Quecksilberchlorid
355
Quecksilbernitrat
Stoff wieder ab und kehrt in den metallischen
Zustand zurück. Mit fast allen Metallen außer
Eisen liefert das Q. Legierungen, Amalgame
(s. d.). — Das reine Q. findet ausgedehnte Anwendung
zur Füllung von Thermometern und
Barometern, Quecksilberluftpumpen und zahlreichen
anderen physikalischen Instrumenten. In
größtem Maßstabe dient es zum Extrahieren
von Gold und Silber aus Erzen, zur Herstellung
von Quecksilbersalbe und anderen pharmazeutischen
Zubereitungen, von künstlichem Zinnober
und in Form von Amalgam zur Herstellung von
Spiegeln.
Quecksilberchlorid (Merkurichlorid, Sublimat,
lat. Hydrargyrum bichloratum, frz.
Sublime corrosif, engl. Corrosive Sublimate) entsteht
beim Auflösen von Quecksilber in Königs-,
wasser oder von Quecksilberoxyd in Salzsäure
und wird im großen durch Sublimation einer
Mischung von Merkurisulfat und Kochsalz hergestellt.
Es bildet geruchlose weiße Kristalle
oder Pulver von scharfem Metallgeschmack und
ätzenden, stark giftigen Eigenschaften. Entsprechend
der Formel HgCl 2 sind in 100 Teilen
73,8 Teile Quecksilber und 16,2 Teile Chlor enthalten.
Das Q. schmilzt bei 265 und siedet bei
297 °. Es löst sich in 15 Teilen Wasser mittlerer
Temperatur, in 3 Teilen siedendem Wasser, 3 Teilen
Alkohol, 4 Teilen Äther und in 15 Teilen Glyzerin.
Auf der Eigenschaft, mit Eiweißkörpern
unlösliche Verbindungen zu bilden, beruht die
ätzende Einwirkung auf die Haut, aber auch die
Verwendung von Eiweiß als Gegenmittel bei
Sublimatvergiftungen. — Q. findet ausgedehnte
medizinische Anwendung als Ätzmittel bei Syphilis
und als Antiseptikum in der Wundbehandlung.
Innerlich wird es in kleinen Gaben gegen Geschlechtskrankheiten
und Typhus verordnet. Die
Technik benutzt es als Beize in der Kattundruckerei,
zum Ätzen von Stahl, zum Konservieren
naturwissenschaftlicher Sammlungen, zur
Darstellung von Anilinrot, als Desinfektionsmittel
und zum Imprägnieren von Holz (Eisenbahnschwellen)
. — Auf Zusatz von Ammoniak scheidet
sich aus wäßriger Sublimatlösung ein weißer
Niederschlag von Quecksilberammoniumchlorid,
HgNH 2 CI, aus, welcher in der Pharmazie
als weißerPräcipitat (lat.Hydrargyrum
Praecipitatum album, Mercurius praecipitatus albus,
frz. Chloramidure mercurique, Precipite
blanc, engl. White precipitate) bezeichnet wird.
Das geruch- und geschmacklose, schneeweiße,
kreideähnliche Pulver ist in Wasser und Alkohol
unlöslich, aber stark giftig und wird nur äußerlich
angewandt.
