Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Stechapfel

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Steinkohle

cum,  frz.  Acide  olöique,  engl.  Oleic  acid),  die  in
großen  Mengen  abfällt,  wird  zum  Putzen,  zum
Einfetten  von  Wolle  und  zur  Herstellung  weicher
Seifen,  Schmierseifen,  Schälseifen  benutzt.
Stechapfel  (Datura  Stramonium),  das  einjährige, ­
  widrig  riechende  Giftkraut  mit  weißen,
trichterförmigen  Blüten  und  stacheligen  Samenkapseln, ­
  das  sich  auf  Schutthaufen  und  wüsten
Plätzen  sowie  an  Wegen  aufhält  und  zu  der  Familie ­
  der  Nachtschattengewächse,  Solaneen,
  gehört,  findet  wie  die  meisten  Giftpflanzen
medizinische  Verwendung.  Man  benutzt  die  getrockneten ­
  Blätter  (lat.  Folia  stramonii,  frz.
Feuilles  de  stramoine,  engl.  Stramonium  leaves)
gepulvert  oder  in  Form  des  Extraktes  (lat.  Extractum
  stramonii,  frz.  Extrait  de  stramoine,  engl.
Extract  of  stramonium),  das  aus  frischem  Kraut
herzustellen  ist.  Außerdem  werden  auch  die
S.-Samen  (lat.  Semen  stramonii,  frz.  Semences
de  stramoine,  engl.  Stramonium  seeds)  in  gleicher
Weise  medizinisch  angewandt.  Die  Blätter  sind
zugespitzt  eirund,  buchtig  gezähnt,  dunkelgrün,
von  bitterlichsalzigem  Geschmack  und  widerlichem ­
  Geruch.  An  dem  bis  20  cm  langen  Blatte
ist  meist  der  10  cm  lange  Stiel  mit  vorhanden.
Die  Früchte  sind  stachlige  Kapseln  von  eiförmiger ­
  Gestalt  und  enthalten  etwa  2  mm  lange
Samen  von  schwarzbrauner  punktierter  Oberfläche ­
  und  weißem  Kern.  Die  ganze  Pflanze
ist  sehr  giftig,  doch  findet  sich  der  Giftstoff  am
reichlichsten  in  den  Samen.  Das  rein  abgeschiedene ­
  Alkaloid,  das  mit  Hyoszyamin  identisch  ist,
früher  aberDaturin  genannt  wurde,  kristallisiert
in  weißen,  glänzenden  Prismen  von  scharfem,
widrig  bitterem  Geschmack.  Außerdem  enthalten
die  Samen  noch  Atropin  und  fettes  Öl.  Die  S.-Blätter
  und  -Samen  ähneln  in  ihrer  medizinischen
Wirkung  der  Belladonna.  Die  Blätter  werden,
mit  Salpeter  gemischt,  als  Asthmakräuter  verordnet, ­
  auch  sind  die  sog.  Asthmazigarren  mit
einer  Einlage  von  S.-Blättern  versehen.
Steingut  (Fayence)  nennt  man  diejenigen
Tonwaren,  die  zum  Unterschiede  von  Porzellan
und  Steinzeug  eine  erdige  Masse  und  daher
poröse  Struktur  besitzen.  Sie  werden  in  feines  S.
oder  F.  und  in  gemeine  Fayence,  gemeines  S.
oder  Majolika  unterschieden.  Die  feine  Fayence, ­
  die  nach  der  Stadt  Faenza  in  Italien  benannt ­
  ist,  wird  aus  einem  feuerfesten,  fetten  und
plastischen  Ton  unter  Zusatz  von  Quarz  oder
Feuerstein  .hergestellt.  Das  Mahlen  und  Schlämmen ­
  der  Bestandteile,  ihre  Vereinigung  zu
Brühen,  das  Kneten  der  Masse  auf  Mühlen,
Durchziehen  durch  Filterpressen  und  die  weitere
Verarbeitung  auf  der  Töpferscheibe  oder  mit
Gipsformen  .stimmt  ganz  mit  der  Herstellung  des
Porzellans  überein,  geht  aber  einfacher  vonstatten, ­
  Weil  die  Masse  leichter  formbar  ist.  Die
getrockneten  Stücke  werden  in  Kapseln  zweimal
gebrannt,  erhalten  aber  zum  Unterschiede  von
Porzellan  die  größte  Hitze  beim  ersten,  dem  sog.
Biskuitbrand.  Nach  dem  ersten  Brand  werden
die  unter  Glasur  liegenden  Verzierungen  durch
Malerei  oder  Überdruck  aufgetragen.  Als  Farbstoffe ­
  finden,  wie  bei  Porzellan  und  Glas,  Chromoxyd ­
  für  Grün,  Kobaltoxyd  für  Blau,  Gemische
von  Kobalt-,  Mangan-  und  Kupferoxyd  für
Schwarz  und  Pink  Couleur  für  Violett  Anwendung. ­
  Vergoldungen,  Metallüster  und  reichere

