Full text: Das Konkursverfahren

5. Der Deutsche Handelstag 1861—1911. 
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dem Geschäftsführer kommt es mir vielleicht nicht zu; aber als Festredner fühle ich 
doch die Pflicht, und die Erfüllung der Pflicht ist zugleich der Ausdruck der Gesinnung, 
die mich beherrscht. Ich erinnere mich ganz wohl, daß bei seiner Wahl vereinzelt das 
Bedenken laut wurde, ob es nicht dahin kommen könnte, daß er als Politiker seine 
politischen Gesichtspunkte bei der Leitung des Deutschen Handelstags in den Vorder 
grund drängen und Schärfen in ihn hineinbringen könnte. Niemals ist eine Besorgnis 
weniger begründet gewesen als diese. In vollendeter Unparteilichkeit, ja, mit pein 
licher Sorge, allen ihm anvertrauten Interessen gerecht zu werden, waltet er seines 
Amtes. Wenn er an den Vorschlägen, die ihm gemacht wurden, etwas zu ändern 
fand, geschah dies öfters zur Milderung, niemals zur Verschärfung. Schließlich wissen 
diejenigen, die ihm nahestehen, in welch unermüdlicher Weise er seine hervorragende 
Arbeitskraft in den Dienst der öffentlichen Interessen und in den Dienst des Deutschen 
Handelstags stellt, für uns alle vom Deutschen Handelstag ein unübertreffbares Ideal. 
Nur wenige Männer führe ich vor, die nicht Präsidenten waren: 
Emil Russell, von der Direktion der Diskontogesellschaft, von zäher, west 
fälischer Art, der uns für Geld- und Bankwesen ein trefflicher Berater war, der das 
Bureaukratische haßte, namentlich wenn Kaufleute die Bureaukraten waren, 
Friedrich Hammacher, von leichtem rheinischen Blut, jugendfrisch bis in das 
achte Jahrzehnt seines Lebens, ein glänzender Redner, wertvoll für uns durch die 
politische Schulung, 
Philipp Dissens aus Mannheim, der hier im badischen Lande ein großes 
Ansehen genoß, 
Stephan Michel aus Mainz, der bei manchen unserer Vollversammlungen 
im Vorstand saß, mit der scharfen durchdringenden Stimme, die das passende Gewand 
seiner scharfen logischen Gedanken war und zur Zustimmung zwang, bis der Schatten 
der tödlichen Krankheit sich auf ihn senkte, 
zum Schlüsse Adolf Woermann. Mit tiefem Schmerze gedenke ich seines 
Scheidens, das erst vor einer Woche erfolgte. Wenn ich einen Kaufmann nennen 
sollte, in dem Klugheit und Kraft in hervorragendem Maße sich vereinten, so würde 
ich immer Adolf Woermann nennen. Und welch ein Leben steckte in ihm, welch 
Wille zum Handeln! Daher auch seine großen Erfolge. Er war eine Herrschernatur, 
ein königlicher Kaufmann. An ihn denke ich bei dem Goetheschen Worte: „Ich wüßte 
nicht, wessen Geist ausgebreiteter wäre, ausgebreiteter fein müßte als der Geist eines 
echten Handelsmannes", ff. oben S. 52.] 
Allen denen, die von uns gegangen sind und gutes für uns gewirkt haben, rufen 
wir ein Wort des Dankes nach. 
Hieran knüpfe ich den Ausdruck der Freude darüber, daß noch einer von denen, 
die 1861 dabei waren, an unserer Feier teilnimmt, der 81jährige Heinrich P f i st e r 
(Heidelberg), der in der ersten Vollversammlung das Protokoll geführt hat und später 
in der badischen Staatsverwaltung eine hohe Stellung erreichte. . . . 
Die Arbeit, gediegene Arbeit, ist mir immer als das beste Mittel erschienen, 
auch das Ansehen des Deutschen Handelstags hochzuhalten. Es fehlt an ihr nicht, und 
es erfüllt mich mit besonderer Genugtuung, zu sehen, wie gerade beim Deutschen 
Handelstag die Gewerbetreibenden selbst sich in aufopferungsvoller Weise an der 
Arbeit beteiligen in den Kommissionssitzungen, in den Ausschußsitzungen und sonst. 
Treten zur Vollversammlung die Kaufleute aus allen Teilen des Reichs 
Ausammen, so ist damit stets eine gewisse Feierlichkeit verbunden. Denn es ist etwas 
großes, daß freiwillig der Zusammenschluß nun sämtlicher Handelskammern im 
Deutschen Reiche gelungen ist. Besonders feierlich aber ist die gegenwärtige 
stunde. Mit verschwindenden Ausnahmen sind alle Handelskammern und die 
Vereine, die neben ihnen unsere Mitglieder sind, in diesem Saale vertreten. Die
	        
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