Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Quecksilberchlorid

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Quecksilbernitrat

Stoff  wieder  ab  und  kehrt  in  den  metallischen
Zustand  zurück.  Mit  fast  allen  Metallen  außer
Eisen  liefert  das  Q.  Legierungen,  Amalgame
(s.  d.).  —  Das  reine  Q.  findet  ausgedehnte  Anwendung ­
  zur  Füllung  von  Thermometern  und
Barometern,  Quecksilberluftpumpen  und  zahlreichen ­
  anderen  physikalischen  Instrumenten.  In
größtem  Maßstabe  dient  es  zum  Extrahieren
von  Gold  und  Silber  aus  Erzen,  zur  Herstellung
von  Quecksilbersalbe  und  anderen  pharmazeutischen ­
  Zubereitungen,  von  künstlichem  Zinnober
und  in  Form  von  Amalgam  zur  Herstellung  von
Spiegeln.
Quecksilberchlorid  (Merkurichlorid,  Sublimat, ­
  lat.  Hydrargyrum  bichloratum,  frz.
Sublime  corrosif,  engl.  Corrosive  Sublimate)  entsteht ­
  beim  Auflösen  von  Quecksilber  in  Königs-,
wasser  oder  von  Quecksilberoxyd  in  Salzsäure
und  wird  im  großen  durch  Sublimation  einer
Mischung  von  Merkurisulfat  und  Kochsalz  hergestellt.
  Es  bildet  geruchlose  weiße  Kristalle
oder  Pulver  von  scharfem  Metallgeschmack  und
ätzenden,  stark  giftigen  Eigenschaften.  Entsprechend ­
  der  Formel  HgCl 2  sind  in  100  Teilen
73,8  Teile  Quecksilber  und  16,2  Teile  Chlor  enthalten. ­
  Das  Q.  schmilzt  bei  265  und  siedet  bei
297  °.  Es  löst  sich  in  15  Teilen  Wasser  mittlerer
Temperatur,  in  3  Teilen  siedendem  Wasser,  3  Teilen ­
  Alkohol,  4  Teilen  Äther  und  in  15  Teilen  Glyzerin. ­
  Auf  der  Eigenschaft,  mit  Eiweißkörpern
unlösliche  Verbindungen  zu  bilden,  beruht  die
ätzende  Einwirkung  auf  die  Haut,  aber  auch  die
Verwendung  von  Eiweiß  als  Gegenmittel  bei
Sublimatvergiftungen.  —  Q.  findet  ausgedehnte
medizinische  Anwendung  als  Ätzmittel  bei  Syphilis ­
  und  als  Antiseptikum  in  der  Wundbehandlung.
Innerlich  wird  es  in  kleinen  Gaben  gegen  Geschlechtskrankheiten ­
  und  Typhus  verordnet.  Die
Technik  benutzt  es  als  Beize  in  der  Kattundruckerei, ­
  zum  Ätzen  von  Stahl,  zum  Konservieren ­
  naturwissenschaftlicher  Sammlungen,  zur
Darstellung  von  Anilinrot,  als  Desinfektionsmittel
und  zum  Imprägnieren  von  Holz  (Eisenbahnschwellen) ­
  .  —  Auf  Zusatz  von  Ammoniak  scheidet
sich  aus  wäßriger  Sublimatlösung  ein  weißer
Niederschlag  von  Quecksilberammoniumchlorid, ­
  HgNH 2 CI,  aus,  welcher  in  der  Pharmazie ­
  als  weißerPräcipitat  (lat.Hydrargyrum
Praecipitatum  album,  Mercurius  praecipitatus  albus, ­
  frz.  Chloramidure  mercurique,  Precipite
blanc,  engl.  White  precipitate)  bezeichnet  wird.
Das  geruch-  und  geschmacklose,  schneeweiße,
kreideähnliche  Pulver  ist  in  Wasser  und  Alkohol
unlöslich,  aber  stark  giftig  und  wird  nur  äußerlich ­
  angewandt.
Quecksilberchlorür  (Merkurochlorid,  Kalomel,
  lat.  Hydrargyrum  chloratum  mite,  Mercurius ­
  dulcis,  Aquila  alba,  frz.  Chlorure  mercureux,
  engl.  Mild  chloride  of  mercury),  die
zweite  Verbindung  des  Quecksilbers  mit  Chlor,
HgCl,  enthält  42,5  0/0  Quecksilber  und  S7.5  %
Chlor.  Je  nach  der  Darstellung  unterscheidet
tPan  drei  verschiedene  Sorten:  1.  Kalomel  oder
Hydr  argyrum  chloratum  (mite)  schlechthin
entstehend  bei  der  Sublimation  von  4  Teilen
Quecksilberchlorid  mit  3  Teilen  Quecksilber  in
Dorm  schwerer  kristallinischer  Stücke,  die  zum
Unterschiede  von  Sublimat  mit  dem  Fingernagel
einen  gelben  Strich  geben.  Durch  Behandlung

