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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1029261784
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-50039
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Zweite Auflage / nach der dritten französischen Ausgabe herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1921
Scope:
1 Online-Ressource (XX, 804 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Viertes Buch. Die Abtrünnigen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Index

Full text

Kapitel IV. Die auf dem Christentum beruhenden Lehren. 
531 
diese Auflehnung —, und jetzt ist er nicht mehr imstande, aus eigener 
Kraft den Weg zurückzufinden. Daher ist die Annahme widersinnig, 
es genüge, den natürlichen Menschen „gehen zu lassen“, so wie das laisser- 
faire es vorschreibt, nämlich dem persönlichen Interesse freies Spiel zu 
gewähren, damit dieses den Menschen zum Guten zurückführe und ihn 
den Weg zum verlorenen Paradies wiederfinden lasse. Das gilt im wirt 
schaftlichen Leben ebensogut wie im religiösen. Im Gegenteil, die christ 
lichen Schulen erklären, daß der natürliche Mensch, — das, was im Neuen 
Testament der alte Adam genannt wird, — in uns absterben müsse, um 
einem neuen Menschen Platz zu machen. Alle göttlichen, moralischen 
ünd sozialen Kräfte müssen aufgerufen werden, um ihm zu helfen, den 
Abhang wieder empor zu steigen, auf dem ihn die Selbstsucht hinab 
gleiten läßt 1 ). 
Diese Schulen unterscheiden sich aber nicht minder vom Sozialis 
mus, selbst wenn sie ihn in der Heftigkeit ihrer Anathemata gegen den 
Kapitalismus und die bestehende wirtschaftliche Ordnung übertreffen. 
Der Unterschied liegt darin, daß sie nicht, wie er, glauben, es genüge, 
die wirtschaftlichen Bedingungen und das Milieu zu ändern, um eine 
neue Gesellschaft zu schaffen, — nein, zur gleichen Zeit muß auch das 
Individuum geändert werden. Denen, die ihn fragten, wann das Reich 
Gottes kommen werde, antwortete Christus: „Das Reich Gottes kommt 
nicht mit äußerlichen Gebärden . . . Das Reich Gottes ist inwendig in 
Euch“ 2 ), womit er sagen wollte, daß die soziale Gerechtigkeit erst herrschen 
werde, wenn sie zuvor in den Herzen verwirklicht sein wird. Das Programm 
des christlichen Sozialismus darf daher nicht mit dem der freiheitlichen 
Sozialisten oder sogar der Assozialisten verwechselt werden, da diese 
glauben, der Mensch sei von Natur gut und nur durch die Zivilisation 
Verderbt, und ebensowenig mit dem marxistischen Kollektivismus, der 
nls Grundlage den historischen Materialismus und den Klassenkampf 
hat. Und wenn auch einige der christlichen Schulen bereit sind, mit dem 
Staatssozialismus sympathisch zusammen zu arbeiten, so kommt doch 
a ) Die Christlich-Sozialen weisen darauf hin, daß auch dann, wenn man das 
ogma von der Schöpfung durch die Entwicklungstheorie, und Adam durch irgend- 
°inen Gorilla ersetzen wollte, ihre These dadurch nur stärker wird, denn dann würde 
?? nur um so notwendiger sein, den alten Menschen zu ertöten! „Wir leben nur 1 -, schrieb 
-dRünetiH^ „von dem Siege, den wir täglich über das Verhängnis unseres Ursprungs 
avontragen müssen“ (Revue des deux Mondes, 1. Mai 1895). 
In einem 1894 erschienenen englischen Buche, das einen riesigen Erfolg hatte, 
wocial Evolution Von Kidd) überträgt der Verfasser die darwinistische Theorie 
*ns Christliche. Nach ihm sind der Kampf ums Leben und die natürliche Auswahl 
Wohl Triebfedern des Fortschrittes. Aber der Kampf und die Auswahl vollziehen sich 
fischen denen, die bereit sind, ihre individuellen Interessen dem Interesse der All 
gemeinheit zu opfern, und die Religion ist ihre einzige zwingende Gewalt, die ein der- 
ar Gges Opfer auferlegen kann. 
s ) Luk, Evgl. 17, 20—21. 
34*
	        

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Origin, Birthplace, Nationality and Language of the Canadian People. Acland, 1929.
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