leicht verharzt, gelb wird und dann
an Geruch und Wert verliert.
Kürbis (lat. Fructus Cucurbitae, frz. Citrouille,
Courge, engl. Gourd), die Frucht der zu den
Kukurbitazeen gehörigen Pflanze Cucurbita
pepo, enthält nach König neben 90,3% Wasser
noch i,09 0 /o Stickstoffsubstanz, o,n°/o Fett, i,t2°/o
Zucker, 1,09 °/o Extraktstoffe, 0,75% Rohfaser
und 0,45 0/0 Asche. Im Hinblick auf den hohen
Wassergehalt hat er für die menschliche Ernährung
nur geringe Bedeutung und wird lediglich
als Kompott und Marmelade, meist aber als
Viehfutter verwandt. Auch die von Muchel vorgeschlagene
Verwendung zur Herstellung von
Spiritus scheint keine Bedeutung erlangt zu
haben.
Kürbiskerne (Kürbissamen, lat. Semen Cucurbitae,
frz. Semences de citrouille, engl. Gourds
seeds) enthalten 30—4o°/o eines fetten Öles (Kürbis
kernöl), das zu den langsam trocknenden
Ölen gehört, bei — 15° erstarrt und in frischem
Zustande als Speiseöl benutzt wird. Die gemahlenen
Kerne finden als Bandwurmmittel Anwendung,
büßen aber bei der Aufbewahrung ihre
Wirksamkeit ein.
Kumarin (lat. Cumarinum, frz. Coumarine,
engl. Cumarin) ist der Stoff, welcher dem Waldmeister,
den Tonkabohnen, dem Steinklee
den angenehmen Geruch erteilt. Zu seiner Gewinnung
extrahiert man am besten die Tonkabohnen,
auf deren Oberfläche er sich sehr häufig
auskristallisiert findet, mit Alkohol, stellt es
neuerdings aber auch künstlich dar durch
Einwirkung von Essigsäureanhydrid auf Salizylaldehydnatrium,
Eingießen in Wasser und Destillation
des abgeschiedenen Öles. Das IC, C 9 H 6 0 2 ,
bildet angenehm riechende, farblose Kristallnadeln,
welche bei 67° schmelzen und bei 291 0
sieden. Es wird mit Vanillin zusammen zu
Cremes und Pralinen verwendet, ferner in alkoholischer
Lösung zur Verstärkung des Geruches
des Weichselholzes und als Parfüm für Toilettenseifen
angewandt.
Kumaronharz nennt man harzartige Stoffe,
die bei der Wäsche des Schwerbenzols mit
Schwefelsäure entstehen, ursprünglich als lästige
Schmiere (bis 1906) einfach verfeuert, dann zur
Herstellung von Feueranzündern benutzt wurden
und später im Kriege eine ungeheure Bedeutung
als Harzersatz gewonnen haben. In
chemischer Hinsicht sind sie Mischungen von
Kondensationsverbindungen des Indens (C 18 H 16 )
u nd des Kumarons (CjeHijOj), zwei im Steinfcohlenteer
enthaltenen Flüssigkeiten vom Siedepunkt
181 0 und dem spez. Gew. 1,008, enthalten
weder Säuren noch verseifbare Stoffe und nehmen
in dünner Schicht Sauerstoff aus der Luft auf
(verharzen). K. kommen sowohl in öligem bis
teerartigem Zustande als Firnisersatz, wie in fester
Form für Lack und Sikkativ in den Handel. Die
letzteren werden nach dem Erweichungspunkt in
springhart (über 50 °), hart (40—50 °), mittelhart
(30—40 0 ), weich (unter 30 0 ) unterschieden. Obwohl
die K. die Eigenschaften der Naturharze
nur in beschränktem Umfange zeigen und insbesondere
über den Erweichungspunkt von 65°
(Kolophon ioo°) nicht hinauskommen, haben sie
doch zum Leimen von Papier sowie gemischt
mit trocknenden Ölen in der Lackindustrie wertvolle
Dienste geleistet. Die Höhe der Erzeugung
soll 600000 t im Jahre betragen.
Kumidinrot (Kumidinponceau, Ponceau
3 R), ein zur Grupps der Azofarben gehöriger
Teerfarbstoff, ein dunkelrotes, in Wasser mit
kirschroter Farbe lösliches Pulver, welches Wolle
in saurem Bade rot färbt und aus dem Natrpnsalze
der Kumidinazobetanaphtoldisulfosäure besteht.
Ponceau 4 R unterscheidet sich von dieser
Farbe nur dadurch, daß zur Herstellung anstatt
des gewöhnlichen rohen chemisch reines kristallinisches
Kumidin verwandt wird.
Kumys (Kumis, Milchwein) ist ein alkoholhaltiges
Getränk, welches aus gegorener Stutenmilch
besteht und ursprünglich in der Tartarei,
später im südlichen Rußland dargestellt wurde.
Jetzt bereitet man es auch in Deutschland aus
Kuhmilch und verwendet es medizinisch. Siehe
Kefir.
Kundaöl (Croupee-Öl, nicht zu verwechseln
mit Kraböl und Karapaöl, s. d.) ist ein aus den
Samen der Carapa Touloncouma durch Auskochen
mit Wasser bereitetes Pflanzenfett, das
von Sierra Leone und Assim in den Handel
kommt.
Kunstspeisefett nennt man alle dem Schweineschmalz
ähnlichen Zubereitungen, deren Fett
gehalt nicht ausschließlich aus Schweineschmalz
besteht, also Mischungen von tierischen Fetten
mit Baumwollsamenöl, Kokosfett u. dgl., aber
auch tierische Fette, vor allem solche, die durch
besondere Verfahren streichfähig gemacht worden
sind. Sie unterliegen den Vorschriften des Margarineges.etzes
und dürfen nur unter der deutlichen
Bezeichnung Kunstspeisefett in den Verkehr
gebracht werden. Beimischungen von Wasser,
Mehl und wertlosen Stoffen haben als Verfälschung
zu gelten.
Kunstwolle (frz.Laine artificielle, engl.Shoddy
and Mungo) wird aus den früher als beinahe
wertlos erachteten Lumpen hergestellt und in
besonderen Fabriken verarbeitet. Man unterscheidet
hauptsächlich zwei Sorten von Lumpenwolle,
Mungo und Shoddy. Die erstere stammt
von gewalkten Wollstoffen, Tuchen u. dgl. und
ist kurzhaarig, weil das Zerfasern dieser Stoffe
eine gewaltsame Bearbeitung erfordert. Zu der
anderen dienen gestrickte, gewirkte und gehäkelte
Lumpehzeuge, die sich leichter lösen und einen
längeren Faserstoff ergeben. Die Vorarbeit besteht
in einem gründlichen Auslesen unter Entfernung
aller nicht wollenen Teile. Danach folgt
bei baumwollehaltigea Geweben eine Behandlung
mit heißen Salzsäuredämpfen in geschlossenen
l