Schieferöl
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Schießbaumwolle
fertafeln) in den Handel kommt. Nächst Lekesten
ist die Umgegend von Gräfenthal in
Thüringen reich an gutem S. Hier findet sich
neben vortrefflichen Stücken zu Schiefertafeln
auch der Griffelschiefer, der nicht in Platten,
sondern gleichsam holzartig spaltet, so daß
ein Block, der an richtiger Stelle im bruchfeuchten
Zustande einen Schlag erhält, sogleich in
eine große Zahl von Stengeln auseinanderfällt,
hie durch Schaben noch etwas abgeglichen werden.
Die Schieferbrüche bei Goslar am Harz
ergeben vorzügliche Dachplatten, ausgezeichnet
durch Festigkeit und große Dünnspaltigkeit.
Andere Lager finden sich im Rheinlande, Erzgebirge,
Großbritannien, Frankreich und Belgien.
Englischer S. findet noch immer in
Norddeutschland vielfachen Absatz, weil die
Wasserfracht billiger ist als die Beförderung
aus dem Binnenlande. Guter Dachschiefer muß
vollständig ebenflächig, glatt und möglichst dünn
sein, damit die Tafeln das Dach nicht zu sehr
belasten. Auf dem Querbruche soll er genügend
dicht erscheinen und darf auch keinen eingesprengten
Schwefelkies enthalten, weil er
sonst leicht verwittert.
Schieferöl nennt man die Öle, welche durch
hockene Destillation aus bituminösen, d. h.
von Erdharzen oder Erdölen durchdrungenen
Schiefern gewonnen w-erden. Sie bestehen
aus Kohlenwasserstoffen, die sich als Brennöle
verwerten lassen, haben aber seit dem Aufkommen
des Petroleums an Bedeutung verloren.
Schieferschwarz (frz. Noir de schiste, engl.
Slate black), eine wohlfeile Anstrichfarbe, die
aus groberdigem, zerreiblichem, durch Kohle
schwarz gefärbtem Schieferton, sog.
schwarzer Kreide, durch Mahlen hergestellt
wird, findet sich am besten in der Gegend von
kcnnes in Frankreich sowie bei Saalfeld.
Schierling (lat. Herba conii s. cicutae, frz.
Teuilles de cigue, engl. Hemlock leaves), die bekannte
zweijährige Doldenpflanze Conium
ataculatum, die sich in der Nähe von Ortschaften,
an Zäunen, Wegen, auf Schutthaufen
wie in fruchtbarem Lande ansiedelt und eine
Nöhe von 9—12 dm und darüber erreicht, hat
einen runden, hohlen, bläulich bereiften Stengel,
der nach oben stark verästelt, an seinen unteren
leiten wie an denen der stärkeren Äste und den
mattscheiden aber mit dem Artmerkmal, rotbraunen
oder purpurroten Flecken, versehen ist
(gefleckter S.). Die dreifach gefiederten,
glanzlosen Blätter sinddenenderPetersilie außer-0r
dentlich ähnlich, die im zweiten Jahre erscheinenden
Blüten weiß. Durch das völlige Fehlen
v °n Härchen oder sonstigen Anhängseln an
a llen Teilen der Pflanze kann diese von verwandten
Arten unterschieden werden. Das Kraut
■st vor der Blütezeit einzusammeln, von den
dickeren Stengeln zu befreien und rasch zu
tf ocknen. Frisch zerrieben riecht es widerwärtig
u nd f ast betäubend nach Mäuse- und Katzen-Ur
in und schmeckt ekelhaft süßbitterlich. Durch
das Trocknen schrumpft es unter Dunkelfärbung
sehr ein und muß wegen leichter Verderbnis
gut auf bewahrt und alle Jahre erneuert
Werden. Alle Teile der Pflanze, auch die Wurzel
u nd die Früchte, enthalten zwei eigentümliche
Qr ganische Basen, das Koniin (s. d.) und das
Konhydrin, und sind sehr giftig. Das gepulverte
Kraut sowie daraus hergestellte Extrakte
und Tinkturen werden in sehr kleinen
Gaben innerlich bei Keuchhusten, Asthma usw.,
medizinisch angewandt. — Die Schierlingsfrüchte,
fälschlich Schierlingssamen genannt
(lat. Fructus conii maculati, frz. Semences
de cigue, engl. Hemlock seeds), sind durch
fünf auf der Wölbung des Rückens befindliche
erhabene helle Riefen, die wellenförmig gekerbt
erscheinen, gekennzeichnet und unterscheiden
sich hierdurch leicht von anderen ähnlichen
Früchten, z. B. Kümmel, Fenchel. Man benutzt
sie zur Darstellung des Koniins.
