Mineralwässer
280
Mispeln
gekennzeichnet werden. Jede andere Veränderung
stempelt das Wasser zum künstlichen Mineralwasser.
— Die meisten Mineralwässer, abgesehen
von den heißen, werden in wohlverschlossenen
steinernen oder gläsernen Flaschen
in den Handel gebracht. Die Füllung unmittelbar
aus den Quellen erfordert große Aufmerksamkeit
und Sorgfalt, damit von den Gasen
möglichst wenig verloren geht und Staub und
andere Verunreinigungen, durch welche der Flascheninhalt
in der Regel bald verdirbt, ferngehalten
werden. Besonders die Eisenwässer
sind sehr empfindlich und sondern unter dem
Einflüsse der Luft meist einen schlammförmigen
Bodensatz von braunem Eisenoxyd ab. Sie werden
daher vor der Einwirkung des Sauerstoffs
dadurch geschützt, daß man die Flaschen vollständig
bis unter den Kork füllt. Da auch so
ein Verderben der M. nicht gänzlich ausgeschlossen
ist, so erhält jeder Stöpsel auf der
Unterseite ein Zeichen eingebrannt, an welchem
die liefernde Firma das Alter der Füllung erkennen
kann. — Die Nachbildung der natürlichen
M. auf Grund einer sorgfältigen chemischen
Analyse bietet nicht die geringste Schwierigkeit,
und es liegt auf der Hand, daß ein
künstliches M., das einem natürlichen chemisch
analog ist, auch die gleiche therapeutische
Wirkung äusüben muß. Das Märchen von dem
Brunnen ge iste, der die geheimnisvolle Wirkung
der natürlichen Quellen erklären sollte, ist
endgültig äufgegeben worden, doch scheint es
neuerdings in Form der Radioaktivität wieder
aufzutauchen. Als künstliche M. bezeichnet
man in erster Linie möglichst getreue Nachbildungen
natürlicher Heilquellen, wie sie zuerst
Dr. Struve in Dresden herstellte. Sie müssen
also sämtliche Stoffe des Naturproduktes enthalten:
das Selterswasser neben der Kohlensäure,
dem Kochsalz und kohlensauren Natron
noch kleine Mengen von Kaliumsulfat, Chlorkalium,
Kalziumkarbonat, Strontian, Baryt, Lithion,
Magnesia, Eisen und Kieselsäure; die abführenden
Wässer Glaubersalz oder Bittersalz
und Chlormagnesium, andere wieder Brom, Jod,
Zaesium, Rubidium, Mangan und Arsen. Daneben
gibt es aber auch künstliche M., die
nur die wichtigsten Bestandteile der natürlichen
Vorbilder enthalten, und endlich die reinen
kohlensauren Wässer, die hauptsächlich als Erfrischungsmittel
getrunken werden. Zwischen
den letzten beiden Gruppen finden sich zahlreiche
Übergangsglieder, die, wie besonders das
künstliche Selterswasser, sowohl zu Heilzwecken
wie zur Stillung des Durstes dienen. Die Herstellung
künstlicher M. hat zurzeit großen Umfang
angenommen und besteht im Grunde meist
einfach darin, daß man Wasser mit Kohlensäure
unter Druck sättigt. Die Kohlensäure (s. d.), die
in flüssiger Form von den Fabriken gebrauchsfertig
geliefert wird, kommt in dem Mischkessel
oder neuerdings in besonderen Rieselapparaten
mit dem Wasser zusammen. Das letztere nimmt
die Kohlensäure auf und wird sofort auf Flaschen
gefüllt. Zur Vermeidung von Gesundheitsschädigungen
sind an die Mischapparate und an
das Wasser verschiedene Anforderungen zu stellen.
Die Apparate insbesondere müssen den Vorschriften
des Gesetzes vom 25. Juni 1887 entsprechen.
