Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Mineralwässer

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Mispeln

gekennzeichnet  werden.  Jede  andere  Veränderung ­
  stempelt  das  Wasser  zum  künstlichen  Mineralwasser. ­
  —  Die  meisten  Mineralwässer,  abgesehen ­
  von  den  heißen,  werden  in  wohlverschlossenen ­
  steinernen  oder  gläsernen  Flaschen
in  den  Handel  gebracht.  Die  Füllung  unmittelbar ­
  aus  den  Quellen  erfordert  große  Aufmerksamkeit ­
  und  Sorgfalt,  damit  von  den  Gasen
möglichst  wenig  verloren  geht  und  Staub  und
andere  Verunreinigungen,  durch  welche  der  Flascheninhalt ­
  in  der  Regel  bald  verdirbt,  ferngehalten ­
  werden.  Besonders  die  Eisenwässer
sind  sehr  empfindlich  und  sondern  unter  dem
Einflüsse  der  Luft  meist  einen  schlammförmigen
Bodensatz  von  braunem  Eisenoxyd  ab.  Sie  werden ­
  daher  vor  der  Einwirkung  des  Sauerstoffs
dadurch  geschützt,  daß  man  die  Flaschen  vollständig ­
  bis  unter  den  Kork  füllt.  Da  auch  so
ein  Verderben  der  M.  nicht  gänzlich  ausgeschlossen ­
  ist,  so  erhält  jeder  Stöpsel  auf  der
Unterseite  ein  Zeichen  eingebrannt,  an  welchem
die  liefernde  Firma  das  Alter  der  Füllung  erkennen ­
  kann.  —  Die  Nachbildung  der  natürlichen ­
  M.  auf  Grund  einer  sorgfältigen  chemischen ­
  Analyse  bietet  nicht  die  geringste  Schwierigkeit, ­
  und  es  liegt  auf  der  Hand,  daß  ein
künstliches  M.,  das  einem  natürlichen  chemisch ­
  analog  ist,  auch  die  gleiche  therapeutische
Wirkung  äusüben  muß.  Das  Märchen  von  dem
Brunnen  ge  iste,  der  die  geheimnisvolle  Wirkung ­
  der  natürlichen  Quellen  erklären  sollte,  ist
endgültig  äufgegeben  worden,  doch  scheint  es
neuerdings  in  Form  der  Radioaktivität  wieder
aufzutauchen.  Als  künstliche  M.  bezeichnet
man  in  erster  Linie  möglichst  getreue  Nachbildungen ­
  natürlicher  Heilquellen,  wie  sie  zuerst
Dr.  Struve  in  Dresden  herstellte.  Sie  müssen
also  sämtliche  Stoffe  des  Naturproduktes  enthalten: ­
  das  Selterswasser  neben  der  Kohlensäure, ­
  dem  Kochsalz  und  kohlensauren  Natron
noch  kleine  Mengen  von  Kaliumsulfat,  Chlorkalium, ­
  Kalziumkarbonat,  Strontian,  Baryt,  Lithion,
  Magnesia,  Eisen  und  Kieselsäure;  die  abführenden ­
  Wässer  Glaubersalz  oder  Bittersalz
und  Chlormagnesium,  andere  wieder  Brom,  Jod,
Zaesium,  Rubidium,  Mangan  und  Arsen.  Daneben ­
  gibt  es  aber  auch  künstliche  M.,  die
nur  die  wichtigsten  Bestandteile  der  natürlichen
Vorbilder  enthalten,  und  endlich  die  reinen
kohlensauren  Wässer,  die  hauptsächlich  als  Erfrischungsmittel ­
  getrunken  werden.  Zwischen
den  letzten  beiden  Gruppen  finden  sich  zahlreiche ­
  Übergangsglieder,  die,  wie  besonders  das
künstliche  Selterswasser,  sowohl  zu  Heilzwecken
wie  zur  Stillung  des  Durstes  dienen.  Die  Herstellung ­
  künstlicher  M.  hat  zurzeit  großen  Umfang ­
  angenommen  und  besteht  im  Grunde  meist
einfach  darin,  daß  man  Wasser  mit  Kohlensäure
unter  Druck  sättigt.  Die  Kohlensäure  (s.  d.),  die
in  flüssiger  Form  von  den  Fabriken  gebrauchsfertig ­
  geliefert  wird,  kommt  in  dem  Mischkessel
oder  neuerdings  in  besonderen  Rieselapparaten
mit  dem  Wasser  zusammen.  Das  letztere  nimmt
die  Kohlensäure  auf  und  wird  sofort  auf  Flaschen ­
  gefüllt.  Zur  Vermeidung  von  Gesundheitsschädigungen ­
  sind  an  die  Mischapparate  und  an
das  Wasser  verschiedene  Anforderungen  zu  stellen.
Die  Apparate  insbesondere  müssen  den  Vorschriften ­
  des  Gesetzes  vom  25.  Juni  1887  entsprechen. ­