Quecksilberchlorür (Merkurochlorid, Kalomel,
lat. Hydrargyrum chloratum mite, Mercurius
dulcis, Aquila alba, frz. Chlorure mercureux,
engl. Mild chloride of mercury), die
zweite Verbindung des Quecksilbers mit Chlor,
HgCl, enthält 42,5 0/0 Quecksilber und S7.5 %
Chlor. Je nach der Darstellung unterscheidet
tPan drei verschiedene Sorten: 1. Kalomel oder
Hydr argyrum chloratum (mite) schlechthin
entstehend bei der Sublimation von 4 Teilen
Quecksilberchlorid mit 3 Teilen Quecksilber in
Dorm schwerer kristallinischer Stücke, die zum
Unterschiede von Sublimat mit dem Fingernagel
einen gelben Strich geben. Durch Behandlung
in Kollergängen und nachfolgendes Abschlämmen
mit Wasser wird K. in ein feines, gelblichweißes
Pulver, den lävigierten Kalomel, verwandelt. —
2. Kalomel vapore paratum erhält man, wenn
Dämpfe von Kalomel mit Wasserdampf Zusammentreffen,
als völlig weißes, zwischen den Fingern
nicht zusammenbackendes Pulver. — 3. Kalomel
via humida paratum endlich wird dargestellt,
indem man in eine warme Lösung von
Sublimat schweflige Säure einleitet oder Quecksilbernitratlösung
mit Kochsalz fällt. Kalomel
wird durch Wasser und Alkohol nicht gelöst,
wohl aber in der Siedehitze unter Abscheidung
von Quecksilber zerlegt. Ebenso zersetzt es sich
am Licht und muß daher im Dunkeln aufbewahrt
werden. K. findet in der Medizin als mildes Abführmittel,
selbst bei Kindern, Anwendung. Äußerlich
dient es zum Ätzen syphilitischer Geschwüre,
zum Einstäuben in das Auge bei Hornhauttrübungen,
und in den Schlund bei Krankheiten des
Kehlkopfs. Die Technik benutzt es zur Flerstellung
von Porzelianfarben mit Gold und als
Zusatz zu bengalischen Flammen.
Quecksilberfulminat (knallsaures Quecksilber,
Knallquecksilber) scheidet sich beim
Vermischen einer freie Salpetersäure enthaltenden
Quecksilbernitratlösung mit Alkohol in Form
grauer Kristallnadeln von der Formel HgC 2 N 2 Q 2
aus, die nach dem Umkristallisieren aus heißem
Wasser rein weiß erscheinen. Das Salz ist äußerst
unbeständig, explodiert beim Erhitzen auf 190 0 ,
sowie durch Reibung oder Schlag und muß
daher unter Wasser aufbewahrt werden. Zur
Beförderung auf der Eisenbahn wird es nicht
zugelassen. Es dient an Stelle des analogen, aber
noch gefährlicheren Knallsilbers zur Herstellung
von Zündsätzen.
Quecksilberjodid (rotes Jodquecksilber,
Einfachjodquecksilber, Doppeltjodquecksilber,
lat. Hydrargyrum bijodatum, frz. Jodure
mercurique, engl. Mercuric jodide), HgJ ?j
entsteht beim Zusammenreiben von 100 Teilen
Quecksilber mit 127 Teilen Jod als ein in Wasser
nur sehr wenig, etwas leichter in Alkohol lösliches
Pulver von lebhaft roter Farbe. Bei vorsichtigem
Erwärmen wird es gelb, nimmt aber
nach dem Erkalten durch Reiben seine rote
Farbe wieder an. Q. ist giftig und findet beschränkte
medizinische Anwendung gegen Geschlechtskrankheiten.
Quecksilberjodür (grünes Jodquecksilber.
Halb jodquecksilber, Quecksilbersemijodid.
lat. Llydrargyrum jodatum, frz. Jodure mercureux,
engl. Mercurous jodide) wird durch Verreiben
von 200 Teilen Quecksilber mit 127 Teilen
Jod dargestellt und bildet ein gelblichgrünes, in
Wasser unlösliches Pulver, HgJ, das Wie das
Jodid giftig ist und medizinisch verwandt wird.
Beide Jod Verbindungen sind vor Licht geschützt
aufzubewahren.
Quecksilbernitrat (lat. Hydrargyrum nitricum,
frz. Nitrate de mercure, engl. Nitrate of mercury)
findet sich wie die übrigen Salze in Form des
Oxyduls und des Oxyds. Das erstere entsteht bei
Behandlung von überschüssigem Quecksilber mit
mäßig warmer Salpetersäure, das letztere durch
Lösen von Quecksilberoxyd in Salpetersäure.
Beide bilden farblose kristallinische Salze, die
stark ätzend wirken und für äußerliche Behänd-