Sie dürfen nicht mit einer mehr als
10 °/o Blei enthaltenden Legierung gelötet oder
mit einer mehr als 1 °/o Blei enthaltenden Legierung
.verzinnt sein. Kupfergefäße müssen gut
verzinnt werden. Das Wasser soll am besten
destilliertes, zum mindesten aber ein reines gutes
Trinkwasser sein.
Mirabellen sind rötlichbraune oder rein gelbe
runde Pflaumen von sehr gutem Geschmack
und feinem Aroma, die in Frankreich und den
Rheingegenden gezogen und nicht nur frisch,
sondern auch getrocknet sowie mit Zucker eingemacht
in den Handel gebracht werden.
Mirbanöl (lat. Oleum mirbani, frz. Essence
de mirban, engl. Oil of mirbane), eine stark
nach bitteren Mandeln riechende Flüssigkeit,
wird vielfach noch als künstliches Bittermandelöl
bezeichnet. Diese Bezeichnung ist
aber falsch, weil das echte Bittermandelöl, das
ebenfalls synthetisch dargestellt werden kann,
aus Benzaldehyd besteht, während M. als Nitrobenzol
anzusprechen ist. Es wird in der Weise
dargestellt, daß man Benzol in einem dünnen
Strahle in rote rauchende Salpetersäure oder
beim fabrikmäßigen Betrieb in ein Gemisch
von konzentrierter Salpetersäure und Schwefelsäure
einfließen läßt und die Flüssigkeit unter
gleichzeitiger Abkühlung umrührt. Im ersteren
Falle verdünnt man mit Wasser, worauf das
Nitrobenzol zu Boden sinkt; im letzteren Falle
schwimmt es auf der Schwefelsäure, wird von
letzterer getrennt und durch Waschen mit verdünnter
Sodalösung oder verdünntem Ammoniak
und durch Behandlung mit Wasserdampf
gereinigt. Das reine Nitrobenzol, auch Nitrobenzin
oder Nitrobenzid genannt, C e H s .N0 2 ,
bildet eine farblose, stark lichtbrechende Flüssigkeit
vom spez. Gew. 1,209, die sich leicht in
Alkohol, Äther und Benzol, nicht aber in Wasser
löst, bei 205° siedet und giftig ist. Es findet
in der Parfümerie an Stelle des Bittermandelöls,
ferner zur Darstellung von Anilin und Anilinfarben
sowie zahlreicher organischer Präparate
ausgedehnte Anwendung. Zum Parfümieren gewöhnlicher
Seifen sowie für die Zwecke der
Teerfarbenfabrikation geht man meist nicht vom
reinen, sondern von einem toluolhaltigen Benzol
aus und erhält dann ein Gemisch von Nitrobenzol
und Nitrotoluol, das sich durch seinen
Siedepunkt von 200—240 0 und sein spez. Gew.
von 1,180 von dem reinen M.' unterscheidet.
Für die Darstellung des gewöhnlichen Anilinrots
oder Fuchsins ist der Toluolgehalt sogar
unbedingt notwendig. — Verfälschungen des
M. mit Alkohol erkennt man durch Schütteln
mit Wasser und Untersuchung der wäßrigen
Lösung mit Schwefelsäure und Kaliumdichromat.
— Der Nachweis des Nitrobenzols selbst,
besonders in Nahrungsmitteln (Marzipan), denen
es seiner Giftigkeit wegen selbstredend nicht
zugesetzt werden darf, gelingt durch Überführung
in Anilin mit Eisen und Schwefelsäure und
Ausschüttelung mit Äther. Das beim Eindunsten
hinterbleibende Anilin gibt mit Chlorkalk eine
purpurviolette Färbung. M. wird in Blechflaschen
oder Glasballonen verschickt und muß
vor Licht geschützt aufbewahrt werden.
Mispeln (Aschpein), die Scheinfrüchte
des gemeinen oder deutschen Mispelstrauches