Full text: Wirtschaft als Leben

646 
.Freiheit vom Worte“, 
Im Zuge des Gleichnisses könnte man übertreibend nun sagen, die 
ganze „Güterlehre“ sei eine Zeichnung aus eitel Hilfslinien, diese aber alle 
unter einem schiefen Winkel gezogen! Natürlich ist mit diesen halb 
orakelhaften Vorstößen auf das Gebiet schwierigster Methodologie hier 
nichts anzufangen. Zum Glück läßt sich der ganzen Sache auch 
schlichter beikommen. 
Niemand wird leugnen wollen, wie packend anschaulich, wie ein- 
gänglich es ist, setzt man für das verwirrende Treiben des Wirtschafts 
lebens das „Güterleben“ ein, obwohl es im Grunde doch bloß der 
Wirtschaft schales Außenbild bleibt. Damit treten uns sozusagen die 
„res gestae“ des Wirtschaftslebens in schlichtester Ordnung vor Augen. 
Dieses Ganze der Vorstellungen von der ewigen Wiederkehr im Auf 
und Ab der Güterbewegung, von dem vermeintlich damit schon 
erfaßten „wirtschaftlichen Kreislauf“, kommt einer Art „Volksausgabe“ 
der nationalökonomischen Theorie gleich, jedoch mit einem Stich ins 
hanebüchen Drastische, Kolportagehafte. Gewiß, auch die reife Theo 
rie wird sich die anschauliche Kraft dieser Art Reduktion des Wirt 
schaftslebens nicht entgehen lassen, der Reduktion nämlich auf den nie 
fehlenden Begleitvorgang aller Wirtschaft, eben die Güterbewegung. 
So wird man z. B. gelegentlich immer wieder mit der hilfreichen Vor 
stellung des „Güterstromes“ arbeiten. Die Theorie braucht fallweise 
auch keine Scheu zu tragen, sogar in einem tieferen Sinne „in Gütern 
zu denken“. Als einer Hilfe nämlich beim Vorgang des Erkennens 
wird man sich stets wieder des Tricks bedienen, die Zusammenhänge 
des Wirtschaftslebens gleichsam vom Objekt her aufzurollen, eben von 
den Gütern her. Dies wird namentlich hinsichtlich aller Dinge des 
Größenspiels der Wirtschaft öfters so zu pflegen sein. Besonders aber 
gilt dies in Sachen der Theoreme, die vornehmlich zum Behufe ihrer 
technischen Auswertung erarbeitet werden, auf die also irgendeine der 
Kunstlehren im Schlepptau unserer Wissenschaft lauert; ob nun die 
Kunstlehre in der Richtung der Finanzwirtschaft, oder jene des Erwerbs 
betriebes in der Unternehmung, oder der bewußten Eingriffe in das 
wirtschaftliche Treiben, im Sinne irgendeiner „Politik“, z. B. der „Zoll 
politik“. Derlei Theoreme, die auf der Kippe zwischen Wissenschaft 
und Technik halten, dürfen einsehbar einen besonders reichen Gebrauch 
von der „Vergüterung“ des Wirtschaftslebens machen. Hier gilt es 
gleichsam überhaupt nur die Hilfslinien zu ziehen, um sich an 
ihnen in der Wirklichkeit praktisch zurecht zu finden. Die eigentlichen, 
die Grundlinien, weiß dann die Praxis selber schon einzuzeichnen, weil 
sie Auge in Auge mit der Wirklichkeit verharrt. Hingegen aber, daß 
die Theorie überhaupt nur am Ziehen dieser Hilfslinien ihr Genüge
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.