Schießbaumwolle (Pyroxylin, Nitrozellulose,
nitrierte Baumwolle, lat. Pyroxylinum,
frz. Pyroxyline, engl. Pyroxylin), eine deutsche
Erfindung, wurde zuerst und beinahe gleichzeitig
im Jahre 1846 von Schönbein in Basel
und Böttcher in Frankfurt a. M. hergestellt.
Die anfangs überschwenglichen Erwartungen,
daß in der S. ein völliger Ersatz des Schießpulvers
für Sprengungen und Schußwaffen gefunden
worden sei, schienen zunächst nicht in
Erfüllung zu gehen. Erst nachdem es durch die
Arbeiten v. Lenks und später Abels gelungen
war, die Ursache der Selbstentzündlichkeit zu
beseitigen, fand sie allgemeinen Eingang in die
Sprengtechnik. Das Verfahren zu ihrer Darstellung
beruht auf derselben Grundlage wie
das der Nitroglyzerinfabrikation. Reine Zellu-.
lose, besonders entfettete, durch Krempeln gereinigte
Baumwolle, wird in ein Nitrierungsgemisch
von Salpetersäure und Schwefelsäure
gebracht, eine Zeitlang darin belassen und dann
aufs , sorgfältigste durch Waschen mit viel
Wasser in Zentrifugen von jeder Spur anhaftender
Säure befreit. Nachdem sie dann in
einem Papierholländer unter starkem Wasserzufluß
vollständig zu Brei vermahlen ist, wird
sie entweder außerordentlich vorsichtig bei 40
bis 50 0 getrocknet, oder durch Behandlung mit
Alkohol entwässert, oder endlich direkt in
feuchtem Zustande weiter verarbeitet. Nach
dem Abelschen Verfahren wird der noch feuchte
Brei durch Pressen unter hohem Druck in Patronen,
Sprengröhren und Scheiben geformt, die
unter Umständen noch durch Imprägnieren mit
Kautschuk- oder Paraffinlösungen gegen Feuchtigkeit
unempfindlich gemacht werden. Auch
läßt sich der Brei in einer hin und her gehenden
Trommel in Körner (gekörnte S.) verwandeln,
die dann durch kurzes Eintauchen in
Essigäther gehärtet werden. — Bei der Nitrierung
hat die Baumwolle ihr Aussehen nicht
geändert, fühlt sich aber härter und rauher an
und ist durch Aufnahme der Nitrogruppe um
5oo/ 0 schwerer geworden. Wie dasNitroglyzerin
ist auch die S. kein eigentlicher Nitrokörper,
sondern ein Ester der Salpetersäure, und zwar
Zellulosehexa- oder nach anderen Angaben
-trinitrat. Sie löst sich nicht in Wasser, Alkohol
und Essigsäure, schwer in Äther und Azeton,
hingegen leicht in Essigester, Nitrobenzol und
Ätheralkohol. Frei entzündet, verbrennt die S.
blitzartig, aber mit so geringer Kraftentwicklung,
daß sie eine darunter befindliche Wage
nicht ins Schwanken bringt. Durch Druck,
Schlag oder plötzliche Entzündung auf hohe