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Teigwaren
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Terpentin
zahlreicher anderer Anilinfarbstoffe, so des Anilinblaus
durch Girard und de Laire, des Methylgrüns
und des Methylvioletts folgten. Jedes Jahr
brachte neue Farbstoffe und Farbstoffgruppen
(1869 die Azofarbstoffe durch, Peter Grieß, Alizarin
und andere Anthrazenfarbstoffe durch Grabe
und Liebermann), bis im Jahre 1880 mit der
künstlichen Darstellung des Indigos durch
A.v. Baeyer ein Höhepunkt der chemischen Synthese
erreicht wurde. Auf der Grundlage dieser
streng wissenschaftlichen Forschung entwickelte
sich eine blühende Industrie, in der zurzeit
Deutschland die unbestrittene Führung übernommen
hat. Der Wert der Erzeugung stieg von
24 Millionen Mark im Jahre 1874 auf 65 Millionen
Mark im Jahre 1890, und im Jahre 1908
erreichte allein die Ausfuhr die Höhe von 63000
Tonnen im Werte von mehr als 120 Millionen
Mark. — Die Teerfarbstoffe finden ausgedehnte
Anwendung in der Färberei, Zeugdruckerei, Buntpapier-
und Tapetenfabrikation, zum Färben von
Holz, Metall, Leder sowie zur Herstellung von
Kinderspielzeug und Tinten. Für viele Zwecke
haben sie wegen ihrer glänzenden, in jeder gewünschten
Abstufung herstellbaren Töne die
natürlichen Farbstoffe völlig verdrängt, und im
Gegensätze zu der früher weit verbreiteten Ansicht
gibt es jetzt zahlreiche T,, die nicht nur
(für Woll- und Seidenfärberei) völlig waschecht
sind, sondern auch große Lichtbeständigkeit
zeigen. Selbst die für Tapeten beliebten Modefarben
lassen sich durchaus lichtecht erzielen.
— Die T. des Handels enthalten oft Zusätze
nicht färbender Stoffe, die zum Teil erlaubten
Zwecken dienen, wie der Erzielung eines bestimmten
Farbtones oder der Erleichterung ihres
Gebrauchs. Es sind aber auch direkte Verfälschungen
oder Beschwerungen beobachtet worden.
Die Erkennung derartiger Fremdstoffe,
soweit sie anorganisch sind, wie Kochsalz, Glaubersalz,
Schwerspat, erfolgt mit Hilfe der Aschenbestimmung.
Stärke und Zucker können mikroskopisch
erkannt werden. Der Nachweis von
Dextrin gelangt meist durch Behandlung mit
Alkohol. 1
Teigwaren. Unter diesem Namen faßt man
eine ganze Reihe von Erzeugnissen, wie Nudeln,
Makkaroni (Vermicelli), Gräupchen
und Suppeneinlagen, zusammen, die ursprünglich
in Italien (Makkaroni) hergestellt wurden,
seit längerer Zeit aber auch in Deutschland von
zahlreichen Fabriken in großen Mengen, ungefähr
500000 dz, in den Verkehr gebracht werden.
Das sehr einfache Verfahren besteht im Grunde
darin, daß man einen mit Hilfe von Weizenmehl
oder -grieß (Hartweizen) und Wasser oder Eiern
hergestellten Teig entweder dünn auswalzt und
in Streifen schneidet oder durch besondere Maschinen
in Faden- oder eine andere Form preßt
und dann bei erhöhter Temperatur trocknet.
Nach der Form unterscheidet man hauptsächlich
Band-, Faden-, Röhren- oder Schnittnudeln, Perlgräupchen,
Sternchen, Hörnchen und Tierformen..