Ausschmückungen  werden  nach  der  Glasur  aufgesetzt ­
  und  besonders  in  Muffeln  eingebrannt.
Die  Glasuren  sind  immer  stark  bleihaltig  und
bestehen  aus  einem  Glase,  das  vorher  aus  Kieselpulver, ­
  Soda.  Borax  und  Bleiweiß  oder  Mennige
zusammengeschmolzen,  dann  gestampft  und  mit
Wasser  fein  gemahlen  wurde.  Beim  zweiten
Brennen  überzieht  sich  das  S.  mit  einer  dünnen,
durchsichtigen  Glashaut,  welche  die  Grundfarbe
sehen  läßt  und  zur  Verdeckung  des  gelblichen
Tons  der  letzteren  meist  mit  etwas  Smalte  gebläut ­
  wird.  Die  gemeine  Fayence  (Majolika)
wird  aus  einem  mehr  oder  weniger  eisenschüssigen,
mit  Sand  und  Mergel  gemischten  Ton  durch
zweimaliges  Brennen  hergestellt.  Nach  dem  ersten
Brand  wird  die  Malerei  entweder  unter  Glasur
oder  auf  die  rohe  Glasur  aufgetragen  und  dann
mit  der  Glasur  eingebrannt.  Im  ersteren  Falle
verwendet  man  eine  durchsichtige,  im  letzteren
Falle  eine  undurchsichtige,  zinnhaltige  Glasur
oder  Email.  Weitere  Einzelheiten  siehe  unter
Ma  j  olika.
Steinkohle  (frz.  Houille,  Charbon  de  terre,
engl.  Coal,  Pitcoal).  Dieser  für  das  gewerbliche
und  Kulturleben  der  modernen  Menschheit  unentbehrliche ­
  Rohstoff  ist  pflanzlichen  Ursprungs
und,  nach  den  Versteinerungen  und  Abdrücken
zu  schließen,  aus  Farnkräutern,  Schachtelhalmen, ­
  Bärlappgewächsen  und  anderen
Kryptogamen  hervorgegangen.  Wahrscheinlich
erklärt  sich  ihre  Entstehung  in  der  Weise,  daß
die  Erzeugnisse  eines  üppigen  Wachstums  bei
feuchtem  und  tropischem  Klima  angehäuft  wurden ­
  und  unter  Bedeckung  mit  Niederschlagsmassen ­
  von  Sand  und  Schlamm,  aber  ohne  besonders ­
  hohe  Temperaturen,  eine  langsame  Reduktion ­
  durchmachten.  Im  Verlaufe  dieser  Umwandlung ­
  nahm  der  Gehalt  an  Sauerstoff  und
Wasserstoff  naturgemäß  ab,  derjenige  an  Kohlenstoff ­
  zu.  Die  S.  finden  sich  auf  der  ganzen  Erde
stets  unter  den  gleichen  Verhältnissen  und  enthalten ­
  auch  immer  dieselbe  Flora.  Es  muß
daraus  geschlossen  werden,  daß  zur  Zeit  ihrer
Entstehung  an  den  verschiedenen  Punkten  der
Erde  nahezu  dasselbe  Klima  geherrscht  hat.
Nach  ihrem  geologischen  Vorkommen  faßt  mal*
sie  zu  einer  besonderen  Formation,  der  Steinkohlen- ­
  oder  karbonischen  Formation,  zusammen, ­
  die  wohl  auch  in  Unter-und  Oberkarbon
unterschieden  wird.  Vorkommnisse  in  anderen
Formationen,  wie  in  der  Wealdenformation  i°
Schaumburg-Lippe,  sind  selten  und  nur  von  örtlicher ­
  Bedeutung.  Als  Grundlage  der  eigentlichen ­
  Kohlenformation  findet  sich  in  einige 0
Gegenden,  z.B,  in  England,  ein  Kalkstein  (Kohlenkalk), ­
  auf  dem  Schichten  von  Sandstein  und  Tonschiefern ­
  abwechselnd  mit  Kohlenschichten  lagern 1
In  Deutschland  fehlt  der  Kohlenkalk.  Die  Deck 6
wird  meist  durch  das  Rotliegende  gebildet.  Di e
Kohlenschichten,  Flötze,  deren  Mächtigkeit  z' v1 ’
sehen  wenigen  Zentimetern  bis  zu  mehreren
hundert  Metern  schwankt,  sind  bisweilen  hör*",
zontal  gelagert  oder  auch  durch  Verwerfung 60
gestört  und  bilden  meist  flache  Mulden  (Kohlenbecken ­
  oder  -bassins),  deren  Ränder  vielfach
zutage  treten.  Die  reichsten  Kohlenlager  ha*
Nordamerika,  dessen  Kohlenbecken  ein®
Fläche  von  mehr  als  6000  Quadratmeilen  h e '
decken.  In  Europa  hatte  England  die  größt® 0
            
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