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Die durch die Amortisation verursachte Ungleichheit wird
dann entschieden weniger schroff sein, als wenn das ge
sellschaftliche Band zerschnitten würde und der Aktionär
nur mehr obligatorisch mit der Gesellschaft verbunden
bleibt.
Wird durch die Amortisation das Aktienrecht ver
nichtet 1 ), so ist man vor eine schwere Entscheidung ge
stellt; was geschieht, wenn nach Beendigung der Amor
tisation alle Aktienrechte vernichtet sind? Es ist dann
niemand mehr da, der ein Anrecht auf das Gesellschafts
vermögen hätte. Dieses wäre dann mit der Vernichtung
der letzten Aktie herrenloses Gut geworden, das dem
Staate zufiele oder als bonum vacans von jedermann okku
piert werden könnte, denn mit der Einziehung der letzten
Aktie ist die Personen Vereinigung 2 3 ), auf welcher die Aktien
gesellschaft notwendigerweise beruht, beseitigt. Auch die
Amortisation aller Aktien bis auf eine, ist nicht denkbar
sie müsste denn speziell gewollt sein und der Erfolg wäre
wieder ein vorzeitiges und unfreiwilliges Ende der Gesell
schaft. Die Liquidation wird bei der Amortisation der
Aktien gar nicht erstrebt, denn mit dem Momente der
Rückzahlung der letzten Aktien hebt sich die finanzielle
Lage der Gesellschaft ganz bedeutend. Die zur Amortisation
jährlich bestimmte Summe wird frei und kann zu andern
Zwecken verwendet w r erden. Die Genussaktionäre haben
somit das grösste Interesse am Fortbestehen der Gesell
schaft; indem ihre Gewinnchancen wachsen, während ein
Risiko nicht mehr im gleichen Masse vorhanden ist. Vom
Untergange der Gesellschaft haben die Aktionäre gar nichts
zu erwarten. Der Irrtum, dass die Amortisation das Aktien
recht 8 ) zerstören müsse, falls nicht etwas anderes aus
drücklich festgesetzt sei, beruht auf einer zu engen Auf
') Behrend, 1. c., 889.
2 ) Lehmann, RdAG 2 511.
3 ) Mayer, 1. c., 57.