in  Kollergängen  und  nachfolgendes  Abschlämmen
mit  Wasser  wird  K.  in  ein  feines,  gelblichweißes
Pulver,  den  lävigierten  Kalomel,  verwandelt.  —
2.  Kalomel  vapore  paratum  erhält  man,  wenn
Dämpfe  von  Kalomel  mit  Wasserdampf  Zusammentreffen, ­
  als  völlig  weißes,  zwischen  den  Fingern
nicht  zusammenbackendes  Pulver.  —  3.  Kalomel ­
  via  humida  paratum  endlich  wird  dargestellt, ­
  indem  man  in  eine  warme  Lösung  von
Sublimat  schweflige  Säure  einleitet  oder  Quecksilbernitratlösung ­
  mit  Kochsalz  fällt.  Kalomel
wird  durch  Wasser  und  Alkohol  nicht  gelöst,
wohl  aber  in  der  Siedehitze  unter  Abscheidung
von  Quecksilber  zerlegt.  Ebenso  zersetzt  es  sich
am  Licht  und  muß  daher  im  Dunkeln  aufbewahrt
werden.  K.  findet  in  der  Medizin  als  mildes  Abführmittel, ­
  selbst  bei  Kindern,  Anwendung.  Äußerlich ­
  dient  es  zum  Ätzen  syphilitischer  Geschwüre,
zum  Einstäuben  in  das  Auge  bei  Hornhauttrübungen, ­
  und  in  den  Schlund  bei  Krankheiten  des
Kehlkopfs.  Die  Technik  benutzt  es  zur  Flerstellung
  von  Porzelianfarben  mit  Gold  und  als
Zusatz  zu  bengalischen  Flammen.
Quecksilberfulminat  (knallsaures  Quecksilber, ­
  Knallquecksilber)  scheidet  sich  beim
Vermischen  einer  freie  Salpetersäure  enthaltenden ­
  Quecksilbernitratlösung  mit  Alkohol  in  Form
grauer  Kristallnadeln  von  der  Formel  HgC 2 N 2 Q 2
aus,  die  nach  dem  Umkristallisieren  aus  heißem
Wasser  rein  weiß  erscheinen.  Das  Salz  ist  äußerst
unbeständig,  explodiert  beim  Erhitzen  auf  190 0 ,
sowie  durch  Reibung  oder  Schlag  und  muß
daher  unter  Wasser  aufbewahrt  werden.  Zur
Beförderung  auf  der  Eisenbahn  wird  es  nicht
zugelassen.  Es  dient  an  Stelle  des  analogen,  aber
noch  gefährlicheren  Knallsilbers  zur  Herstellung ­
  von  Zündsätzen.
Quecksilberjodid  (rotes  Jodquecksilber,
Einfachjodquecksilber,  Doppeltjodquecksilber,
  lat.  Hydrargyrum  bijodatum,  frz.  Jodure
  mercurique,  engl.  Mercuric  jodide),  HgJ ?j
entsteht  beim  Zusammenreiben  von  100  Teilen
Quecksilber  mit  127  Teilen  Jod  als  ein  in  Wasser
nur  sehr  wenig,  etwas  leichter  in  Alkohol  lösliches ­
  Pulver  von  lebhaft  roter  Farbe.  Bei  vorsichtigem ­
  Erwärmen  wird  es  gelb,  nimmt  aber
nach  dem  Erkalten  durch  Reiben  seine  rote
Farbe  wieder  an.  Q.  ist  giftig  und  findet  beschränkte ­
  medizinische  Anwendung  gegen  Geschlechtskrankheiten. ­

Quecksilberjodür  (grünes  Jodquecksilber.
Halb  jodquecksilber,  Quecksilbersemijodid.
  lat.  Llydrargyrum  jodatum,  frz.  Jodure  mercureux,
  engl.  Mercurous  jodide)  wird  durch  Verreiben ­
  von  200  Teilen  Quecksilber  mit  127  Teilen
Jod  dargestellt  und  bildet  ein  gelblichgrünes,  in
Wasser  unlösliches  Pulver,  HgJ,  das  Wie  das
Jodid  giftig  ist  und  medizinisch  verwandt  wird.
Beide  Jod  Verbindungen  sind  vor  Licht  geschützt
aufzubewahren.
Quecksilbernitrat  (lat.  Hydrargyrum  nitricum,
frz.  Nitrate  de  mercure,  engl.  Nitrate  of  mercury)
findet  sich  wie  die  übrigen  Salze  in  Form  des
Oxyduls  und  des  Oxyds.  Das  erstere  entsteht  bei
Behandlung  von  überschüssigem  Quecksilber  mit
mäßig  warmer  Salpetersäure,  das  letztere  durch
Lösen  von  Quecksilberoxyd  in  Salpetersäure.
Beide  bilden  farblose  kristallinische  Salze,  die
stark  ätzend  wirken  und  für  äußerliche  Behänd-
            
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