Wichtiger ist die Unterscheidung nach der Art
der benutzten Zutaten in Wasserteigwaren
und Eierteigwaren, von denen die ersteren
aus einem Teig von Mehl und Wasser, die
letzteren aus einem Gemisch von Mehl und
Eiern hergestellt werden. Zwischen den, beiden
Endgliedern dieser Reihe finden sich zahlreiche
Übergangsstufen aus Mehl, Wasser und geringen
Eierzusätzen, auch wird an Stelle des ganzen Eiinhalts,
vielfach getrocknetes oder auf andere
Weise konserviertes Eigelb verwandt. Im Hinblick
auf den Umstand, daß viele sog. Eierteigwaren
des Handels nur verschwindend geringen
oder gar keinen Eigehalt aufwiesen, durch künstliche
Auffärbung mit gelben Teerfarben aber den
Anschein einer gehaltreichen Ware besaßen, erschien
es zweckmäßig, den Begriff der normalen
Beschaffenheit, insbesondere einen Mindestgehalt
von Eiern, festzulegen. Die Ansichten über die
erforderliche Menge gehen zurzeit noch auseinander.
Während die Fabrikanten ursprünglich
einen Mindestgehalt von 75 Eiern für den Zentner
Mehl als erforderlich, später aber auch 50
und 30 Eier als ausreichend bezeichneten, ja
schließlich sogar jede Begrenzung ablehnten, vertreten
die Nahrungsmittelchemiker die Ansicht,
daß Eiernudeln mindestens 400 Eier auf 100 kg
Mehl enthalten müssen. Die sächsischen Nahrungsmittelchemiker
haben sich für die Festsetzung
von 200 Eiern für 100 kg Mehl ausgesprochen.
Die weitere Forderung, daß eine
künstliche Färbung zu kennzeichnen- sei, wird
auch von den Fabrikanten anerkannt. Die Feststellung
des Eigehaltes in Nudeln stützt sich auf
die Ermittlung der dem Eigelb eigentümlichen
Bestandteile: Lutein (Eifarbstoff), Cholesterin,
Lezithin und Fett, sie bietet aber gewisse Schwierigkeiten,
weil mit längerer Aufbewahrung eine
Veränderung der' Eisubstanz verbunden ist. Abgesehen
von dem Eigehalte stellt man an die
T„ die ein wertvolles Nahrungsmittel für den
Massenverbrauch darstellen, die Forderung, daß
sie keine anderen Mehle als Weizenmehl enthalten,
beim Kochen nicht zerfallen und keine
trübe oder sauer reagierende Brühe liefern.
Tellur, ein dem Schwefel und Selen nahe
verwandtes Element vom Atomgewicht 127, findet
sich in der Natur nur selten, und zwar entweder
gediegen oder in Verbindung mit Gold
und Silber im Schrifterz oder mit Blei und
Silber im Tellurblei. Die wichtigsten Fundorte
sind in Siebenbürgen, im Altai und auf der
liparischen Insel Vulkano. Praktische Verwendung
findet nur das tellursaure Kalium (Kaliumteliurat,
lat. Kalium telluricum) ein in
wasserlöslichen Nadeln kristallisierendes Salz, das
zur Verhinderung des Nachtschweißes von Phthisikern
medizinisch benutzt wird. Bei längerem
Gebrauche des Mittels, das keinerlei unangenehme
Nebenwirkungen zeigt, nimmt der Atem einen
knoblauchartigen Geruch an.
Tereben, eine gelbliche, bei 160 0 siedende,
ölige Flüssigkeit, die an Stelle des Terpentinöls
medizinische Anwendung findet, wird durch
wiederholte Destillation von Terpentinöl oder
anderen Terpenen mit etwas konzentrierter
Schwefelsäure dargestellt. Es ist nicht, wie früher
angenommen wurde, eine einheitliche Verbindung,
sondern ein Gemisch mehrerer Kohlenwasserstoffe.
Terpentin (lat. iWebinthina, frz. Terdbenthine,
engl. Turpentine) nennt man die frisc,hen,
durch Lufteinwirkung noch nicht veränderten
Harzausflüsse verschiedener Koniferen, die als
Gemische von Harz und ätherischen ölen zu