Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Mistel

281

Mohair

(Espelbaum,  Hespelstrauch,  Mispeltute,  Mespilus
  germanica  L.),  eine  selten  angebaute
Obstart,  die  erst  im  teigigen  Zustand  (nach  Frost
oder  durch  Lagern  auf  Stroh)  ihren  eigenartigen
Geschmack  entwickeln,  werden  frisch,  gekocht
und  eingemacht  genossen  und  auch  zu  Branntwein ­
  und  Most  verarbeitet.  Auch  liefert  der
Baum  ein  geschätztes  Nutzholz.  Man  baut  mehrere ­
  Sorten:  deutsche,  halbwilde  mit  kleinen
Früchten,  großfrüchtige  italienische  und  holländische ­
  frühzeitige,  ferner  Birnmispeln,  großblütige
  M.  und  M.  ohne  Steine.  Als  welsche
Mispeln  (Lazzeroli,  Azaroli)  werden  die
ähnlichen  Früchte  des  Azarol-Weißdorns  Mespilus
  Azarolus  in  den  Handel  gebracht.
Mistel  ist  die  volkstümliche  Bezeichnung  zweier
schmarotzender  Loranthazeen,  nämlich  Loranthus
  europaeus  oder  Viscum  quercinum
(Eichen-  oder  Riemenmistel)  und  Viscum
album  (Leimmistel,  frz.  Gui,  engl.  Mistletoe),
die  gabelästige  Zweige  und  immergrüne  ledrige
Blätter  besitzen.  Die  Zweige  der  Riemenmistel
(Stipites  visci)  wurden  früher  gegen  Epilepsie
angewandt,  sind  aber  jetzt  außer  Gebrauch.  Dafür
hat  die  Verwendung  der  Leimmistel  neuerdings  sehr
an  Bedeutung  gewonnen,  indem  man  aus  ihrer
Rinde  und  den  weißen  Beeren,  durch  Auskochen
mit  Wasser  einen  Vogel-  oder  Fliegenleim  herstellt,
  der  früher  ausschließlich  von  Japan  aus
eingeführt  wurde.  Dieser  Leim  enthält  als  wirksamen ­
  Bestandteil  das  kautschukähnliche  Viszin
  und  ist  so  zähe,  daß  er  nur  im  Gemisch  mit
Öl  und  Harz  zur  Füllung  von  Fliegenfängern
benutzt  werden  kann.  —  Eine  aus  Viszin  mit,
Ölen,  Harzen  und  Wachs  hergestellte  Salbengrundlage ­
  wurde  unter  dem  Namen  Viscolan
in  den  Handel  gebracht.
Mitin,  eine  aus  Wollfett  und  Milch  hergestellte
Emulsion  mit  einem  Feuchtigkeitsgehalte  von
etwa  50  %,  findet  neuerdings  zur  Herstellung
von  medizinischen  und  kosmetischen  Salben
Anwendung.
Mitisgrün  (Wienergrün,  Neugrün),  eine
schöne  grüne  Farbe  für  öl-  und  Wassermalerei,
>st  wie  das  gleichartig  zusammengesetzte  Schweinfurtergrün
  arsenik-  und  kupferhaltig  und  daher
stark  giftig.
Mixed  Pickles  (auch  bloß  Pickles)  nennt
tcan  ein  als  scharfe  Zuspeise  benutztes  Gemenge
•tus  verschiedenen  Früchten  und  Gemüseteilen,
me  mit  spanischem  Pfeffer  und  anderen  Gew
 ürzen  in  starken  Essig  eingelegt  sind.  Als  Zutaten ­
  dienen  besonders  kleine  Gurken  und  Zwiebeln, ­
  grüne  Bohnen,  junge  Maiskolben,  Blumen-"°hl,u.
  dgl.  Zur  Erlangung  einer  intensiv  grünen
Earbe  werden  sie  meist  mit  .Kupfersalzen  geerbt, ­
  die  nach  dem  Farbengesetz  vom  5.  Juli
•887  zwar  verboten  sind,  in  geringer  Menge
aber  geduldet  werden.
Möhren  (Mohrrüben),  dieWurzeln  vonDau-Cu
 s  carota,  einer  zu  den  Doldengewächsen
gehörenden  Pflanze;  werden  in  folgende  Sorten
unterschieden:  Gemeine  M.  oder  Karotte
)Esels-,  Garten-,  Gelbmöhre,  gelbe  Rübe,  Mörle,
Maure,  Müre,  Mürfen,  Vogelnest,  frz.  Carotte
commune,  engl.  Common  carrot);  weiße,  grün-Kopfige
  bis  4  kg  schwere  Riesenmöhren;
laßgelbe,  bes.  flandrische  M.;  lange  rote
rote  lange  grünköpfige  (Altringham,

