Full text: Graf Georg Kankrin in nationalökonomischer und finanzwirtschaftlicher Beziehung

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Gutes« bringe, die jedoch »theoretisch ermessen«, faktisch 
aber nicht festgestellt werden könne. 1 ) 
Die Bevölkerung habe »eine natürliche Tendenz« sich 
zu vermehren, insbesondere in ihren unteren Klassen. Daß 
dabei aber die Bevölkerung die »Tendenz die Subsistenz 
mittel zu überschreiten« hätte, wie das Malthus behauptet, 
könne Kankrin nicht zugeben. 
Die Not unter den ärmeren Klassen sei zwar sehr 
groß, aber diese Klassen suchen nicht selten dem Übel eben 
durch die Vermehrung ihrer Familienmitglieder abzuhelfen, 
»denn ein Verheirateter, wo Frau und Kinder mitarbeiten, 
schlägt sich oft noch eher durch.« 2 ) Übrigens sagt unser 
Autor noch ganz treffend: »Wo hätte man im kultivierten 
Zustand Mangel an Lebensmitteln selbst bemerkt, wenn 
auch die Mittel sie zu kaufen fehlen.« 2 ) Lebensmittel sind 
also durchaus vorhanden, nur haben die ärmeren Klassen 
keine Mittel sie zu kaufen. 
Mit dieser Bemerkung war Kankrin an den Kern der 
Sache angelangt, leider verstand er es nicht, daraus die 
richtigen Schlüsse zu ziehen. 
IV. Kapitel. 
Kankrins Geldlehre. 
^)er Geldlehre wendet Kankrin seine besondere Auf 
merksamkeit zu. Vor allem berücksichtigt er im »Welt 
reichtum« das Papiergeldwesen, wozu er durch die Ver 
hältnisse veranlaßt sein mochte, welche in der damaligen 
Finanzwirtschaft Rußlands herrschten und welche zu ver 
bessern er bald als Finanzminister berufen werden sollte. 
Auf die reformatorische Tätigkeit Kankrins auf diesem Gebiet 
werden wir bei der Betrachtung seiner finanzwirtschaftlichen
	        
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