  Sie  dürfen  nicht  mit  einer  mehr  als
10  °/o  Blei  enthaltenden  Legierung  gelötet  oder
mit  einer  mehr  als  1  °/o  Blei  enthaltenden  Legierung ­
  .verzinnt  sein.  Kupfergefäße  müssen  gut
verzinnt  werden.  Das  Wasser  soll  am  besten
destilliertes,  zum  mindesten  aber  ein  reines  gutes
Trinkwasser  sein.
Mirabellen  sind  rötlichbraune  oder  rein  gelbe
runde  Pflaumen  von  sehr  gutem  Geschmack
und  feinem  Aroma,  die  in  Frankreich  und  den
Rheingegenden  gezogen  und  nicht  nur  frisch,
sondern  auch  getrocknet  sowie  mit  Zucker  eingemacht ­
  in  den  Handel  gebracht  werden.
Mirbanöl  (lat.  Oleum  mirbani,  frz.  Essence
de  mirban,  engl.  Oil  of  mirbane),  eine  stark
nach  bitteren  Mandeln  riechende  Flüssigkeit,
wird  vielfach  noch  als  künstliches  Bittermandelöl ­
  bezeichnet.  Diese  Bezeichnung  ist
aber  falsch,  weil  das  echte  Bittermandelöl,  das
ebenfalls  synthetisch  dargestellt  werden  kann,
aus  Benzaldehyd  besteht,  während  M.  als  Nitrobenzol ­
  anzusprechen  ist.  Es  wird  in  der  Weise
dargestellt,  daß  man  Benzol  in  einem  dünnen
Strahle  in  rote  rauchende  Salpetersäure  oder
beim  fabrikmäßigen  Betrieb  in  ein  Gemisch
von  konzentrierter  Salpetersäure  und  Schwefelsäure ­
  einfließen  läßt  und  die  Flüssigkeit  unter
gleichzeitiger  Abkühlung  umrührt.  Im  ersteren
Falle  verdünnt  man  mit  Wasser,  worauf  das
Nitrobenzol  zu  Boden  sinkt;  im  letzteren  Falle
schwimmt  es  auf  der  Schwefelsäure,  wird  von
letzterer  getrennt  und  durch  Waschen  mit  verdünnter ­
  Sodalösung  oder  verdünntem  Ammoniak ­
  und  durch  Behandlung  mit  Wasserdampf
gereinigt.  Das  reine  Nitrobenzol,  auch  Nitrobenzin
  oder  Nitrobenzid  genannt,  C e H s .N0 2 ,
bildet  eine  farblose,  stark  lichtbrechende  Flüssigkeit ­
  vom  spez.  Gew.  1,209,  die  sich  leicht  in
Alkohol,  Äther  und  Benzol,  nicht  aber  in  Wasser
löst,  bei  205°  siedet  und  giftig  ist.  Es  findet
in  der  Parfümerie  an  Stelle  des  Bittermandelöls,
ferner  zur  Darstellung  von  Anilin  und  Anilinfarben ­
  sowie  zahlreicher  organischer  Präparate
ausgedehnte  Anwendung.  Zum  Parfümieren  gewöhnlicher ­
  Seifen  sowie  für  die  Zwecke  der
Teerfarbenfabrikation  geht  man  meist  nicht  vom
reinen,  sondern  von  einem  toluolhaltigen  Benzol
aus  und  erhält  dann  ein  Gemisch  von  Nitrobenzol ­
  und  Nitrotoluol,  das  sich  durch  seinen
Siedepunkt  von  200—240 0  und  sein  spez.  Gew.
von  1,180  von  dem  reinen  M.'  unterscheidet.
Für  die  Darstellung  des  gewöhnlichen  Anilinrots
  oder  Fuchsins  ist  der  Toluolgehalt  sogar
unbedingt  notwendig.  —  Verfälschungen  des
M.  mit  Alkohol  erkennt  man  durch  Schütteln
mit  Wasser  und  Untersuchung  der  wäßrigen
Lösung  mit  Schwefelsäure  und  Kaliumdichromat. ­
  —  Der  Nachweis  des  Nitrobenzols  selbst,
besonders  in  Nahrungsmitteln  (Marzipan),  denen
es  seiner  Giftigkeit  wegen  selbstredend  nicht
zugesetzt  werden  darf,  gelingt  durch  Überführung ­
  in  Anilin  mit  Eisen  und  Schwefelsäure  und
Ausschüttelung  mit  Äther.  Das  beim  Eindunsten
hinterbleibende  Anilin  gibt  mit  Chlorkalk  eine
purpurviolette  Färbung.  M.  wird  in  Blechflaschen ­
  oder  Glasballonen  verschickt  und  muß
vor  Licht  geschützt  aufbewahrt  werden.
Mispeln  (Aschpein),  die  Scheinfrüchte
des  gemeinen  oder  deutschen  Mispelstrauches
            
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