Saalfelder,  Frankfurter,  Braunschweiger)  M.  und
französische  (holländische,  Hornsche,  Duwicker)
  Treibkarotte.  Die  Aussaat  erfolgt  frühzeitig ­
  in  gutes  Ackerfeld,  Gartenland  oder  Treibbeete, ­
  und  zwar  rechnet  man  für  den  Hektar
S—7  kg  Saatgut,  das  in  1  kg  etwa  250000  Samen
enthält.  Hauptsaatzuchtgut  wird  in  Erfurt,  Quedlinburg, ­
  Braunschweig,  Wolfenbüttel,  Prag  und
Frankreich  mit  einem  Ertrage  von  1  kg  Samen
aus  too  kg  Samenwurzeln  erzeugt.  Als  frisches
Gemüse  benutzt  man  die  jungen,  dünnen  und
zarten  M.,  zur  Überwinterung  gut  ausgewachsene,
dicke  und  lange  Wurzeln,  die  im  Keller  in  Spitzhaufen ­
  aufgeschichtet  oder  in  Sand  gebettet
werden.  Die  M.  dienen  außer  zur  menschlichen
Ernährung  noch  zur  Fütterung  (besonders  für
Pferde),  zur  Bereitung  von  Möhrensaft,  Möhrenessig, ­
  Möhrenbranntwein,  Kaffee-Ersatz  (Möhrenkaffee), ­
  Bonbons  und  Kuchen  sowie  zum
Färben  der  Butter.  Sie  enthalten  bis  2  °/o  Zucker,
ferner  Karotin  und  Cholesterin.
Möhrenöl.  Sowohl  die  Samen  als  auch  die
Wurzeln  der  Möhre  liefern  bei  der  Wasserdampfdestillation ­
  ein  ätherisches  öl.  Das  Möhrensamenöl,
  richtiger  Möhrenfruchtöl,  das  in  Menge
von  0,8—i,6°/o  in  den  Früchten  enthalten  ist,  hat
eine  rein  wasserhelle  bis  gelbe  Farbe,  eine  Linksdrehung ­
  von  —11  bis  —37 0  und  ein  spez.  Gew.
von  0,870—0,944  bei  15 0 .  In  absolutem  Alkohol.
Äther  und  Benzol  ist  es  leicht  löslich.  Die  schwach
saure  Reaktion  beruht  auf  der  Gegenwart  von
freier  Palmitin-  und  Isobuttersäure.  Der  Gehalt
an  Estern  betrug  bei  einem  Öl  7—9%.  Als
Terpene  wurden  d-Pinen  und  1-Limonen  nachgewiesen. ­
  Durch  Fraktionieren  im  luftverdünnten ­
  Raum  konnte  aus  den  höhersiedenden  Anteilen ­
  ein  bisher  unbekannter  Körper  Daucol,
C 15 H 26 0 2 ,  abgeschieden  werden.  Das  ätherische
Öl  der  Wurzel  hat  den  angenehmen  eigenartigen
Geruch  der  Möhre  und  das  spez.  Gew.  0,886.
Verwandt  wird  M.  als  Speisezusatz  und  in  der
Likörfabrikation.
Mönchsrhabarber  (Pseudorhabarber,  lat.
Radix  rhei  monachorum,  frz.  Racine  de  patience,
engl.  Rumex  root),  die  dunkelbraune  widerlich
riechende  Wurzel  des  Alpenampfers,  Rumex
alpinus,  wurde  früher  in  Gebirgsgegenden  für
den  Handel  angebaut  und  in  der  Tierheilkunde
angewandt,  ist  aber  jetzt  ganz  außer  Gebrauch
gekommen.
Mogdadkaffee  nennt  man  ,  die  Samen  einer
akazienartigen  Pflanze,  Cassia  occidentalis,
  die  auf  Hawai  (Sandwiohinseln),  Tahiti,  den
Samoainseln  und  in  dem  südlichen  Teil  der  Vereinigten ­
  Staaten  wild  wächst  und  auf  Tongataba
angebaut  wird.  Die  kleinen  Samen,  die  sehr
hart  sind  und  eine  grünlichgraue  Farbe  zeigen,
wirken  roh  abführend,  werden  aber  von  den  Eingeborenen ­
  als  Kaffee-Ersatz  benutzt,  trotzdem
sie  kein  Koffein  enthalten;  Sie  heißen  in  Indien
Kasondi,  in  Bombay  speziell  Kibal,  in  Martinique ­
  Negrokaffee,  am  Senegal  Benta  Mar6,
in  Angola  Fedegoza,  in  Brasilien  Gaja  Marioba,
  in  Birma  Kalan,
Mohair  ist  die  englische  Bezeichnung  für
Angorawolle,  aber  auch  die  ganz  oder
teilweise  aus  Angorawolle  gewebten  Stoffe  führen ­
  häufig  den  Namen  Mohairs,  obschon  ein
wesentlicher  Unterschied  zwischen  ihnen  und
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.