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Nationalökonomie (Teil 1)

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Bibliographic data

fullscreen: Nationalökonomie (Teil 1)

Multivolume work

Identifikator:
1847028748
Document type:
Multivolume work
Author:
Conrad, Johannes http://d-nb.info/gnd/118521853
Title:
Grundriss zum Studium der politischen Oekonomie
Place of publication:
Jena
Publisher:
Fischer
Year of publication:
1896-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1886436398
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-235143
Document type:
Volume
Author:
Conrad, Johannes http://d-nb.info/gnd/118521853
Title:
Nationalökonomie
Volume count:
Teil 1
Place of publication:
Jena
Publisher:
Fischer
Year of publication:
1902
Scope:
XVI, 389 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Abschnitt I. Die Lehre von der Produktion
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriss zum Studium der politischen Oekonomie
  • Nationalökonomie (Teil 1)
  • Title page
  • Contents
  • Abschnitt I. Die Lehre von der Produktion
  • Abschnitt II. Die Verteilung des Ertrages der Volkswirtschaft
  • Abschnitt III. Die Geschichte der Nationalökonomie

Full text

‚122 — 
/ersteige- 
rung, 
Seltenheits- 
preise 
ler den höchsten noch ökonomisch gerechtfertigt findet, z. B. bei öffent- 
icher Versteigerung. 
In England werden die in den Häfen eingetroffenen Schiffs- 
ladungen von Wolle und Baumwolle meist Öffentlich versteigert, wie 
'n Frankreich und am Rhein die Weine größerer Produzenten, ebenso 
lie edlen Zuchttiere, Böcke, Rennpferde etc. in England und Deutsch- 
land. Die Kauflustigen kommen aus allen Gegenden zusammen und 
überbieten sich. Derjenige erhält den Zuschlag, der das höchste Gebot 
macht. Er bestimmt den Preis. Ein ähnliches Verfahren ist überall 
im Verkehre zu beobachten, wo der Vorrat ein beschränkter ist. Die 
Herstellungs- resp. Beschaffungskosten bilden nur die untere Grenze, 
über welche der Preis je nach den Geboten erheblich hinausgetrieben 
wird. Das sich Ueberbieten der Kauflustigen geschieht, ohne daß sie 
sich dessen bewußt sind; oder der Verkäufer läßt es nicht zur Ver- 
steigerung kommen, sondern stellt die Preise der Kaufkraft und Kauf- 
lust der Leistungsfähigsten gemäß auf, und es ist die wichtige und 
schwierige Aufgabe des Kaufmanns, hier mit dem richtigen Verständnis 
den Verhältnissen die Preise anzupassen. Ein gutes Beispiel liefern die 
Samenhändler in Deutschland, die dem Usus gemäß gleichzeitig ihre 
Preiscourante versenden, in denen für jede Sorte in jedem Jahr nach 
dem Ausfall der Ernte. die Preise von den Konkurrenten unabhängig 
von einander aufgestellt werden, wobei nicht die Herstellungskosten des 
einzelnen Jahres den Maßstab abgeben, die oft nicht erreicht werden 
können, sondern die Zahlungsfähigkeit des Publikums nach dem zu er- 
wartenden Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Setzt ein Händler 
nach einer Mißernte bei einer Sorte die Preise zu hoch an, so schreckt 
er die Kunden überhaupt zu sehr ab, die sich einem Konkurrenten 
zuwenden und dort ihren ganzen Bedarf auch an anderen Sorten be- 
ziehen; setzt er die Preise zu niedrig an, so wird er zwar seinen Vor- 
at schnell los, erzielt aber nicht den Gewinn, der für ihn möglich ge- 
vesen wäre. 
Je größer die Dringlichkeit des Bedarfs, um so mehr kann der 
Preis über die Herstellungskosten steigen (Seltenheitspreise), und um 
;o mehr wird die Furcht vor Mangel oder Ueberfluß die Preisschwan- 
zungen noch über das Mißverhältnis von Vorrat und Bedarf hinaus 
aervorrufen. Die Grenze jeder möglichen Preissteigerung liegt, wie er- 
wähnt, in der Zahlungsfähigkeit der Konsumenten. Diese Grenze wird 
daher, wofür schon Belege angeführt sind, beim Bedarf der ärmeren 
Klasse früher eintreten als bei dem der reicheren, und um so mehr, 
wenn es sich um entbehrliche Gegenstände handelt. 
Diese Seltenheitspreise bilden sich nun im wirtschaftlichen Leben 
sehr allgemein aus und spielen eine weit größere Rolle, als gewöhn- 
‚ich angenommen wird. Sie sind es, die den Unternehmergewinn liefern. 
Dieselbe Fabrik stellt für die verschiedenen Waren, welche sie 
herstellt, z. B. in der Wirkwarenbranche, die Preise mit sehr ver- 
schiedenem Zuschlage zu den Herstellungskosten auf, je nachdem die 
Artikel der allgemeinen Konkurrenz verfallen oder einzig in ihrer Art, 
mit neuern Mustern, von besonderem Geschmack dastehen, also Selten- 
heitspreise gestatten. Die Händler begnügen sich mit einem sehr ge- 
zingen Preise bei Waren, welche die große Masse der Bevölkerung 
f{ortdauernd bezieht, und die in jedem Laden zu haben sind. Sie nehmen 
höhere Profite bei Waren von auserlesenem Geschmack, die als Spe- 
„jalitäten angesehen werden können. Letztere werden unter Umständen
	        

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Nationalökonomie. Fischer, 1902.
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